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Diskussionen, Diskussionen, Diskussionen! Wieviel Hin und Her mit Kindern tut noch gut?

Streit, schon wieder Streit und endloses Diskutieren ….Sie kennen das auch?
Man gerät mit seinem Kind in Streit über irgendeine kleine Angelegenheit und – schwuppdiwupp – entspinnt sich wieder eine ewige Diskussion, es geht zwischen Eltern und Kind hin und her mit endlos langen Argumenten und womöglich steigert sich das Ganze im Nullkommanix in gegenseitiges Anschreien … !
Szenen aus dem Alltag einer fast jeden Familie heutzutage.
Gut ist: Wir sind dazu übergegangen, mit Kindern mehr zu sprechen als früher.
Aber  Zweifel daran sind ebenfalls berechtigt, denn manchmal denkt man: Ist das immer gut und jedes Mal richtig so?
Denn man kann häufig beobachten: Kinder haben oftmals die größere Power, die heftigere Energie – und leider ist das für den gemeinsamen, freundlichen Gesprächsfaden zeitweise auch hinderlich. Wirklich?
Ja. Warum? Häufig viel schneller als Erwachsene  ereifern sich Kinder und schrecken keinesfalls davor zurück, ihre Eltern mit heftigsten Argumenten zu überhäufen; Kinder sind emotionaler im Streiten und womöglich ganz schnell beleidigt, wenn alles Hin und Her nicht zu ihren Gunsten ausgeht. Immer wieder schrecken Kinder aufgrund ihrer starken Gefühle auch nicht davor zurück, als erste die Eltern anzuschreien. Was tun?
Es bleibt richtig, dass Kinder heute mehr Mitspracherecht haben. Es bleibt aber ebenso richtig, dass Kinder im Alltag oft genug noch akzeptieren müssen, dass die Erwachsenen an wichtigen Punkten des Lebens, in bestimmten Momenten alltäglicher Notwendigkeiten den größeren Weit- und Überblick haben, Eltern also in diesem Moment, jetzt aktuell wichtige (oder auch mal unwichtigere) Dinge des täglichen Lebens entscheiden müssen; die Entscheidung der Eltern dann nicht immer zur Diskussion stehen kann.
Man muss manchmal zu Kindern sagen: „Es ist jetzt so, tu bitte, was ich jetzt sage. Keine Diskussion.“
Wenn ein Kind dann sofort mit heftigem Beschweren,  vielleicht auch schnell mit Schreien, auch Anschreien reagiert, ungehalten und pampig wird, dann bleibt man als Mutter/Vater dennoch bei seinem Standpunkt und besteht darauf, dass es jetzt so richtig ist, weil man sich als Mutter/Vater sehr wohl alles gut überlegt habe. Und schnell empfiehlt es sich zu sagen: „Schrei mich nicht an. Ich schreie Dich nicht an, schreie Du jetzt auch keinesfalls mich an. Ich bemühe mich um Respekt Dir gegenüber, ich bestehe drauf, dass Du auch respektvoll mit mir redest.“
Diese wenigen Sätze reichen, beenden Sie alles weitere Argumentieren.
Am besten ist es, sofort, in weiterhin normal gutem Ton zu den Notwendigkeiten des Alltags überzugehen. Sich definitiv in keine Diskussion verwickeln zu lassen. Und keinesfalls dazu überzugehen, jetzt über die schlechte Stimmung des Kindes, über die heftige schlechte Laune, die Kinder in ihren starken Gefühlen dann oft genug zum Ausdruck bringen, darüber infolge in Diskussion und Argumentieren zu fallen. Denn dann ist die nächste Diskussion garantiert – nicht mehr über die Entscheidung der Eltern, sondern jetzt über die Befindlichkeit des Kindes, es fallen dann von den Eltern z.B. diese Sätze: „Maul jetzt nicht so, weil ich habe das und dies und jenes überlegt  …!“ Oder „Warum bist Du jetzt so eingeschnappt, schau es ist so …“ usw. usw. Den älteren Beobachtern fällt auf: Nur zu schnell sind Eltern heute langmütig dabei, mit dem Kind über Stimmungen zu argumentieren und Kinder fast schon anzuflehen, doch wieder beste Freunde mit ihnen als Eltern zu sein.
Tun Sie das nicht. Es führt zu neuen Argumenten, Diskussionen und Ausenandersetzungen und das Hin und Her nimmt abermals kein Ende.
Machen Sie an wichtigen Punkten klare Aussagen und machen Sie mit wenigen Sätzen klar, dass Sie jetzt meinen, was Sie sagen. Gehen Sie zu den ganz normalen Ereignissen des Tages über. Sie tun, was jetzt gerade gerade getan werden muss. Sie bleiben respektvoll und warmherzig in Ihren Worten und gehen nicht weiter auf die sehr heftigen Stimmungen des Kindes ein.
Sie werden erleben: Es hilft Kindern schneller, wieder zur Tagesordnung überzugehen, schneller wieder normal, ruhiger, weniger empört, erbost oder beleidigt zu sein. Das Kind erlebt durch Ihr nicht argumentierendes Verhalten eindeutig: Die Dinge sind jetzt wie sie sind, Eltern übernehmen immer wieder als die letztlich „Weitsichtigeren“die Führung und sagen, was jetzt an Notwendigkeit dran ist.

Ein Kind erlebt durch Ihr normal freundliches Weitermachen außerdem: Bei klaren Ansagen geht es nicht darum, wer jetzt die Macht hat oder dass eine Seite das Gesicht verliert, sich nur unterwerfen muss, sondern dass es jetzt um Notwendigkeiten des täglichen Lebens geht, dass jetzt Dinge, die „laufen“ müssen, ohne ewige Diskussion schnell genug auch wirklich getan werden können.  Wir als Erwachsene sorgen durch  „Weiter im Text“ bei ganz normal freundlicher Sprache dafür, dass langen Streitereien jetzt überhaupt keine Bühne geboten wird, dass diese jetzt schlicht überflüssig sind.

Wenn wir nicht ins Argumentieren und ins ewige Reden über Befindlichkeiten einsteigen, im Ton  normal freundlich zu den normalen Tätigkeiten des Tages übergehen, findet ein Kind schnell wieder ins Lot und macht dann doch zügig, was jetzt gerade für alle dran ist. Manches Kind schmollt vielleicht zunächst noch eine kleine Weile vor sich hin, wenn man aber darauf nicht weiter eingeht, macht es dann doch mit. Warum? Weil es eben gerne beim ganz normalen Familien-Alltag wieder bei allen, bei der Familie als Gruppe, gerne wieder richtig dabei sein will, an allem Anteil haben will.

Wenn man den Bogen besonders gut raus hat als Eltern, dann hat man in solchen Situationen schnell noch eine gute Idee, was ein Kind als nächstes noch tun könnte, irgendein guter Vorschlag, von dem man weiß, dass dies eine Tätigkeit ist, die dieses Kind gerne tut; gute Vorschläge helfen einem Kind, dass es sich schnell wieder „einfädelt“. Beispiele aus dem Alltag?  Zum Beispiel etwas Wichtiges für alle in der Küche für das gemeinsame Essen machen, etwa die Salatsoße noch anrühren dürfen, oder die Gurke ganz alleine aufschneiden und schön anrichten; oder etwas im Bad noch zusätzlich erledigen, wovon man weiß, dass es einem Kind schnell Freude macht, z.B. den Bad-Spiegel aus der Fensterputzmittelflasche ansprühen dürfen und ihn richtig super blank reiben; gute Ideen sind immer irgendwelche Dinge, die erledigt sein sollten, die zum Zusammenleben aller beitragen, die  aber etwas an sich haben, was Kinder besonders gerne tun, weil es in irgendeiner Weise einem Kind auch Freude macht.
Werden Sie also klar, bleiben Sie freundlich, gehen Sie zügig zu den Notwendigkeiten des Zusammenlebens als Familie über.
Auseinandersetzungen werden kürzer, schneller wieder ruhig; Diskussionen werden weniger und sind schnell beendet.

Nur Mut! Bei klaren Überlegungen und klaren Entscheidungen Ihrerseits sind Sie als Eltern berechtigt, in Ihrer Weitsicht von Ihrem Kind Einlenken und Respekt einzufordern. Das ist keine falsche Ausübung von Macht, sondern oft genug schlichte Notwendigkeit des Alltags. Allen in der Familie geht es dann schneller wieder besser und Kinder erleben, dass die Erledigungen des Alltags für alle schnell getan sind, weniger Mühe machen, oft genug sogar dann doch noch Freude bringen.

Bis zum nächsten Mal,
herzlich
Ingrid Löbner

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