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Hilfe, unser Kind nervt und bleibt nie lange bei einem Spiel – was tun?

Liebe Eltern,
eine Frage, die mir von Eltern kleinerer Kinder oftmals gestellt wird: „Unser Kind nervt, ist umtriebig, geht von einem Spielzeug gleich zum nächsten, bleibt bei nichts lange – ist es schon hyperaktiv? Was tun, damit sich das ändert?“

Es ist berechtigt, sich darum zu kümmern, weil es Sie als Eltern und ebenso Ihr Kind anstrengt, wenn durch Spielen nie mehr Ruhe entsteht.
Wenn ich Eltern kleinerer Kinder erlebe, fällt mir auf, dass heute sehr viel mit Kindern gesprochen wird, es wird auch kleinen Kind sehr vieles erklärt; oder wenn ein Kind nicht so spielt, wie es gut täte, dann wird das Kind reichlich mit Worten ermahnt – aber es hilft nicht.
So sehr ich dafür bin, mit Kindern zu sprechen und so sehr ich beobachte, dass sie früh wirklich alles verstehen, so sehr denke ich dennoch darüber nach, warum die vielen Worte von Eltern an ihre kleinen Kinder meist nichts nutzen. Mir scheint, oft verstärkt das viele Reden eher die Anstrengung auf beiden Seiten, denn Sie als Eltern haben das Gefühl, sich den Mund fusslig zu reden ohne Erfolg, und das Kind reagiert null, macht vielleicht genau das Gegenteil oder schaltet irgendwie „auf Durchzug“. Warum?
Verschiedene Ebenen fallen mir dazu ein:

Die erste Ebene:  Dass – meiner Beobachtung nach häufiger als man denkt – kleine Kinder, die unruhig sind, eigentlich erschöpft und müde sind; wenn es um müde Kinder geht, hilft statt vieler Worte zuallererst, mit Kindern Momente der Ruhe zu zelebrieren: ein Kind auf den Schoß zu nehmen, sich dazu selber gemütlich hinzusetzen und das Kind -wie in Beiträgen weiter oben beschrieben- durch liebevolles Halten zu beruhigen, ihm etwas zu Saugen (auch Schnulli oder Flasche helfen bei den Kleineren noch) zu geben,  oder einen Gegenstand, an dem es gerne mit den Fingern nestelt (ein Schuffeltuch oder den geliebten  Teddy, oder das Lieblings-Auto, oder die Puppe),  oder sich auch ohne viel Worte mit dem Kind in ein Bilderbuch versenken; sprich,  durch haltgebenden Körperkontakt und ruhiges Zusammensein erstmal wieder für Tagträumerei und Ruhe zu sorgen. Denn klar ist: Ein Kind, das eigentlich nicht mehr kann, kann sich auch bei nichts mehr lange konzentrieren. Denken Sie mit jüngeren Kindern wirklich oft genug daran, dass kleine Menschen, aber letztlich wir alle, mehr Momente des Tagträumens zelebrieren sollten, denn es hilft uns allen aus Erschöpfung und Nervosität, es hilft zu mehr Erholung, bei jüngeren Kindern hilft es im nächsten Schritt oft auch gleich noch in den Schlaf.

Die zweite Ebene: Wenn Kinder ab ca. eineinhalb bis drei oder vier Jahren in dem Alter sind, in dem sie ihr Ich entdecken, ihre Person deutlicher spüren und erleben wollen, dann sind sie drauf aus, zuallererst das zu tun, was sie selbst wollen – und gerade eben nicht das auszuführen, was die Eltern wollen. Dieses „Ich-Spüren“  ist ein Entwicklungsschritt, der im Kleinkindalter dran ist, der für Eltern aber durch den Eigensinn des Kindes immer wieder sehr anstrengend ist.
Kinder spüren besser, dass sie selbst Jemand sind, dass sie also eine eigene Persönlichkeit haben, wenn sie genau das tun, was ihnen selbst einfällt und gefällt, sie also ihre eigenen Ideen ausleben.

Die dritte Ebene: Ständig kann man beobachten, dass man Kinder generell, aber kleinere Kinder ganz sicher, eher zu etwas bewegen kann, indem wir sie weniger durch dauerndes Reden ermahnen und mit Appellen in ihre Ohren dringen, sondern wenn wir sie in ihre kindliche Begeisterung und Faszination bringen, denn dann kommt die Konzentration und Ruhe nahezu von allein. Statt zu viel und dauernd  „Nein“ und „Du sollst doch… “  zu sagen, kommen wir besser mit Kindern in ruhigeres Spiel oder Hantieren, wenn wir ihnen etwas erlauben, was sie ausgesprochen gerne tun, oder auch ihnen etwas zeigen, was deutlich anfängt, sie zu begeistern.
Beispiele und Anregungen? Man kann sie , bei gutem Wetter draußen, in erster Linie mit Wasser und mehreren kleineren Gefäßen auf jeder Terrasse, jedem Balkon, oder aber, wenn es wieder kühler wird, in der Küche an der Spüle läppern lassen. Man kann ihnen erlauben, mit allem Möglichem  Türme zu bauen, die man dann einstürzen lässt, den Spaß dabei zusammen genießt und man dem Kind erlaubt, immer wieder Neues zu bauen  und dadurch auszuprobieren, was alles übereinander gestapelt werden kann und ab wann die gestapelten Bauten dann doch kippen. Man kann kleine Höhlen bauen und dem Kind erlauben, dass es in seiner Höhle unterm Tisch mit jenen (nicht elektrischen) Küchenutensilien spielen darf, mit denen es gerade sowieso am liebsten hantiert. Man kann immer mal die unteren Küchenschränke leicht umräumen, so dass mal der eine untere Schrank und am nächsten Tag eine andere untere Schublade ausgeräumt werden darf, dabei ein Kind immer mal neue Kleinigkeiten findet, die es mit seinen Händen entdecken und faszinierend finden kann. Sprich: Man sucht gute Kompromisse, so dass man Erlebnisse ermöglicht, die ein Kind wirklich begeistern und in konzentriertes Hantieren verführen,  die aber doch nicht ständig unsere ganze Aufmerksamkeit brauchen, sondern uns Erwachsenen auch ermöglichen, bei  alledem etwas nebenbei zu tun.  Das Kind fängt mit Begeisterung und Hingabe an, bei etwas zu bleiben, zu spielen und wir tun unsere Dinge – ohne dauerndes Reden und Mahnen  entsteht mehr Ruhe, auf beiden Seiten.

Wenn es Sie häufig nervt und es Ihnen schwer fällt, sich in das Lebensgefühl und die Gedankenwelt jüngerer Kinder hinein zu versetzen – haben Sie Lust zu lesen? Bevor Sie weiter im Internet über Ihr Kind googeln, was mit ihm los sei, lesen Sie lieber Astrid Lindgrens „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ . Auf sehr lebensechte Weise wird hier ein Kleinkind mit der typischen Kleinkind-Logik, der typischen Art zu denken und der typischen kleinkindlichen Begeisterung und Faszination beschrieben: Lotta. Und herrlich realistisch, wie Lindgren immer erzählt, lassen sich die großen Geschwister manches einfallen, was Lotta beschäftigen könnte, damit sie  irgendwas zu tun hat und die Größeren in Ruhe spielen können, und es wird aus Sicht der Größeren beschrieben, was in Lotta alles vorgeht; genau wie im richtigen Leben ist Lottas Mama immer wieder deutlich genervt (zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde, war es meist Mama, die zu Hause war, aber stören Sie sich daran nicht, es ist bei diesen Geschichten ganz egal, ob Mama oder Papa zu Hause ist, es geht in den Erzählungen darum, wie Kinder erleben, denken, fühlen, spielen), und zwischendurch wird Mama richtig streng angesichts dessen, was Lotta täglich anstellt. Lesen Sie  – Sie werden viel Spaß haben und werden lebensnah und lebensecht, mit Schmunzeln spüren, wie Kinder, auch Ihre, in diesem Alter in der Welt sind.

Zu guter Letzt: JA, Sie brauchen genug  Zeit und Ruhe, um mit ausreichend guten Nerven durchzuhalten, was es täglich mit Ihren kleinen Kindern an Anstrengendem, aber ja auch Nettem, Anrührendem zu erleben gibt.
Daher:
Ihnen als Eltern steht  ausreichend Zeit mit Ihren Kindern zu, ebenfalls  ausreichend Einkommen, aureichend gute Bedingungen, jetzt und später, damit Sie als Familie nicht dauernd existentiell unter Anspannung und Stress stehen, denn das macht Erwachsene grundlegend nervös. Vertreten Sie sich politisch, damit Sie bessere Bedingungen bekommen, oder: lassen Sie sich vertreten. Ich füge Ihnen hier  noch die aktuelle Presse-Mitteilung des Deutschen  Familienverbandes zur jetzigen Rentendikussion an, denn JA – Sie als Eltern, die Sie im Moment die kleinen, aber später  erwachsenen Rentenzahler versorgen, Sie brauchen andere Rentenansprüche , als logische Folge für Ihre Versorgung der nächsten Generation –  denn es sind die Kinder heute, die später die Renten für alle finanzieren. Sie als Eltern sollten durch Ihre Fürsorge Rentenansprüche erhalten – damit Sie nicht zu früh zu stark in volle Erwerbsarbeit müssen, sondern die Arbeit mit und für Ihre Kinder mit besseren Nerven erleben, auch genießen können.
Bis zum nächsten Mal, herzlich
Ingrid Löbner

Druckfrisch: die Presse-Mitteilung des Deutschen Familienverbandes zur aktuellen Renten-Diskussion:

DFV-PM] Mütterrente: Ein halber und sehr kleiner Schritt
(Berlin). Beim Spitzentreffen im Kanzleramt wurde beschlossen, dass Mütter und Väter, deren Kinder vor 1992 geboren worden sind, zusätzlich einen halben Rentenpunkt pro Kind erhalten.

„Familien sind die eigentlichen Leistungsträger im Rentensystem und werden dafür im Alter arm gemacht. Die Einigung im Mütterrentenstreit ist bestenfalls ein halber und sehr kleiner Schritt auf dem Weg zu dringend notwendigen sechs Jahren Erziehungszeiten pro Kind für alle Eltern“, sagt Sebastian Heimann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes.
„Wer Kinder hat, erlebt nicht nur Lebensglück, sondern sichert mit deren Erziehung und Betreuung den Fortbestand des gesamten sozialen Sicherungssystems. Anders gesagt: Wer Kinder erzieht, sichert Zukunft. Das muss sich endlich auch in der Rente von allen Eltern widerspiegeln“, so Heimann.
Bis heute beklagt der Deutsche Familienverband (DFV) gravierende rentenrechtliche Gerechtigkeitslücken gegenüber Eltern. Eine nachhaltig familien- und leistungsorientierte Rentenreform setzt voraus, dass die Leistung Kindererziehung zu gleichwertigen Rentenansprüchen führt wie die Zahlung von Geldbeiträgen. Die Finanzierung der Rentenreform darf auch nicht in den steuerfinanzierten Familienleistungsausgleich ausgelagert werden, sondern muss innerhalb des Rentensystems erfolgen.
Dafür hat das Bundesverfassungsgericht bereits 1992 im vom DFV erstrittenen Trümmerfrauenurteil den Weg vorgezeichnet. Die maßvolle Umverteilung von Rentenansprüchen hin zu Familien mit Kindern ist mit dem Eigentumsschutz der Verfassung vereinbar – und notwendig.
Gegenwärtig stehen der Deutsche Familienverband und der Familienbund der Katholiken mit mehreren Verfassungsbeschwerden vor den Karlsruher Richtern und fordern eine Beitragsentlastung für Familien in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung: www.elternklagen.de

Der Deutsche Familienverband ist die größte parteiunabhängige, überkonfessionelle und mitgliedergetragene Interessenvertretung der Familien in Deutschland.

Deutscher Familienverband e.V. • Bundesgeschäftsstelle • Herausgeber: Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann
Seelingstr. 58 • 14059 Berlin • Tel: 030 – 30 88 29 60
presse@deutscher-familienverband.de

 

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