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Unser Kind macht nicht was wir sagen – was tun, wenn es wieder Streit gibt?

Schon wieder – Streit, Auseinandersetzung! Unser Kind, das nicht macht, was man sagt – soll man strafen, und wie?
In Gesprächen mit Eltern ist das eine häufige Frage.

Zunächst ein kleiner Hinweis, mit Augenzwinkern: Kinder, die nur gehorsam wären, würden keine eigenständige Person werden. Kinder brauchen auch den Ungehorsam, um sie selbst zu werden. Wenn Sie sich erinnern: Auch wir heutigen Erwachsenen  haben einst als Kinder nicht dauernd nur das gemacht, was die Eltern und andere Erziehende von uns wollten. Es ist wichtig, dass Kinder sich auch widersetzen, denn sie zeigen damit deutlich, dass sie einen eigenen Willen, einen eigenen Kopf haben – beides braucht man auch und unbedingt, will man auf eigenen Beinen durchs Leben gehen.

Aber klar, natürlich müssen Kinder auch immer wieder das machen, was man ihnen als Erwachsener sagt, sonst würden sie ihren Eigensinn nicht ohne Weiteres überleben  (wenn wir ihnen Dinge natürlich nicht erlauben, die für ihr Leben gefährlich werden) oder – der zweite wichtige Grund, warum wir Erwachsenen ihnen manches sagen – wenn Kinder das soziale Zusammenleben zu wenig berücksichtigen, denn dann würden sie eher rücksichtslos, wenig hilfsbereit, wenig umsichtig für die Bedürfnisse anderer, nicht tatkräftig, nicht tüchtig im Helfen und Zupacken. Womit hier auch schon die Gründe genannt sind, weswegen wir Kinder ermahnen – dass sie eben lernen, im Zusammenleben nicht nur an sich selbst zu denken, ebenso, dass sie etwas durchhalten lernen, dass man man auch mal Schwieriges bewältigen kann, etwas durchsteht,  was nicht nur angenehm ist.
Um weniger Streit mit Kindern zu haben, fallen mir in  Gesprächen mit Eltern folgende Punkte als hilfreich auf:
Zum einen: Dass wir Erwachsenen in unserer heutigen, sehr hektischen, sehr verplanten Zeit IMMER dran denken, dass Kinder wirklich ausgeglichener sind, wenn sie jede Menge Zeit für ihr freies Spiel unter Kindern haben. Wenn Kinder spüren, dass wir für ihr Spielbedürfnis jeden Tag viel Sinn haben, dann sind Kinder generell ausgeglichener und damit überhaupt erst in der Lage,  ihnen schwerer fallende Aufgaben zu bewältigen.
Als nächstes sollten wir überprüfen, ob eine Aufgabe für ein Kind altersentsprechend bewältigbar ist. Zum Beispiel ist es bis zum Alter von sechs, sieben Jahren generell sinnvoll, etwas mühseligere Aufgaben MIT Kindern gemeinsam zu tun – so lange Kinder noch viel ins Tagträumen gehen (und Tagträumen ist wichtig, weil sich so starke Strukturen im kindlichen Gehirn bilden können), fällt es einem Kind leichter, MIT jemandem zusammen eine Aufgabe zu erledigen als etwas ganz und gar alleine tun zu müssen.
Dann ist es hilfreich, gute Kompromisse zu finden – also zum Beispiel zu sagen: „So und so lange darfst Du (ihr) noch spielen, danach erledigen wir dies (oder jenes ) zusammen, danach kannst Du/ könnt ihr nochmal wieder spielen.“ Wenn Kinder unser Kompromiss-Angebot mit Sinn für ihr Spiel bekommen, sind sie – so meine tägliche Erfahrung – sehr viel kompromissbereiter, etwas mit uns zu erledigen.  Außerdem redet und ermahnt man auf diese Weise nicht das Soziale Leben und Verhalten herbei, sondern man ERLEBT Soziales zusammen: Indem ich als Erwachsener  Empathie für die Bedürfnisse des Kindes habe und ihm Kompromisse anbiete, kann ich vom Kind erwarten, dass es Sinn für meine Bedürfnisse hat, nämlich dass die eine oder andere Arbeit erledigt werden muss, die eine oder andere Regel im Zusammenleben befolgt werden muss. Alles, was wir wirklich zusammen ERFAHREN, ERLEBEN klappt viel besser und hinterlässt nachhaltig Spuren, als wenn wir an Kinder so vieles hinreden, so viel mit Worten auf sie einreden.
Wenn Kinder sich an Abmachungen gar nicht halten, dann gibt es auch Konsequenzen (denn klar, die Erfahrung, dass es Folgen hat, was ich tue, ist eine wichtige Erfahrung im Leben, wenn man eine eigene, verantwortungsvolle Person werden will); aber Konsequenzen sollten für Kinder nicht maßlos, nicht sinnlos, nicht völlig willkürlich sein, sondern in Maßen und einigermaßen logisch. Wenn Konsequenzen überschaubar bleiben und einschätzbar bleiben (Beispiel: „Nur wenn das Helfen beim Tischdecken oder Tischabräumen nicht ewig dauert, sondern JETZT stattfindet, wenn das Zähneputzen oder Schlafanzug-Anziehen nicht ewig hinaus getrödelt wird, nur dann könnt ihr nachher auch eine längere Gutenacht-Geschichte bekommen; sonst aber ist die Geschichte heute ganz kurz und knapp“), haben Kinder nicht das Gefühl, unserer erwachsenen Macht sinnlos ausgeliefert zu sein. Konsequenzen also ja, aber keinesfalls unlogisch und nie so hart, dass sich ein Kind unsinnig und unmäßig bestraft fühlt. Unsinnige und maßlose Strafen heizen den Zorn eines Kindes auf die mächtigen Erwachsenen an – eine Tatsache, die die Bereitschaft, im Konfliktfall für beide Seiten gute Lösungen zu finden, im Kind niemals erhöht. Also nicht willkürlich und entwürdigend strafen, ebenfalls niemals mit Allein-Sein-Müssen bestrafen (dieses „Ab mit Dir in Dein Zimmer“ ist niemals hilfreich), denn Entwürdigung und aus dem Zusammen-Sein mit der Familie ausgeschlossen zu werden, beides ist Höchststrafe. Kinder sollen lernen, dass Konflikte nicht zu Entwürdigung und nicht zu Allein-Sein-Müssen führen, sondern dass Konflikte gemeinsam, in Beziehung zu den wichtigsten Menschen in gegenseitigem Respekt gelöst werden.
Gute Kompromisse sind generell das Wichtigste, denn gute Kompromisse helfen, dass Kinder ERLEBEN, wie soziales Miteinander besser, konstruktiver funktioniert, heißt alltäglich: Dass beide Seiten ein Gespür dafür entwickeln (der Erwachsene für das Kind, das Kind für den Erwachsenen), was für jeden jetzt im Moment für ein gutes Zusammenleben wichtig ist.
Seien Sie also im Gefühl gut in Kontakt zueinander, klar in Absprachen und auch in ausgemachten Konsequenzen, aber bleiben Sie in respektvoller Beziehung, und strafen Sie nicht maßlos und nicht mit Wegschicken des Kindes.
Wir alle wollen später im Zusammenleben und Zusammen-Arbeiten mit Erwachsenen, dass man gemeinsam gute Lösungen findet in schwierigen Situationen. Unsere Kinder lernen das im Umgang mit und in der Beziehung zu uns als Eltern  – durch gegenseitigen Respekt, durch respektvolle Kompromisse.
Nicht zuletzt gehört hierzu, dass wir alle (Kinder und wir Erwachsenen) im Ton, in den Worten, im Reden miteinander, nicht ausfällig werden, Erwachsene nicht gegenüber Kindern, Kinder nicht gegenüber Erwachsenen. Der Ton macht immer die Musik …
Sicher schreibe ich zu Konflikten hier immer wieder mal etwas.
Bis dahin und für heute,
herzlich
Ihre
Ingrid Löbner

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