Allgemein

Ständige Unruhe – was nun?

Liebe Eltern,
ein dauerndes Thema, wozu ich häufig befragt werde ist, wenn Kinder einen nervös machen, weil sie chronisch unruhig sind.
Viele Kinder werden zappelig und unruhig, weil sie im Moment überfordert sind – oftmals, weil sie eigentlich eine Runde schlafen sollten, aber nicht leicht in den Schlaf fallen. Aber oftmals auch, weil sie in kurzen oder längeren Momenten in unseren Tagesabläufen überfordert sind. Bei Überforderung gehen Kinder sehr schnell in die Unruhe – es ist ihre kindliche Art, auf  ein „Zu Viel“ zu antworten. 

Kind weint und hält sich am Bein der Mutter fest schreitWeniger machen, mehr Trödeln

Was hilft? Zuallererst: Spielen, spielen, spielen. Außerdem: Viel Zeit am Tag für das Kind einräumen, um zu trödeln und tagzuträumen.
Kinder sind verträumt in der Welt. Unsere vollen Tage lassen hierfür für ein Kind aber sehr oft zu wenig Zeit. Durch die hohen und oftmals auch wenig familienfreundlichen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt, sind Erwachsene viel im zeitlichen Stress; ständig müssen wir los oder noch da oder dort hin. Wenn Kinder angetrieben werden müssen, widerspricht das ihrer kindlichen Natur, ihrer kindlichen Langsamkeit. Kinder können nicht so sich durch die Tagesabläufe beeilen, wie wir das können. Das lässt sich nicht ändern.
Am besten wäre, man müsste mit kleineren Kindern wenig irgendwo hin, und am allerbesten, sie müssten wenig nach unseren erwachsenen Zeitplänen leben – denn genau das können jüngere Kinder einfach noch schlecht.
Was alles hilft, um  die Tage zu entschleunigen, auch dazu hier immer wieder noch mehr. Aber was man immer versuchen kann und sollte: Kindern so oft und so reichlich wie nur irgend möglich Gelegenheit zu ausgedehntem Spiel zu geben.

Großer Spass mit kleinen Ideen

Aber wie kann das gelingen, gerade bei vollen und durchgetakteten Tagen? Ein erstes Beispiel heute (weitere Beispiele folgen in den nächsten Wochen in weiteren Artikeln):
Wenn ein Klein-oder Kindergartenkind nervös und zappelig ist, dann kann man es meist schon  zum Spielen „verführen“, indem man es ein wenig in der Küche an der Spüle, oder im Bad am Waschbecken mit Wasser spielen lässt. Wasser hat auf Kinder magische Anziehungskraft. Vielleicht haben Sie im Sommer auch einen Balkon oder eine Terasse, der/die sich eignen, dass ein Kind dort, außerhalb der Wohnung etwas mit diversen Gefäßen und Wasser spielen kann. Das Hin-und Herschütten von Flüssigkeiten macht Kindern Freude und beruhigt sie. Da Kinder auf das Spiel mit Wasser sehr aus sind, sind sie auch mit zugehörigen Absprachen hoch kooperativ. Sobald Kinder etwas, was sie begeistert, wirklich tun dürfen, dann halten sie zugehörige Regeln auch meistens sehr gut ein. Man kann ausmachen, wo das Wasser hinkommen darf (in die Gefäße und in die zur Verfügung stehenden Becken – aber nicht auf den Boden ….) und wohin es nicht geschüttet und gegossen werden darf.  Sie werden beobachten, dass Ihr Kind sich an Ihre Vorgaben hält, dann, wenn sein Mithelfen beim Einhalten dieser Regelungen die Voraussetzung ist, dass es richtig lange mit Wasser spielen darf. Langes, verweilendes Spielen mit etwas, was ein Kind fasziniert, hat immer wohltuende, beruhigende Wirkung.

Gerne beschreibe ich Ihnen hier immer wieder, welche kleinen Momente im Alltag  auch noch behilflich sein können, dass Ihr Kind in jedem Alter in beruhigendes Spielen finden.
Für heute dies als erste kleine Anregung – und ein „Tschüß“ bis zum nächsten Mal

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Wie lange darf der Schnuller ein Kind trösten?

Liebe Eltern,
immer wieder stellen Eltern sich (und mir) diese Frage:
Soll man den Schnuller möglichst früh abgewöhnen, oder: Wie lange darf ein Kind denn nach seinem Schnulli verlangen?

Das viele Saugen hilft kleinen Kindern, sich zu beruhigen. Wenn sie noch klein sind und gestillt werden, spricht überhaupt nichts dagegen, das Wort „Stillen“ in seiner doppelten Bedeutung wirklich ernst zu nehmen: Also nicht nur bei Hunger, sondern generell bei Weinen oder Unruhe als Mama das Kind an die Brust zu nehmen und bei sich saugen zu lassen. So bekommt ein Kind alles, was es braucht: Geborgenheit, Nähe, Wärme, Mama`s Zuwendung. Beim Stillen darf es diesem zentralen Bedürfnis umfassend auf allen Ebenen nachgeben, nämlich seiner Mama nahe zu sein und an ihr zu saugen.
Manche Babys lassen sich das auch nicht nehmen und lassen sich mit nichts anderem beruhigen, sondern bestehen drauf, nur bei ihrer Mutter zu saugen – sie nehmen also keinen Ersatz, keinen Schnuller.Oft aber sind es die Mütter, die sagen: Ganz so viel Saugen wird mir etwas zu viel, immer wieder muss mein Kind sich zwischendurch mit Ersatz begnügen – und sie geben ihrem Baby einen Schnulli.

Baby fährt in den UrlaubSeien Sie pragmatisch!

Pragmatisch, wie das Leben immer wieder bewältigt werden muss, gerade in der Zeit mit kleinen Kindern, machen wir  hier keine Grundsatz-Diskussion draus, sondern nehmen wir es so, wie Eltern oder Kind es entschieden haben: Die einen Kinder wollen ausschließlich gestillt werden, andere nehmen auch und auch gerne zwischendurch einen Schnuller. Aber, was dabei deutlich wird: Neben dem Bedürfnis eines Babys viel saugen zu dürfen, geht es auch um das Bedürfnis nach Geborgenheit, Nähe, Wärme, Trost.
Und hierin liegt die Antwort auf diese Frage, ob und wie lange das Kind einen Schnuller haben darf.
Wenn ein Kind das Säuglingsalter hinter sich hat, aber immer noch ein Kleinkind ist, kann man sagen: Das Bedürfnis, viel zu saugen ist noch nicht wirklich vorbei. Das Bedürfnis nach Nähe und Trost in kritischen Momenten genauso wenig, das wissen wir intuitiv.
Was macht ein Kleinkind also in kritischen Situationen, wenn es müde wird, wenn es sich weh getan hat, wenn es aus anderen kritischen Momenten heraus Trost braucht? Es will „gestillt“ werden, sprich: Wenn es an den Schnuller gewöhnt ist, dann schreit es in diesen Situationen nach ihm, es will saugen und will sich durchs Saugen beruhigen; meistens (nicht immer) will es auch auf den Arm und will Nähe und Trost durch einen vertrauten, geliebten Erwachsenen. Wenn das gerade nicht möglich ist, dann will es zumindest den Schnulli. Am verträumten Blick des Kindes sehen wir, wie es sich durchs Saugen innerlich beruhigt, sich auch etwas in sich zurück zieht.
Der Schnuller ist das Hilfsmittel, um sich zu beruhigen, um in kritischen Situationen, und wenn es gerade nicht anders möglich ist, sich alleine, sich selbst zu trösten.
Wenn der Schnuller nicht NUR gegeben wird, gilt: So lange der Schnulli nicht ausschließlich schnöder Ersatz ist, sondern das Kind genug Nähe und Geborgenheit durch geliebte Menschen bekommt, darf der Schnulli natürlich auch mithelfen, dass ein Kind in Momenten von Müdigkeit, Schmerz, Streit, Ärger etc.  durch Saugen Trost findet;  und dies darf die ganze Kleinkindzeit über so sein, bis sich das Bedürfnis kleiner Menschen, sich auch durch das Saugen zu beruhigen, allmählich verliert.

Wohldosierter Beruhigungsanker, aber kein Ersatz für Zuwendung, Zeit und Nähe

Nach der Säuglingszeit macht man es am besten so, dass das Kind den Schnuller nur in kritischen Momenten bekommt, dann aber -so lange man wie gesagt auch dran denkt, dass es eigentlich noch oft um Nähe und Trost durch liebevolle Arme geht- durchaus noch reichlich.
Das heißt umgekehrt: So lange es gerade keine kritischen Momente gibt, kann ein Kind jetzt durchaus auf den Schnuller verzichten, dann sollte der Schnuller nicht dauernd in den Mund, sondern kann getrost an einem Platz warten, bis er gebraucht wird.
Wenn ein Kind häufig nach dem Schnuller verlangt, sollten wir Erwachsenen uns immer fragen, ob ein Kleinkind ausreichend gute, zugewandte Zeit und damit verbundene, stressfreie Ruhe mit seinen Haupt-Bindungspersonen hat. Ein sehr starkes Bedürfnis nach Saugen am Schnuller drückt oft aus, dass an dem umfassenden Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit bei den meist geliebten Personen noch wichtiger Bedarf besteht. So berichten manche Tageseltern oder Erzieher/innen, dass von ihnen gehütete Kleinkinder nach 3 bis 4 Stunden den weiteren Tag dann nur noch mit Schnuller bewältigen. Hier zeigt ein Kind, dass es dringend wieder bei seinen Haupt-Bindungspersonen auftanken möchte, also zügig wieder Zeit mit seinen Eltern braucht, um sich seinem Alter entsprechend wieder sicher und geborgen zu fühlen. Wenn also das Saugen am Tag überhand nimmt, steht die Frage im Raum, ob ein Kleinkind mit der Abwesenheit, also mit  Länge der Zeit, sich bei seinen Haupt-Bindungs-Personen, den Eltern, wieder versichern und körperlich-psychisch  verbinden zu können, derzeit überfordert ist. Dann geht es nicht nur um die Frage: Darf es den Schnuller haben oder nicht? Sondern ebenso sehr um die Frage: Muss es in seinem Kleinkindalter zügiger zurück zu einem Elternteil, um sich innerlich wieder sicher und geborgen zu fühlen?

Wenn der Schnuller nur in kritischen Situationen wie  geschildert ab und zu kurz gebraucht wird, heißt im Kleinkindalter (also bis ca. drei Jahre) die Antwort: Ja, ein Kind darf den Schnuller noch haben.Ab drei bis vier Jahren kann ein Kind dann in kritischen Momenten auch ohne Schnuller auskommen. Ab drei bis vier Jahren haben die meisten Kinder die innere Reife, sich ohne Saugen trösten zu lassen, bzw. sich immer mal wieder auch ganz selbst zu beruhigen.
Bis zum nächsten Mal, herzlich,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Eltern und Kinder brauchen Freunde

Liebe Eltern,
Wenn ich krank bin und im Bett liege, dann denke ich seit Jahren jedes Mal: Wie gut, dass ich gerade krank sein darf und keine kleinen Kinder versorgen muss! Und mir fällt ein, was ich von einem Projekt aus einer der Städte weiß, in denen ich arbeite und was ich noch aus unserer Zeit weiß, als unsere Kinder klein waren: Wenn man weiter weg von der eigenen Familie wohnt (aber natürlich auch sonst) ist es für Eltern enorm wichtig, Freunde zu haben, mit denen zusammen man die jeweils kleinen Kinder versorgt. 

In jener Stadt kamen Eltern auf die Idee, einen „Eltern-Krankheits-Vertretungs-Dienst“ einzurichten. Die Sehnsucht schlechthin, oder?
Eltern haben sich so untereinander organisiert, dass, wenn jemand von ihnen krank ist, sie/er bei den anderen anrufen und drum bitten kann, dass die eigenen Kind(er) zumindest stundenweise zu den Freunden kann (können) und dort versorgt werden, so dass kranke Mütter/Väter zumindest Teile des Tages bei Krankheit wirklich ausruhen und sich erholen können. Super, oder?
Entstanden ist diese Idee in einem der vielen Elterntreffs, die wir in jener Stadt initiiert haben: Einen Raum bereit gestellt für Eltern als „Elterntreff – Treffpunkte im Wohnviertel“. Ein fester Ort, an dem Eltern andere Eltern kennen lernen, gemeinsam Zeit verbringen, die Kinder spielen lassen, selbst bei Kaffee oder Tee mit den anderen Eltern ins Gespräch kommen können, so dass Freundschaften entstehen und Eltern aus der Einsamkeit des Wohnens und Lebens mit dem eigenen Kind herauskommen.
Wenn Sie in Ihrer Wohngegend solche Elterntreffpunkte nicht haben, vielleicht sprechen Sie mal jemanden am Spielplatz an, ob Sie nicht ab und zu etwas gemeinsam unternehmen mögen? Oder, vielleicht unkomplizierter für Sie: Sie organisieren sich mit anderen Eltern über Social Media oder machen einen Aushang am Schwarzen Brett Ihres Supermarktes, dass Sie andere Eltern suchen für gemeinsame kleine Treffen und Unternehmungen?

Portrait of happy family with daughters outdoors in sunny fall day

Vernetzen und organisieren Sie sich mit anderen Eltern, das macht das Leben mit Kindern so viel leichter

Fast nichts halte ich für Eltern so wichtig, als dass sie sich mit anderen Eltern befreunden und die Kinder gemeinsam hüten bzw. sie sich gegenseitig immer wieder abnehmen. JA , weil man –  z.B.  – als Eltern auch mal krank ist!  Aber auch sonst gibt es im Alltag genug Anlässe (Einkäufe, wichtige Erledigungen, aber auch einfach mal einen Moment Ruhe für sich brauchen, etc. etc.), bei denen man froh ist, wenn man schnell und unkompliziert andere Eltern fragen kann, ob sie einen bezüglich Kinder-Versorgen für ein, zwei oder mehr Stunden entlasten.  Kleine (natürlich liebend gerne auch große!) Freundschaften unter Eltern bewähren sich ungemein – denn Kinder versorgt und hütet man am besten als Familie nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen Familien. Es ist viel angenehmer, weil entlastender, wenn man Kinder als „Herde“, also zusammen versorgt!
Der wunderbare Nebeneffekt dabei ist, dass Kinder weitaus vergnügter, ausdauernder und damit besser spielen, wenn sie nicht allein sondern zu mehreren sind – man hat mit mehreren Kindern viel weniger Arbeit, als mit einem Kind alleine, denn Kinder beschäftigen sich wunderbar untereinander! Als Erwachsener ist man also raus aus dem „Beschäftigungs-Programm“ für ein Kind.

Mehr Flexibilität, weniger Stress und wie immer mehr Gelassenheit für alle

Plötzlich sind Sie als Elternteil mit mehreren Kindern nur noch zuständig dafür, dass den Kindern nichts passiert und dafür, dass die Kleinen ab und zu etwas in den Schnabel geschoben bekommen, Butterbrote und etwas zu Trinken wirken Wunder, sollte die kleine Herde Hunger bekommen.
Also, machen Sie ab heute die Kinder-Versorgung nicht mehr in der privaten Einsamkeit, weder als der Elternteil, der mehr am Tag zu Hause ist, noch als Elternpaar an den Wochenden; und erst recht nicht einsam, sollten Sie alleinerziehender Elterteil sein!
Machen Sie sich auf die Suche nach mehr Kontakten und finden Sie sich mit anderen Eltern zusammen.
Sie als Erwachsene haben plötzlich mehr Zeit: Entweder mal nur für sich. Oder aber  zusammen, weil sie gemeinsam mit Anderen die Zeit verbringen: So entstehen interessante Gespräche unter den Erwachsenen oder wunderbare gemeinsame Klön-und Trödel-Zeiten; und bei den Kindern entsteht diese wunderbar Zeit des langen Zusammen-Spielens. Je mehr Kinder viel Zeit zusammen verbringen, umso besser finden sie miteinander ins Spiel – bestens auf allen Ebenen für das gute kindliche Lebensgefühl und (Überraschung!) für die gesamte Entwicklung von Kindern. Super entlastend für die Eltern.
Was hält Sie noch? Wagen Sie den Aushang am Supermarkt  – denn anderen Eltern geht es wie Ihnen! Alle im Viertel sehnen sich nach mehr Kontakt, das kann ich Ihnen aus meiner Erfahrung  der Eltern-Beratung definitiv versichern. Niemand ist mit Kindern gerne viel alleine. Wagen Sie getrost den ersten Schritt – und verbringen Sie Ihre Kinder-Jahre mit anderen Eltern. Gemeinsam macht es viel, viel mehr Spaß!
Ach, noch ein Tipp: Manche Eltern halten bereits Ausschau nach netten anderen Erwachsenen im Kurs zur Geburts-Vorbereitung … Je früher gemeinsam und als „Herde“, desto leichter wird alles für Sie.
Viel Freude mit Ihren Kindern und denen der anderen Eltern,
das wünsche ich Ihnen herzlichst.

Bis zum nächsten Mal wieder,
herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Warum Ruhe und Muße für Kinder so wichtig sind – und wie das gelingt

Liebe Eltern,
nun noch ein weiterer Beitrag zum Thema Ruhe, Muße und Tagträumen kleiner Kinder – da das Thema Unruhe und Schlaflosigkeit das große Thema ist, das so viele Eltern beschäftigt wie meine Beratungsarbeit zeigt. Völlig zu Recht, denn: Dauernde Anspannung und Nervosität im Leben mit Kindern macht schlechte Stimmung und zehrt an den Nerven. Gute Nerven, und Ruhe sind aber aus meiner Sicht das Wichtigste was Eltern für ein Glückliches und gelassenes Zusammenleben mit Ihren Kindern brauchen. 

Ausreichend Zeit für Schlaf und ausreichend Zeit zum Spielen

Im Wesentlichen sind es diese zwei Faktoren, die das Leben mit Kindern gelassener und ruhig werden lassen. In diesem Beitrag nun noch einmal der Fokus auf Ruhe und Schlafen – das Thema Spielen kommt dann in einem meiner nächsten Posts hier wieder an die Reihe.

Im letzten Beitrag habe ich beschrieben, wie Sie als Eltern mit Ihren Kindern kleine „Ruhe-Inseln“ (neben der zuvor beschriebenen Ruhe-Insel des Rücken- Tragens) einrichten können, um  ins Tagträumen und mehr Ruhe zu finden.  Dieses Tagträumen ist ein wichtiger Zustand, weil er dem Kind quasi das „kleine Gebüsch“ ermöglicht, das vor dem, bildlich gesprochen,von ihnen gefürchteten „Dschungel des Schlafs“ liegt. Dösen, Tagträumen, Muße, wenn man das gemeinsam als wohltuend und schön erlebt, ermöglicht das dem Kind den Übergang, sich überhaupt in den Schlaf fallen lassen zu können.

Wenn ich, wie beschrieben, Eltern oft das Auf-den Schoß-nehmen und Halten der kindlichen Füße zeige, erlebe ich viele, die sich schwer tun, ihr nervöses, im Raum umhergeisterndes Kind etwas zu nötigen, bei ihnen auf dem Schoß zu bleiben. Die Frage, die sich feinfühlige, dialog-orientierte Eltern heute stellen, ist: „Darf ich denn mein Kind so festhalten, so nötigen, etwas zu tun, was es nicht freiwillig tun will?“

Soll ich mein Kind zur Ruhe „zwingen“ – ist das nicht genau das Gegenteil davon was wir alle wollen?

Eine gute Frage, denn  -zum Glück-  heißt heute eine Grund-Einstellung in der Erziehung, dass wir die Bedürfnisse von Kindern hören und auch auf sie eingehen. Wenn das Kind aber umhergeistern will – wieso darf und soll ich es jetzt daran hindern? Über diese Frage habe ich oft nachgedacht. Wann ist man berechtigt, ein Kind gegen seinen Willen zu nötige
Es ist die Beobachtung der Kinder, die mich zur Antwort geführt hat:

Kleine Kinder neigen aus ihrer unendlichen Neugierde heraus dazu, trotz Müdigkeit immer weiter die Welt zu erkunden. Wenn sie müde sind, keine Kraft mehr haben, führt das aber zu nur noch unruhigem, nervösem Explorieren, das in keinerlei  Spiel mehr führt. Wenn ich das täglich so sehe, kommt mir immer folgendes Bild in den Sinn:

Das Ganze wirkt auf mich, als würde das kleine Kind wie ein kleines Boot ohne Steuermann auf dem großen Meer, auf den starken Wellen der Neugierde umhergewirbelt. Was braucht ein kleines Boot, das nur noch wackelt und schaukelt? Die Antwort ist eindeutig: Man muss dieses kleine, von den Wellen gebeutelte Boot zwischendurch ins Schlepptau eines großen Bootes nehmen, denn sonst wird das zu anstrengend –  ein Kind quengelt und nörgelt entsprechend.

Close up of young father holding his newborn baby son in his arms

Seien Sie der Ruhe-Anker für Ihre Kinder

Kinder spüren bei Müdigkeit häufig nicht mehr, was ihnen jetzt helfen würde. Weil das so ist, brauchen sie im Zustand von Müdigkeit und Überforderung noch Eltern, die ihnen durch Orientierung helfen, um sich auf  „hoher See“, den Wellen ihrer Neugierde nicht nur im Kreis zu drehen. Im Bild gesprochen ist naheliegend, was wir tun müssen: Wir werfen ein Tau zu, das das Kind verankert, es in ruhiges Fahrwasser zieht. Dieses Tau sind unsere Hände, die das Kind auf den Schoß hieven, die seine Füße halten, damit sie nicht loslaufen, es ist insgesamt unser haltender Körperkontakt, der ein Kind aus dem Wirbel herausholt ins ruhige Gewässer des Dösens, des Tagträumens, der Muße.

Da man IMMER beobachten kann:
– wie Kinder sich durch beruhigenden, klaren Kontakt selbst besser wahrnehmen,
– wie ihre Hände statt nach außen zu allen möglichen Sachen, zu ihrem eigenen Körper gehen, sie ihre Hände in die Mitte, meist zum Mund führen, oder sie mit ihren Händen ihre Beine und Füße anfassen,
– ihr Körper auf dem Schoß der Eltern seine Anspannung loslässt, sie körperlich weich und anlehnend werden,
– sie dabei den typisch kindlichen, verträumten Blick bekommen,
kann man zusehen, wie ihnen dieses  Gehaltenwerden hilft, ins  Tagträumen zu finden.
Endlich entsteht eine Atmosphäre, in der sie Spannung loslassen, auf dem Körper eines Elternteils ihr „schaukelndes Boot“ aufgeben, sich dem Tau der Eltern überlassen, ihre Überforderung los-  und ruhigwerden.

Die Antwort auf obige Frage ist also aus meiner Sicht eindeutig:
JA –  ein Kind in diese Ruhe zu leiten ist erlaubt, denn auf den „starken Wellen der Unruhe“ wird nur allen Angst und Bang,es entsteht Genervtsein und Unruhe, die sich gegenseitig verstärken. Eltern verlieren ihre Kraft, häufig auch die Lust, mit ihrem Kind noch viel zu machen, alles geht ihnen nur noch auf die Nerven. Kinder verlieren ihre Konzentrationsfähigkeit.

Aus meiner Sicht ist nichts auf Dauer so wichtig wie die elterliche Energie und Lust, Kinder angemessen zu versorgen. Also MÜSSEN Eltern bei müden Kindern den Überblick über die Situation, die Steuerung übernehmen, müssen sich selbst anlehnen, sich gemütlich wohlig hinsetzen und ihr Kind mit ins Boot nehmen.  Keine Sorge – Kinder nehmen das nicht übel. Wenn sie ruhiger werden, spüren sie, wie schön es ist. Dann werden sie auch wieder kooperativer – die gute Stimmung trägt alle. Im Moment erstmal wohin?  JA – Richtung mehr Träumen und Schlaf! Beides schafft die Voraussetzung, dass in unserem Gehirn starke, ruhige Strukturen entstehen – das fördert unser gemütliches Zusammensein und nebenbei gleich auch noch die Klugheit – was wollen wir mehr?

Also, Stress lass nach …  auf sämtlichen Ebenen … probieren Sie es aus, ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare!
Bis zum nächsten Mal, herzlich

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Einfache Wege zu noch mehr Ruhe und Gelassenheit

Liebe Eltern,
da Unruhe und Schlaflosigkeit kleiner Kinder die häufigsten Gründe sind, derentwegen Eltern bei mir Hilfe und Rat suchen, möchte ich heute (nach dem Rücken-Tragen) einen weiteren Weg beschreiben, der Ihnen und Ihrem Kind hilft, in mehr Ruhe und Tagträumerei zu finden.

Unruhige Kinder, unruhige Eltern, unruhige Kinder …

Eines ist wichtig zu wissen: Viele kleine Kinder gehen bei Müdigkeit eher ins Zappeln, in unruhiges „Umhergeistern“: So wird dies und jenes Spielzeug wird vom Kind angefasst, aber mit nichts wird mehr wirklich konzentriert gespielt. Da kleine Kinder so unglaublich neugierig sind (was ihr gutes Recht ist und was im ausgeruhten Zustand ein wunderbares Phänomen ist, denn genau durch diese Neugierde lernen sie ja unendlich viel), fällt es ihnen schwer,  bei Müdigkeit Ruhe zuzulassen; nein, nur ja keine Ruhe! Viel eher gehen sie in Richtung  dauernden Hantierens und Explorierens. Das Problem ist nur leider, bei Müdigkeit führt das zu dauernder Unruhe und einer gewissen Nervosität. Genau das strengt die Erwachsenen enorm an: Ihrem kleinen Kind sind sie dann dauernd auf den Fersen, hindern es daran, allen Unfug anzustellen, der ihm einfällt, schimpfen, wehren, sagen dauernd „Nein, nein, Du sollst das doch lassen… „, das Kind quengelt, schreit, zappelt, sperrt sich … und so reiben Eltern und Kind sich aneinander auf. Ein sich gegenseitig verstärkender Kreislauf!

Was können Sie als Eltern konkret tun?

Zuerst: Denken Sie bei kleinen Kindern schnell genug daran, dass sie bei Quengeln entweder hungrig, sehr oft aber auch einfach müde sind, sehr oft auch einfach beides.
Nach 2 Stunden Wachsein, ist ein Kind, das etwas jünger oder etwas älter als ein Jahr ist, bereits wieder müde, das ist ganz normal. Vielleicht mag es noch nicht gleich schlafen, aber Folgendes hilft ungemein, in Richtung Schlafen zu kommen: Wenn man dem Kind behilflich ist, dass es ins Trödeln und Tagträumen findet. Tagträumen, Dösen, Trödeln kann man als das „kleine Gebüsch“ vor dem großen „Dschungel des Schlafs“ bezeichnen ( in den wagen sich kleine Kinder ja oft nicht so ohne weiteres hinein.)

From above photo of girl slipping on mother's lap.

„Die Ruhe-Insel“

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind nichts mehr mit Muße und eigener Konzentration tut, sich wahrscheinlich auch bereits einmal am Kopf gerieben hat, dann gönnen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind eine „Ruhe-Insel“, und die geht so:
Setzen Sie sich sehr gemütlich und angelehnt auf Ihr Sofa oder einen bequemen Sessel, am besten so, dass Sie zum Fenster hinaus träumen können; und nehmen Sie Ihr Kind klassisch auf den Schoß, also seinen Rücken an Ihren Bauch. Nehmen Sie seine Füße habhaft (meint: Mit gut haltendem Zupacken) in Ihre beiden Hände und achten Sie darauf, dass Ihr Kind allmählich seine Beine nicht streckt, sondern sie anwinkelt (etwas sanfter Nachdruck hilft, wenn Sie die Füße liebvoll, klar, beherzt warmherzig in Ihren Händen halten). Sie werden erleben, dass Ihr Kind seine Hände unwillkürlich zum Mund führt und daran saugt, oder aber auch nur irgendwie mit seinen Händen an seinem Mund herum macht – ein deutliches Zeichen seiner eigenen Wege in seine Selbstberuhigungs- Fähigkeiten.

Die eigenen Hände in die Körpermitte zu führen (später: Hände falten oder übereinander legen), bei kleinen Kindern auch noch zum Mund führen, dies beruhigt uns  Menschen jeden Alters. Wenn Ihr Kind diese Geste eher nicht zulässt, geben Sie ihm einen kleinen Gegenstand, mit dem es gerne herumnestelt (irgendetwas Banales, woran es gerne herummacht, und sei es die Packung TempoTaschentücher, die so schön knistert).
Dieses In-der Körper-Mitte mit beiden Händen herumnesteln (oder eben am Mund saugen, auch das Saugen an einem Schnuller kann helfen), unterstützt Kinder enorm, dasss  sie Ruhe und Müdigkeit zulassen. Man kann deutlich beobachten (wenn man gegenüber sitzt), wie der Blick des Kindes mehr und mehr in die Ferne geht (der Ausblick aus einem Fenster ist daher hifreich), wie kleine Kinder beginnen, tagzuträumen, zu dösen. Auch wenn es nicht gleich schlafen mag, helfen solche gemeinsamen „Ruhe-Inseln“ einem kleinen Kind enorm, aus seiner überdrehten Nervosität wieder herauszufinden, sich selbst wieder zu spüren und bei sich zu sein.

Ruhe finden und aushalten muss man lernen

Mit sich selbst Ruhe genießen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt als kleiner Mensch allmählich das Einschlafen aus sich heraus zuzulassen, schließlich auch das Selber-Einschlafen lernen zu können. Wie gesagt: Das genüssliche Tagträumen ist das kleine Gebüsch, das das Kind kennen lernen sollte – bevor es sich überhaupt in den Dschungel Schlaf selbst, ohne allzu viel Hilfe,hinein wagt …
Machen Sie solche kleinen Einheiten des gemeinsamen Tagträumens in entsprechend klarer, gemütlich sitzender Haltung immer wieder den Tag über – Sie werden beobachten, dass Ihr Kind statt ins Aufgedreht-Sein und nervöse  „Umhergeistern“ viel mehr zu sich kommt und es sein Ruhig-Werden zulässt und zu genießen beginnt.
Sie selbst tanken auch auf, indem Sie nach Draußen, in den Himmel, vielleicht auch in Bäume und Büsche schauen.

Handy weg und gemeinsam mal wirklich NICHTS tun!

Lassen Sie Ihr Handy beiseite – denn das stört die Erfahrung des Tagträumens – und hilft weder Ihnen noch Ihrem Kind, ins Dösen und zur eigenen Ruhe zu finden, beides genussvoll zu erleben. Handys zu bedienen, bedeutet gleich wieder Anspannung, die spürt das Kind und quengelt los …
Wenn Sie ein größeres Kind haben, das beschäftigt sein will, kann es sich mit seinen Spielsachen in unmittelbarer Nähe aufhalten (z.B. die Autos -in seiner Phantasie- auf der Autobahn auf dem Sofa fahren lassen oder mit einer Puppe/einem Teddy genau so dasitzen und selbige auf dem Schoß halten und mit ihnen  babbeln, sie füttern und versorgen; oder man kann ebenso ganz ruhig gemeinsam nebenher ein Buch mit dem größeren Kind anschauen.
Wagen Sie diese Erfahrung mehrmals am Tag – Sie werden feststellen, dass Ihr Kleinkind weniger zappelig ist, mehr seine Müdigkeit wahrnimmt, auch allmählich deutlicher zeigt, dass es jetzt Ruhe, am besten allmählich auch Schlaf braucht. Für alle in der Familie wird es dadurch angenehmer, weil Ruhe genüsslich erlebbar wird.

Und natürlich: Sollte Ihr Kind Hunger haben, kann es zuallererst was zu essen bekommen und dabei oder danach wie beschrieben bei Ihnen auf dem Schoß sitzen und ins Tagträumen finden.Viele Eltern erzählen mir, dass ihr Leben mit kleinem Kind durch diese „Ruhe-Inseln“ viel, viel weniger anstrengend wurde.

Angenehme Tagträume wünsche ich Ihnen …. Vielleicht sehen Sie wieder – wie einst als Kind – Gestalten in den Wolken, oder gehen mit den Wolken auf kleine Reisen …?
Herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Was tun, wenn das Baby einfach nicht aufhört zu schreien?

Liebe Eltern,

die frühe Eltern-Kind-Beziehung und das Thema Schreibabys ist seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit in der Schreibaby-Ambulanz.  In der vergangenen Woche erschien ein großer Artikel zu meiner Arbeit aber vor allem auch was man als Familie tun kann, um gemeinsam wieder in Ruhe und Gelassenheit für alle zurückzufinden in der Stuttgarter Zeitung. Lesen Sie den Artikel auch hier, ich freue mich auf Ihre Kommentare und Anregungen!

Sei doch endlich ruhig

Ganz herzliche Grüße,
Ihre Ingrid Löbner

 

Allgemein

Weihnachten – möglichst viel Genuss, Muße und Vorlesen …

Liebe Eltern,
was ist es, woran wir uns am meisten erinnern, was für uns als Kinder in der Weihnachtszeit schön war? Wenn es aus der Küche gut roch, weil gebacken wurde, wenn wir mit den Eltern Zeit fanden, um schöne Kleinigkeiten, auch Geschenke zu basteln und wenn – das war wahrscheinlich für uns alle etwas vom Gemütlichsten – wenn die Erwachsenen Zeit fanden, eine Kerze anzündeten und uns vorlasen.

Wenn Sie Ihren Kindern eine Freude machen wollen, schalten Sie immer wieder die heutigen Medien aus, machen Sie es sich zusammen gemütlich und lesen Sie vor. Für die Jüngeren gibt es bei „Madita“ von Astrid Lindgren schöne Geschichten zur Winterzeit, für die etwas Größeren „Weihnachten in Büllerbü“, und natürlich für Groß und Klein die vielen Sagen und Märchen, die wir alle kennen und die besonders in den Wintermonaten, wenn es draußen länger dunkel ist, ihre ganz besondere Atmosphäre verbreiten.

happy family funny kids are preparing the dough, bake cookies in the kitchen

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Wenn man die Bücher wieder aufschlägt, die man selbst gerne hatte und daraus den Kindern etwas vorliest, dann werden ganz von selbst viele Erinnerung  lebendig, welche Atmosphäre, Gepflogenheiten und Ereignisse man als Kind rund um das Weihnachtsfest besonders liebte – und man hat ganz von selbst Ideen, was man alles machen kann, um es zusammen schön zu haben zu Spielen, zusammen zu Essen und zu Backen und einfach zusammen viel gemütliche Zeit zu verbringen. Denn alles, was einem einst unter die Haut ging, das ist dann ganz schnell wieder lebendig.

Fröhliche Weihnachten wünsche ich Ihnen allen – und alles Gute fürs neue Jahr. Dann kommen hier auch wieder kleine Fortsetzungen zum Alltag, zu Ruhe und Muße mit jüngeren Kindern, aber jetzt erstmal wird gefeiert, haben Sie es schön …!
Das wünsche ich Ihnen von Herzen,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Wie lässt Unruhe und Zappeln bei kleinen Kindern nach?

Liebe Eltern,
heute eine erste Fortsetzung zur Frage, wie Sie sich und Ihrem Kind dabei helfen können, dass Zappeln und dauernde Unruhe nachlassen.
Von traditionellen Gesellschaften kennt man eines nicht: Dass kleine Kinder dauernd bespielt und bespaßt, quasi aktiv von Erwachsenen unterhalten werden müssen. Was wird dort anders gemacht als bei uns?

Traditionelle Gesellschaften machen etwas sehr Kluges: Kleine Kinder werden dort über Monate, ja, meist bis zum Alter von etwa zwei Jahren, auf dem Rücken getragen. Was ist daran so klug?

Das Rückentragen ist eine zentrale Möglichkeit, dass kleine Kinder eindeutiger zur Ruhe kommen.Ein kleines Kind sehnt sich nach Nähe und Kontakt zu seinen nächsten Bindungspersonen, in aller Regel den Eltern. Indem es auf dem Rücken von Mama oder Papa „wohnen“ darf, hat es wichtige Dinge, die ihm in seine Ruhe helfen:

„Für sich sein“ und gleichzeitig „dabei sein“!

Es ist bei allem und immer dabei, erlebt mit, sieht, was Mama (Papa) gerade macht. Auf dem Rücken getragen ist es aber auch „für sich“ – denn so auf dem Rücken sitzend, kann es Mama/Papa zwar spüren und erleben, aber nicht dauernd mit ihnen ins Zwiegespräch gehen. Genau dieses „Für sich Sein“ fördert in einem Kind das Erleben, dass man zwar zusammen und dabei doch jeder gleichzeitig in seiner eigenen Welt sein kann: Mama/Papa erledigen, was zu erledigen ist, als kleines Kind schaut man etwas zu, nimmt aber immer mal seine Hände zum Mund und nuckelt dran herum, oder nestelt etwas an einem Bändel, den das Jäckchen hat, das man trägt, oder nestelt an einer Haarsträhne von Mama herum, oder, oder, oder, oder macht gar nichts und träumt nur vor sich hin.Indem es in körperlichem Kontakt ist und doch in dieser Weise für sich ist entdeckt ein Kind, dass man in Ruhe ein wenig vor sich hin spielen oder eben nur tagträumen kann.

Geborgenheit

Es ist diese parallele Erfahrung des „Sich Spürens“ und gleichzeitig  des „Für sich Seins“, die kleinen Kindern enorm hilft, das ruhige Bei-sich-Sein, das ruhige Spiel mit den eigenen Händen oder einem kleinen Gegenstand zuzulassen und als wohltuend zu erleben. Auf diese Weise nah bei den Eltern doch für sich zu sein, damit macht ein Kind die stärkende Erfahrung, dass man eben nicht dauernd etwas miteinander machen muss, nicht dauernd bespaßt und bespielt werden muss, um es gut zu haben. Dadurch erlebt ein Kind: „Ich kann schon ein klein wenig die Ruhe mit mir selbst genießen und bin doch nicht ganz allein.“  Genau diese doppelte Erfahrung beruhigt ein Kind und ermöglicht seine Zufriedenheit. Es entdeckt erste Wege ins eigene Spiel. Probieren Sie es aus – Sie werden merken, es hilft wunderbar in Ihre gemeinsame Ruhe und Zufriedenheit, Zappeln, Quengeln, dauerndes Verlangen nach aktivem Kontakt zueinander lassen nach. Weitere Möglichkeiten und Wege zur gemeinsamen Ruhe beim nächsten Mal;  jetzt gehe auch ich erstmal wieder eine kleine Runde in meine Tagträumereien.
Herzlich Ihre  Ingrid Löbner

Allgemein

Zeit, Muße, mehr Schlaf – wonach wir uns alle sehnen ….

Liebe Eltern,
gestern gelang es mir, alle Arbeit zu Hause in Ruhe zu tun, und trotz vieler Hausarbeit blieb in der Ruhe Zeit, ein wenig adventliche Vorbereitungen zu treffen. Obwohl ich nichts Außergewöhnliches erlebte, sondern nur „Alltägliches“ erledigte  (Dinge aufräumen, Essen kochen, die Küche machen, die Post durchschauen, kurze Gespräche mit Freunden am Telefon und mit Nachbarn an der Tür etc. etc.), hatte ich ein herrliches Lebensgefühl und einen äußerst zufriedenstellenden Tag und als ich mich fragte warum, war meine Antwort klar: Es lag an der Muße, der Ruhe, die mir gelang, in Ruhe alles zu erledigen, allen Stress zu lassen, zu vermeiden.

Die nachbarschaftlichen Begegnungen schließen jetzt immer wieder auch Gespräche mit geflüchteten Menschen ein, die in unserem Dorf angekommen sind und jetzt den mitteleuropäischen Alltag miterleben. Wie oft fragen sie uns, ob wir nicht zum Tee kommen, ob wir Zeit haben für einen kleinen Plausch, für ein Essen, für einen Abend Gespräch. Wie oft lehne ich bedauernd ab, weil ich da oder dort hin muss, dies oder jenes zu erledigen habe, weil die vielen beruflichen oder sonstigen Verpflichtungen mich rufen. Einer der syrischen Familienmenschen (er spricht nach zwei Jahren Lernen schon ausgezeichnetes Deutsch) fragt mich immer wieder: „Wie lebt ihr? Ihr habt so wenig Zeit füreinander, das ist schade! Mir fehlen bei euch die Gespräche mit Nachbarn sehr.“ Und immer wieder antworte ich „Ja, Du hast recht. Das ist der große Nachteil unserer boomenden Wirtschaft – wir haben keine Zeit mehr füreinander.“

Parents and son with proud and happy faces play together. Young family spends time in playroom. Love and family games concept. Mom, dad and boy on light background, defocused

Je mehr Muße tagsüber, desto mehr Ruhe nachts

Parallel fällt mir immer der Satz ein, den unser Vater zitierte, wenn er aus seinem genussvollen Frankreich-Urlaub zurück kam: „Die Deutschen leben, um zu arbeiten; die Franzosen arbeiten, um zu leben.“ Die Europäische Union (Deutschland vorne dran) arbeitet darauf hin, dass in allen Ländern die Siesta abgeschafft wird; man könnte sagen, sie tut es nach dem Motto: „Wo kommen wir denn hin, wenn so viel Ruhe über Mittag zelebriert wird? Da muss man sich wohl nicht wundern, dass man in den betroffenen Ländern zu nichts kommt …?“. Die Schlaf-Forschung sagt etwas ganz anderes, nämlich: Der tiefe, erholsame Nachtschlaf (und infolge die Konzentration am Tag bei aller Arbeit) wird durch Ruhepausen und Schläfchen am Tag gestärkt.  Unser Körper muss oft genug am Tag zur Ruhe kommen, um nachts erholsam und tief ruhen zu können. Sie alle können das in Ferienzeiten spüren: Oft ist man schon nach dem Frühstück wieder müde, und je mehr man es zulässt, am Tag tatsächlich solchem Schlafbedürfnis nachzugeben, umso tiefer schläft man in der Nacht. Schlafstörungen kann man unter anderem dadurch heilen, indem man tagsüber mehr Ruhe, mehr Pausen, mehr Schläfchen zelebriert. In Deutschland sind Schlafstörungen ein häufig verbreitetes Problem und wir könnten es ändern, indem wir mehr Muße zuließen.

In der Beratung von Eltern mit kleinen Kindern sind die Probleme rund um das Thema Schlafen die häufigsten Anliegen. Fast alle Kinder, die mitkommen, spielen kaum ruhig, sondern sind leicht nervös, eher zappelnd, sind, die Eltern ständig fordernd, in meinem kleinen Arbeitszimmer unruhig auf Achse. Das erste, was ich Eltern dazu sage und was ich ihnen zeige ist, wie sie ihrem Kind helfen, dass es mehr Tagträumen, mehr Trance, mehr verspielte Ruhe zulassen kann. Und sehr zahlreich melden Eltern mir zurück, dass ihr Kind dadurch endlich ins ruhige Spielen hinein fand, dass endlich das Nervös-Sein nachließ, die unruhige, kindliche  Zappelei deutlich weniger wurde. Und: Dass das Kind selbst mehr Müdigkeitszeichen zeigte und Eltern samt Kind dadurch plötzlich die Müdigkeit und damit das Bedürfnis nach Ruhe wahrnahmen und dem zeitnah, häufig genug am Tag nachgaben. Für uns Menschen gilt: Das Tagträumen, die ruhige Trance zuzulassen ist die Voraussetzung, um sich schließlich überhaupt in den Schlaf fallen lassen zu können.

Schlafendes Kind

Kindern Gelassenheit vorleben

Was Sie alles in kleinen Schritten dafür tun können – das beschreibe ich Ihnen beim nächsten Mal, nach und nach. Jetzt mache ich erstmal Pause bei einer Tasse Tee und wünsche Ihnen, dass Sie die kommenden Wochen häufiger so einrichten können, dass Ihnen oft genug mehr  adventliche Ruhe gelingt und Sie diese Zeit genießen, vielleicht mit reichlich Kerzenschimmer und schönen kleinen Geschichten zum Erzählen oder Vorlesen? Wenn wir genauer hinsehen, dann hängt Genuss letztlich weniger an großen Geschenken füreinander, aber sehr an der Ruhe und Zeit, die wir zusammen finden. Wir alle wissen, dies ist in unserer unruhigen Zeit leichter gesagt als getan; aber vielleicht lassen Sie doch das eine oder andere Losgehen und „Erledigen draußen“ ausfallen und gönnen sich einfach weniger Sachen aber mehr Ruhe und Genuss zu Hause, miteinander ?

Ich wünsche uns das allen sehr  und grüße Sie herzlich
bis zum nächsten Mal
Ingrid Löbner

Allgemein

Zu anhänglich – zu langsam?

Liebe Eltern,
ich werde oft von Eltern gefragt, ob es normal sei, wenn ein Kind mit ein, zwei oder drei Jahren noch viel bei den Eltern sein will, sich eher scheu nur auf andere einlässt, geschweige denn alleine dort bleiben will.
Ja, das ist ganz normal, machen Sie sich keine Sorgen. Vielmehr bleiben Sie gelassen und freuen Sie sich einfach über dieses Bedürfnis nach Nähe. Denn. schneller als Sie denken werden Ihre Kinder groß und geht diese Zeit vorbei.

Jedes Kind ist und fühlt anders

Menschen sind sehr verschieden, die einen gehen gerne und viel unter andere Menschen, die anderen sind damit eher zurückhaltend und eher vorsichtig. Menschen sind einfach unterschiedlich in ihren Wesenszügen  und dies schon von klein an.
Noch etwas ist heute, da sich viele Eltern aufgefordert fühlen, ihre Kinder früh loszuschicken, wichtig nicht zu vergessen: Die meisten kleinen Kinder nabeln langsam ab und sind in den ersten Jahren um ihrer Entwicklung willen stark auf intensive Verbindung zu ihren am meisten geliebten Menschen angewiesen. Kleine Kinder gehen starke Bindungen ein, sollen sie eingehen, und sie tun dies meistens am stärksten zu ihren Eltern (denn die kennen sie am besten).
Machen Sie sich also keinerlei Sorgen, wenn Ihr Kind viel um Sie herum sein möchte, nicht alleine irgendwo bleiben will oder hingebracht werden will; auch noch viel in Ihrer Nähe spielen will – alles ganz normal. Durch diese gelebte Verbundenheit sorgen kleine Kinder dafür, dass ihre starken Gefühle zu ihren geliebten nächsten Menschen reichlich Nahrung bekommen. Sie fordern uns durch ihre Anhänglichkeit auf, dass sie wirklich starke Wurzeln ausbilden können – und diese Wurzeln durch starke Gefühle sind die beste Voraussetzung, um langfristig neugierig zu sein, dann Entdeckungen zu machen, somit durch Neugierde und Entdeckungsdrang ihre Intelligenz zu entwickeln.

Papa ist der Beste

Bleiben Sie gelassen, verlangen Sie nicht zu früh zu viel

Aber eben – es geht erstmal mit starker Zuneigung los und diese braucht gemeinsame Zeit. Genau dafür treten Kinder ein mit ihrer Anhänglichkeit.
So lange Eltern ganz normal, immer wieder und regelmäßig soziale Kontakte pflegen zu weiteren Familien-Angehörigen, zu Freunden, Eltern also ein bereicherndes Sozialleben leben und ihre Kinder das miterleben, müssen sie sich keinerlei Sorgen machen, wenn Ihr Kind als Kleinkind nicht alleine in Gruppen bleiben will. Heißt: So lange Sie sich als Familie nicht einigeln, wächst die Fähigkeit Ihres Kindes, soziale Kontakte zu Anderen allmählich ebenfalls einzugehen, dies wächst ganz normal mit.

Dieser Tage sprach ich mit einer Mutter, deren Kind die ersten drei Jahre extrem anhänglich war und ohne Mama nirgends bleiben wollte. Sie lachte, als wir darüber sprachen wie das damals war und lachend sagte sie dann: „Heute ist er ein gestandener junger Mann und ist extrem selbstständig!“ Und wir waren uns einig: Mit starken Wurzeln wachsen Kindern ganz allmählich tolle Flügel. Seien Sie sicher – zweifeln Sie nicht an Ihrem Kleinkind, wenn es gerne und die meiste Zeit in Ihrer Nähe sein will – auch Ihr Kind will die Welt entdecken und keinesfalls auf Dauer auf Ihrem Schoß bleiben – aber das dauert und  es geht anders, als wir oft annehmen, bzw. als es heute da und dort vermittelt wird.

Viel Vergnügen bei allem, was Ihnen im Zusammen-Sein einfällt und
bis zum nächsten Mal, herzlich
Ingrid Löbner

Allgemein

Armutsrisko Kinder – der deutsche Skandal

Liebe Eltern,
im Rundbrief des Deutschen Familienverbandes ein weiteres Mal die wichtige Nachricht an die Bürger dieses Landes: 21 % der Kinder leben ständig in Armut, weitere 9% der Kinder in Deutschland müssen immer wieder existentiell prekäre Situationen erleben. Das heißt: etwa ein Drittel der Kinder, genauer gesagt Erwachsene mit ihren Kindern, also FAMILIEN erleben existentiell keine anhaltend sichere Situation.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Hier das klare, deutlich informierende Zitat aus der Rundmail des Deutschen Familienverbandes:

„Kinderarmut ist gleichzeitig immer Familienarmut. Abermals zeigt eine Studie, wie dringend es ist, die politischen Weichen endlich auf den richtigen familienpolitischen Kurs zu stellen“, sagt Siegfried Stresing, Vizepräsident des Deutschen Familienverbandes. „Dass ein Land wie Deutschland seit vielen Jahren ein erhebliches Problem mit Kinderarmut hat, ist in erster Linie einer familienblinden Sozialversicherung geschuldet, die Familien millionenfach in die Armut treibt. Bis heute findet die Politik nicht den Mut, diesbezügliche Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts konsequent umzusetzen, um Familienarmut zu verhindern.“

Bereits 2001 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es mit dem Gleichheitssatz des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren ist, dass diejenigen, die Kinder erziehen und betreuen mit demselben Geldbeitrag in der Sozialversicherung belastet werden, wie diejenigen, die keine aktive Verantwortung für Kinder tragen.

„Der fehlende Kinderfreibetrag in den Sozialversicherungszweigen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung ist einer der wesentlichen Gründe dafür, warum wir bei der Lösung der Kinder- und Familienarmut nicht vorankommen“, sagt Stresing.

Nach Berechnungen des Deutschen Familienverbandes („Horizontaler Vergleich“) ist bereits für ein Ehepaar mit zwei Kindern die Steuer- und Abgabenlast so hoch, dass die Familie trotz Kindergeld unter das von der Verfassung vorgesehene Existenzminimum fällt. Je mehr Kinder Eltern zu versorgen haben, desto dramatischer wirken sich familienblinde Sozialversicherungsabgaben auf das Familieneinkommen aus. Eine fünfköpfige Familie mit einem Jahreseinkommen von 35.000 Euro liegt beispielsweise 7.000 Euro unter dem gesetzlichen Existenzminimum.

„Trotz harter Arbeit sehen sich die meisten Eltern nicht in der Lage, ihre Kinder mindestens oberhalb der Grenze des existenzminimalen Lebensstandards zu erziehen, weil der Gesetzgeber Verfassungsvorgaben kontinuierlich ignoriert. Dieses Problem zu lösen, muss eine der wichtigsten Aufgaben der künftigen Bundesregierung sein“, so Vizepräsident Stresing.“

Zunehmende Armut und gesellschaftliche Schlechterstellung von Familien beenden!

Wir dürfen diese Situation nicht weiter als gegeben hinnehmen. Es ist schlicht krasse Ungerechtigkeit, dass diejenigen, die Zeit brauchen und täglich ihre Energie und jegliches Geld in die Sorge für ihre Kinder, also für die nächste Generation einer Gesellschaft aufbringen, in den Abgaben so hoch belastet werden, dass viele von Ihnen von vornherein gegenüber kinderlosen Menschen existentiell gefährdet sind.
Das Kindergeld ist keine Familienförderung, sondern gibt Eltern nur zum kleineren Teil etwas von dem Geld zurück, was sie zuvor durch Steuern und Abgaben gegenüber Kinderlosen deutlich zu viel bezahlt haben.
Sprechen Sie jetzt mit den Abgeordneten Ihres Wahlkreises, machen Sie Druck, dass die chronische Benachteiligung von Ihnen als Eltern, diese Schlechterstellung von Familien ein Ende findet.
Einzelne Abgeordnete rieten vor der Bundestagswahl, dass das beste Mittel gegen Kinderarmut sei, dass beide Eltern voll arbeiten.
Wenn der Familienarmut nur dadurch entgegen getreten wird, dass Eltern noch mehr arbeiten und damit beide Elternteile kaum mehr Zeit finden für ihre Kinder ( anstatt dass beide Elternteile ein Recht auf Teilzeit bei späterem Recht auf Rückkehr in Vollzeit hätten), dann wird Eltern bleibend noch mehr an Last zugemutet, jedoch ändert sich NULL an der zu hohen Besteuerung der elterlichen Einkommen.
Was mit der Ganztagsarbeit beider Elternteile einher geht ist, dass Familien dauerhaft unter hoher Belastung und damit ständig im täglichen Stress im Familienleben stehen. Daran sollten wir etwas ändern, denn dauerhaft mehr Arbeit für beide Elternteile lädt Ihnen am meisten auf, die Sie bereist vielfältig belastet sind.
Es ist keine zu hohe Forderung, für mehr Familienzeit bei gleichzeitig weniger hoher, steuerlicher Belastung einzutreten, vielmehr bedeutet das: Eintreten für eine längst fällige Gerechtigkeit für Familien mit Kindern.
Seien Sie ganz nüchtern und stehen Sie für sich ein, Sie haben mit Ihren Kindern berechtigte  Ansprüche gegenüber jenen, die keine Kinder versorgen und unterhalten.

Herzliche Grüße für diese Woche

Ingrid Löbner

Allgemein

Fair teilen …?

Liebe Eltern,
seit einigen Wochen kommt diesen Sommer über eine interessante Sendereihe auf SWR2 : „Die teilende Gesellschaft“ (www.swr2.de/wissen);  es geht um alle möglichen Formen des Teilens in menschlichen Gesellschaften. Unter anderem ging es in einer Sendung um die Frage der fairen Verteilung staatlicher  Gelder an Familien.
Sie finden diese besondere Sendung der Sendereihe unter:

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/die-geteilte-gesellschaft-unfair-geteilt/-/id=660374/did=19974264/nid=660374/9dtrgi/index.html

Auch in dieser Sendung wird deutlich, dass Eltern finanziell mehr zusteht, sowie, dass es weiterhin so ist, dass Reichtum in erster Linie vererbt wird, er kaum erarbeitet werden kann.
Vor einer starken Woche wurde gewählt – eine neue Regierung wird sich bilden und unter den daran beteiligten Partnern  die Eckpunkte der Politik für die nächsten vier Jahre aushandeln.
Es wäre gut, wenn sich Ihre Abgeordneten für Sie einsetzen, sich bei den bevorstehenden  Koalitionsverhandlungen  für Ihre Interessen stark machen, damit Familien um der gesellschaftlichen Gerechtigkeit willen weniger stark besteuert werden.
Wir sollten nicht weiterhin von „Kinderarmut“ , sondern ehrlicher Weise von „Familienarmut“ sprechen.
Machen Sie sich getrost stark für Ihre Kinder und Ihre familiären Interessen – es steht Ihnen zu.
Es darf nicht sein, dass Menschen mit mittleren und unteren Einkommen ihre Kinder nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft (notwendiger Weise auch mit Rücklagen für Not-Situationen) unterhalten und ausbilden können.
Wir wissen heute, dass existentielle Sorgen Menschen eher in die Arme extremer politischer Akteure treibt. Wenn wir möchten, das der Zusammenhalt in unserer Gesellchaft bleibt, besser noch: gestärkt wird, ist wichtig, Armut zu bekämpfen und einen starken Mittelstand in einer Gesellschaft breit zu fördern.
Treten Sie mit Mut für sich ein – es ist Ihre Lebenssituation in den nächsten Jahren, die Ihrer Familie. Viel Erfolg …!
Herzliche Grüße
Ingrid Löbner

Allgemein

Lady Di – und was wir alle als Eltern von ihr lernen können :)

Liebe Eltern, 

im August waren es 20 Jahre, dass Lady Diana an den Folgen des schweren Autounfalls in Paris starb. Weit über zwei Milliarden Menschen verfolgten einige Tage später ihre Beerdigung, weltweit wurde heftig um sie getrauert.
Mir war sie früh als sehr mutige Frau aufgefallen, bereits zu einer Zeit, als sie von vielen noch als schlicht naive, junge Erzieherin (manche nannten sie auch ein junges, unerfahrenes „Dummchen“) betrachtet wurde. Warum schaute man sie als „junges Ding“, irgendwie als eben unerfahrenes „Herzchen“ an? Dabei kann man aus meiner Sicht als Eltern viel von ihr lernen. Und ich neige wirklich überhaupt nicht zu gefühlsduseliger Klatschpresse-Leserei. 

Mutterliebe

Empathie und Elternliebe statt starres Protokoll

Zu jener Zeit gab das Protokoll im Hochadel – übrigens in sämtlichen Königs-Häusern Europas –  noch vor, dass die Erwachsenen ihr königliches Leben leben, auf (Dienst-)Reisen gehen, ihre Kinder aber dann lange Zeit bei Nannys zu Hause zu bleiben haben.
Diana widersetzte sich diesem strikten Protokoll und weigerte sich, ihre Kinder über lange Zeit Dritten zu überlassen. Ich erinnere mich gut, wie sprach- , ziemlich spöttisch und eher verständnislos die Kommentare waren, dass diese junge Frau entgegen allem Protokoll mit ihren kleinen Kindern reisen wollte. Wie kam sie denn auf so eine Idee? Als Adlige hatte man das doch nicht nötig, schließlich konnte sie doch sämtliche Privilegien an der Seite des zukünftigen Königs genießen und die Kinder-Plage zu Hause lassen? Warum wollte sie es partout ? So verwundert äußerte man sich Anfang der 1980er-Jahre noch.
Ich sehe die Bilder im Fernsehen aus dieser Zeit noch vor mir, wie sie als Erste eines Königshauses mit ihrem kleinen Sohn aus dem Flugzeug trat, bei der  langen Reise ans andere Ende der Welt, nach Australien. William war auf ihrem Arm und als erstes königliches Kind ab sofort einfach dabei – Diana ließ nicht zu, dass ihr Sohn sie über lange Zeit vermissen würde. Als noch kaum öffentlich über Gefühle und Sehnsüchte kleiner Kinder und über die Wichtigkeit ihrer Bindungen zu ihren ersten  Bezugspersonen gesprochen wurde, forderte Diana die Rücksichtnahme genau darauf kurzerhand ein und wagte es, der Tradition eines weltweit bedeutsamen Königshauses öffentlich die Stirn zu bieten. Sie war gerade mal 21, 22 Jahre alt!
Ich fand ihr Einfordern und Handeln nur mutig und hatte ab da vor ihr echte Hochachtung – auch wenn andere sie nur ein „unerfahrenes Mädchen“ nannten.

Geliebt werden und Kind sein dürfen, wichtiger als alles andere

Gestern sendete der NDR eine Dokumentation, in der ihre Söhne reichlich (die meiste Zeit mit Strahlen in ihren Gesichtern) erzählten, wie schön es war, ihr Kind zu sein, sie zur Mutter zu haben. Dass Diana darauf aus war, viel Zeit mit ihnen zu haben, dass sie gute Laune versprühte, zu Schabernack, Spiel und Späßen aufgelegt war und sie sie als ihre Jungs Kinder sein ließ, mit allem Spiel, auch mit reichlich Dummheiten, die  für sie nun mal dazu gehörten. Sie verstand und vermittelte ihnen, dass Kinder nicht nur wohlerzogen und angepasst sein können, sondern einfach kindlich sein wollen mit allem, was für Kinder (ob adlig oder nicht …) sein muss. Sie bestärkte ihre Söhne darin, Kind zu sein. Parallel hierzu nahm sie sie wohl auch sehr früh mit zu den Unterprivilegierten der Gesellschaft, besuchte mit ihnen die Aids-Kranken (zu einer Zeit, als Aids noch als reine Schwulenkrankheit angesehen wurde), oder Obdachlose, war mit ihnen bei Notleidenden, und ließ sie (um William zu zitieren), das „ganz normale“ Leben, mit allen Tiefen, außerhalb der Palastmauern miterleben.
Beide, William und Harry erzählen davon, wie stark sie bis heute ihre Liebe spüren, dass sie dieses Gefühl, in ihren wohl-erzogenen, aber gerade mit ihren kindlichen, auch frechen Seiten stark geliebt worden zu sein, durch ihre Mutter bis heute in sich spüren. Und natürlich kam auch Trauer zu Wort, dass es ein Schock war, diese Mutter plötzlich verloren zu haben.

Liebe, Zuneigung und Mitgefühl machen Eltern zu echten Vorbildern

Mich beschäftigte beim Zuhören und Zusehen einmal mehr die Frage, was es alles war, dass Diana schließlich weltweit bewundert wurde. Von wegen  „naives Dummchen“.
Es war einerseits ihr Strahlen, ihre offensichtliche Schönheit. Ganz sicher bin ich aber, dass es besonders ihr Mut war, dass sie sich weigerte, sich wegen Äußerlichkeiten –  in ihrem Fall wegen der höfischen, adligen Tradition, um des Protokolls willen („So ist das bei Hofe, im Adel, schon immer!“) – zu beugen, sondern sie  sich leeren, herzlosen Einstellungen widersetzte. (Nicht nur bezüglich ihrer Kinder, auch bezüglich der adligen Gepflogenheit, dass alle Prinzen von Wales eine Mätresse haben und die Ehefrau das eben zu dulden habe).
Diana stand zu ihrem Erleben und Empfinden – obwohl auch sie, bis zum Krankwerden  Selbstzweifel hatte –  und stand königlich dafür ein. Ihr Gefühl sagte ihr, dass ihre Kinder sie brauchen, davon wich sie nicht ab, egal was Traditionen, Protokolle, Vorgaben und das Leben der Anderen um sie herum sagten.
Sie stand für Gefühl und Mitgefühl, lebte beides mit ihren Kindern, nährte sie dadurch und zeigte ihnen, worauf es zuallererst ankommt im Leben.
Schließlich wurde sie weltweit darin geachtet, und  – obwohl ihr der Titel „königlich“ aberkannt worden war durch die Scheidung –   wurde sie mit ihrem Eintreten für Mitmenschlichkeit und Mitgefühl, mit ihrer Warmherzigkeit zur Königin für viele. So wie sie war, wurde sie weltweit stark geliebt.

Was Eltern von Diana lernen können – und wie das Kinder glücklich macht

Meine Gedanken gestern während ich den Söhnen zuhörte: Alle Eltern sollten es Diana gleich tun.
Alle Mütter, alle Väter sollten für sich eintreten, sollten sich für ihre Gefühle entscheiden (egal was unser „Protokoll“ des modernen Lebens sagt, was als Norm vorgegeben wird, was alle machen, was wir um des guten Rufes willen, um unseres Ansehens in der Gesellschaft, oder wegen unserer Existenz oder Akzeptanz  zu tun oder zu lassen haben ..!).
Mütter und Väter sollten es wagen, sich zu bekennen: Dass ihre Kinder in ihrer Sorge an erster Stelle stehen; Eltern sollten ihre königliche Energie ernst nehmen und für die Gefühle ihrer Kinder, deren Sehnsucht nach Bindung eintreten, sollten  dem aktuell gültigen, bürgerlichen Protokoll widersprechen!
Dieser Tage pfeifen es die Spatzen von den Dächern, und ein Dr.Eric Schweitzer aus dem Präsidium der Industrie-und Handelskammer unserer Republik sagte es im Morgenradio (SWR) vor wenigen Tagen rundheraus, so ungeschönt und klar wie selten: Deutschland habe Fachkräfte-Mangel. Die Frauen müssten in die volle Erwerbsarbeit, die Kinder-Betreuung müsse dringend auch ab frühem Alter der Kleinen ausgebaut werden.
Bei Hofe heißt das Protokoll: Empfänge und internationales Reisen, für die Kinder zuallererst Erziehung nach adliger Etikette.

Stellen Sie Ihre Kinder an die erste Stelle – nicht die Erwartungen um Sie herum!

In den bürgerlichen Kreisen heißt das Protokoll inzwischen: Schnell und früh, äußerst zügig in die Erwerbs-Arbeit zu gehen; das ist aktuelle Norm, an die sich alle im Land halten sollen.  „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ heißt die bürgerliche „Etikette“ und für die Kinder wird es „Frühe Bildung“ genannt.
Ob bei Hofe oder im bürgerlichen Leben: Es geht bei beiden Protokollen nicht um  zentrale Bedürfnisse von Kindern. Ob adlig oder bürgerlich, alle Kinder haben nachweislich zuallererst eine Erfahrung am nötigsten: Dass sie tagaus tagein das Gefühl bekommen, stark geliebt zu werden; und dass sie ihrer Sehnsucht nachgeben dürfen, nämlich möglichst reichlich Zeit mit ihren Eltern zusammen zu sein, ihre nächsten Lieben viel täglich erleben zu können. Das ist es, was Kinder klug, stark, emotional und auch intellektuell intelligent macht (genau nachzulesen, warum das so ist, bei Prof. Dr. G. Hüther : „Jedes Kind ist hochbegabt“).

Seien Sie als Eltern Könige der Herzen 🙂

Dass man zeitweise und zwischendurch etwas Hilfe durch eine Nanny braucht, das wäre es, worauf alle Eltern, ob adlig oder bürgerlich gewisse Stunden in der Woche immer Anspruch haben sollten, denn ALLE brauchen auch Hilfe beim Versorgen ihrer Kinder.
Wir sollten also nicht ausschließlich die herzlich strahlende Diana für ihre Warmherzigkeit und ihren Mut bewundern, sondern wir alle sollten unsere königlichen Züge entdecken. Für Kinder  in den ersten Jahren ihres Aufwachsens sind alle Eltern  „Königin“ und „König“.
Kinder haben Sehnsucht, und wie Diana wären wir mutig, uns öffentlich und rundheraus für die Sehnsucht unserer Kinder stark zu machen, also zu widersprechen, was uns derzeit das moderne Protokoll vorgibt: also nicht mehr die Kinder die meiste Zeit den Nannys zu überlassen (weil das die Wirtschaft und die derzeitige Familienpolitik so will), sondern Gefühle ernst zu nehmen, für Warmherzigkeit einzutreten und unsere königliche Rolle im Leben kleiner Kinder wahrzunehmen.

Übrigens: Es gehört (nicht nur bei Diana) für alle dazu, dass sie in der elterlichen Arbeit existentiell gesichert werden müssen. Für jegliche Eltern gilt: Dass sie, die für Kinder sorgen, das Sorgerecht und das Recht auf existentielle Absicherung haben. Dass wir für eine gerechtere Familien-, Steuer-und Renten-Politik eintreten (nachzulesen bei J. Borchert oder R.Stadler) , die es nicht zulässt, dass Eltern arm werden, wenn sie Zeit mit ihren Kindern brauchen und daher nicht beide ganztags außer Haus arbeiten können.

Lassen wir uns vom Mut und der Warmherzigkeit einer Frau anstecken, trotz aller Zweifel (unter denen sie als Prinzessin genauso wie wir reichlich litt) und wagen wir es, dem derzeit vorgegebenen Protokoll zu widersprechen.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass durch Ihre Zuneigung und Ihr gemeinsames Vergnügt-Sein Ihre Kinder ein Strahlen und eine emotionale Sicherheit in sich tragen, dass sie sich in einem positiven Lebensgefühl von klein an geadelt fühlen und sie ihren Mitmenschen warmherzig begegnen –  genau wie William und Harry …

Stehen Sie zu Ihrer Warmherzigkeit,  haben Sie Mut, beides adelt …
Bis bald wieder (mit etwas Pause, da ich ab heute ein wenig in die Ferienzeit abtauche),
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Der Kampf ums anständig Essen – und warum er keinen Sinn macht

Viele Eltern fragen sich diese Frage, hören außerdem von allen Seiten: Sorgt dafür, dass Dein Kind beim Essen Regeln akzeptiert, bring ihm früh bei, dass beim Essen und mit Essen nicht gespielt wird und so weiter und so fort … Heute will ich Ihnen erklären, warum dieser so frühe Kampf um Regeln und anständiges Essen nur Stress aber überhaupt keinen Sinn macht. 

kids eat pizza and pasta at cafe. children eating unhealthy food indoors

Zunächst einmal ist es mit Rigorosität ja sowieso meist nicht getan, außer Stress und Streit, man erreicht letztendlich nichts. Und die Kälte darin ist im Umgang mit Kindern sowieso eine eher probelmatische Einstellung.

Aber einfach ist das alles auch nicht – denn kleine Kinder haben einen hohen Bewegungsdrang und können tatsächlich weniger gut  stillsitzen als Erwachsene. Zudem fassen sieauch noch alles an, um es im wahrsten Sinn des Wortes durch Greifen zu begreifen.

Was nun? Darf das Kind also alles? Muss man Herummatschen und Herumzappeln bei Tisch mit Kindern dulden?
Es hilft, erstmal zu wissen, dass sich das alles je nach Alter eines Kindes verändert und unterschiedlich angehen und einrichten lässt.

Kinder erleben (und genießen) mit den Händen

Kleinere Kinder (bis zu zwei, zweieinhalb Jahren) wollen wirklich das Meiste gerne noch mit der Hand fühlen, oftmals auch vieles lieber aus der Hand essen – das hilft ihrem Appetit deutlich auf die Beine. Mit reichlich „Spüren“ macht Essen Freude und eine zeitlang sind Eltern gut beraten, sich auf etwas weniger Gepflegtheit und dem „Mehr mit den Händen machen dürfen“, einzustellen. Das hört ganz von selbst bald wieder auf.
Dann kommt die Zeit, in der Kinder viel Freude haben (diese Freude beginnt früh und wird neben „Essen mit den Händen“ parallel gepflegt), wenn sie ebenfalls ihre Geschicklichkeit mit Löffeln, Gabeln, Messern üben, wie sie es bei den Großen sehen;  lassen Sie ein Kind zumindest mit Löffel und Gabel früh üben – der Eifer dabei freut Ihr Kind und lässt es zusehends geschickt werden, hält es in Konzentration, auch mehr Ruhe durchs ernste Üben, somit auch lieber und etwas länger bei Tisch.

Regeln mit Lust und Laune ganz spielerisch lernen

Mit etwa vier Jahren haben dann Kinder große Freude an Regeln und nun kommt die Zeit, in der sie Regeln lernen, vertreten und drauf achten, dass alle sich dran halten. Jetzt ist die Zeit, immer mal auch die schönen Sitten bei Tisch mit Kindern zu üben. Jetzt tun sie es liebend gerne, ermahnen auch die Großen: „Papa, man darf nicht mit vollem Mund reden…“ und haben Spaß dran, wenn wir mit ihnen „feine Sitten“  z.B.  durch ein echt „Feines Essen unter feinen Leuten“ spielen. Alle ziehen sich fein an, der Tisch ist besonders fein gedeckt und alle spielen zusammen „feine Gesellschaft“. Sie staunen, wie genau Kinder beobachtet haben, wie feine Leute wirklich vornehm essen; wenn man sich dann noch entsprechend fein anredet „Frau Rosenbaum, bitte reichen Sie mir doch mal das Gemüse…“ , „Aber gerne, Herr Lilienkron, ich wüsst nicht, was ich lieber tät …“ – dann werden schwuppdiwupp die guten Sitten bei Tisch spielerisch gelernt. Kichern und  Lachen muss man dabei auch und so macht alles einfach Spaß  – und Eltern sind eine Sorge los! Fangen Sie also mit dem Lernen der Regeln bei Tisch dann an, wenn Kinder das Alter für Regeln haben, nicht zu früh, denn dann strengt es Sie zu sehr an und allgemeines Generve greift um sich – dabei lernt man Gewünschtes eher schlecht. Mit Freude, Kichern und Spaß geht es viel leichter.

Seien Sie großzügig, ersparen Sie sich Stress – es lohnt sich nicht!

Zum Bewegungsdrang: Kleine Kinder bleiben eher ruhiger beim Essen, wenn sie auf den Schoß von Mama oder Papa dürfen; wenn sie müde sind, dann von den Eltern eher auch mehr denn weniger gefüttert werden. Und wenn es nicht mehr geht, darf ein Kind aufstehen, spielen, sich – während die anderen noch fertig essen – mit etwas beschäftigen, das es in verträumte Ruhe bringt; meiner Ansicht nach, dann ruhiges Spielen durchaus auch bei Tisch. Denn: Als Kind will man bei den anderen sein, Teil der „kleinen Herde“ sein; wenn es dabei hilft, dass mehr Träumerei und Ruhe einkehren kann, ist das immer ein gutes Anliegen. Dann fährt ein Auto etwass leiser brummend schon mal auf dem Tisch entlang, bis alle fertig sind. Nicht zu streng sein  – Spielen hilft oft in Trance und Entspanntheit und ist ein gutes Anliegen eines Kindes. Erst später, wenn Kinder deutlich größer sind, kann man erwarten, dass Kinder eine Zeit gemeinsam mit allen längere Zeit bei Tisch bleiben können und das genießen.
Rituale des gemeinsamen Anfangs und des Endes helfen immer, dass man gemeinsam in etwas mehr Ruhe findet – dies schon früh, denn Kinder lieben Rituale wie „Sich die Hände geben“ , dazu schöne, immer wieder gleiche Tisch-Verse zu sprechen.

 

Pädagogik der kleinen Kompromisse

Eine Regel bewährt sich sehr, sobald es mehrere Kinder sind: Alle Kinder dürfen zusammen aufstehen, wenn alle Kinder fertig sind mit Essen. Lediglich auch hier gilt: Kleine Krabbelkinder, die auf den Boden wollen, um ein wenig los zu krabbeln, weil sie solch große Freude dran haben, dass sie sich jetzt selbst bewegen können, die dürfen dann einfach schon früher auf den Boden, denn sie können manchmal nicht so lange warten, bis größere Kinder bei Tisch fertig sind. Aber solche Ausnahmen für Kleine verstehen größere Kinder nur zu gut. Sagen Sie einfach: Mia (oder Jonas …) ist noch zu klein, sie kann die Regel noch nicht einhalten, sie darf einfach los. Später kann sie es dann auch.“ So verstehen Kinder, dass Regeln an das jeweilige Können angepasst werden und wir nie zu stur sind. Das stärkt und bestärkt in Kindern Einfühlungsvermögen und Warmherzigkeit.  Gnade vor Recht – das ist immer gut im Zusammenleben untereinander!
Guten Appetit und bis bald,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Unser Kind ist so eifersüchtig – was tun?

Viele Eltern sind heutzutage schnell stark in Sorge, wenn ein Kind Eifersucht zeigt. Oftmals schildern mir Eltern, was sie alles unternehmen, wie sehr sie einzelnen Kindern viel an einzelner Zeit einräumen, sie sich zwischen ihren Kindern aufteilen, sich oftmals geradezu zerreißen, weil ein Kind sich eifersüchtig zeigt, sie als Eltern dann folgern, dass sie sich jetzt deutlich stark, mit enorm viel Zeit um dieses eine Kind kümmern müssen.

Eifersucht zwischen Geschwistern ist völlig normal

Die allererste, wichtigste Botschaft für Sie als Eltern:
So sehr man als Kind auch zwischendurch eifersüchtig auf Geschwister sein kann, Geschwister zu haben ist dennoch das, was nahezu alle Kinder sich sehnlichst wünschen. Trotz Ärger, trotz Streit zwischendurch mit ihnen, trotz Einschränkungen, die man durch sie miterlebt – es ist auf der Wunschliste von Kindern ganz oben, dass sie Geschwister haben wollen;  sehr häufig auch bei jüngeren Kindern (vor der Pubertät),  dass Mama und Papa doch bitte nochmal ein Baby bekommen sollen!
Ja, so spürt man schon als Kind – das Leben ist wunderschön, vielfach noch schöner, wenn sich Sehnsüchte erfüllen – und doch hat man dann natürlich immer Licht und Schatten, beides, das man erleben muss. Das Gute: Allein dadurch erleben Kinder wunderbar realistisch, wie das Leben nun einmal ist: Schön und zeitweise weniger schön – einfach immer beides.
Also dürfen Sie als Eltern jeden Tag drauf vertrauen, dass etwas Eifersucht ganz normal zu den Prozessen des Aufwachsens unter mehreren Kindern dazugehört und im alltäglich eintretenden, üblichen Rahmen von einem Kind auch zu verkraften ist, diese Erfahrung zu einer realistischen Einstellung zum Leben eben dazu gehört.

Little girl sad because of jealous younger sister to parents. focus on girlKindern lernen fürs Leben: Gönnen, Teilen, Rücksichtnahme

Ja, man muss in der Familie teilen mit den anderen Kindern. Ja, man muss es manchmal für kleine Momente aushalten, dass das andere Kind zuerst mit etwas dran ist, bei mehreren Kindern das Warten immer wieder auch länger dauern kann und man das wirklich aushält! Ja, man kann nicht immer alles bekommen, weil Alles für alle reichen muss – also lernt man ganz normal, dass etwas Einschränkung zu verkraften ist und man es trotzdem mit Geschwistern weiterhin schön hat – auch bei etwas Verzicht durch die Anwesenheit Anderer neben sich.
Erfahrungen, die eine gute, realistische Vorbereitung bedeuten auf das, was das Leben einem sowieso noch alles zumuten wird … (Das Leben auf diesem Planeten bietet für jeden nicht ständig unbegrenzt alles. Diese Tatsache ist etwas, was vielen Erwachsenen der reichen Länder immer noch schwer fällt, diese Tatsache heutzutage realistisch zu erleben und einfach auszuhalten. Wir Bürger der reichen Länder benehmen uns  – gemäß den Berichten von Verbänden, die sich um die Ressourcen unseres Planeten sorgen – weiterhin so, als hätten wir mehr als eine Erde zur Verfügung; wir muten einfach unseren Enkeln, den zukünftigen Generationen, später, die Einschränkungen zu).

Ein paar einfach Tipps für weniger Eifersucht und mehr gemeinsame Freude

Ein paar Dinge kann man beherzigen, damit Kinder mit eifersüchtigen Gefühlen nicht überfordert sind, sie dem Alter des Kindes entsprechend auch gut verkraftet und ausgehalten werden können:
Wenn ein neues Kind geboren ist, ist es für das nächst größere Kind schön (und bei mehreren Kindern, die alle eher noch kleinere Kinder sind, gilt das für alle Kinder, die Sie haben), dass es auch viel zu Hause sein darf und die Nähe und Geborgenheit, die das kleine Baby jetzt bekommt, miterleben kann. Dies mitzuerleben nährt im Kind ganz real das wichtige Gefühl:  „Unsere Eltern haben wirklich ausreichend Wärme für alle ihre Kinder“; zusätzlich lässt das Miterleben ein größeres Kind herrlich eintauchen in den Zauber, der von kleinen, neugeborenen (aber auch etwas größeren) Babys ausgeht. Diesen Zauber miterleben zu dürfen, das alleine gleicht vieles an möglicher Eifersucht aus.

Je kleiner das zuvor geborene Kind noch ist, umso dringender sollte man es auch mit gleich viel Zeit wie das kleinere Baby um sich herum haben, weil ein noch kleines Geschwister, real körperlich, mit viel Zeit erleben muss, dass es tatsächlich weiterhin gleichermaßen erwünscht und umsorgt ist.
Aber auch etwas größere Geschwister genießen das Dasein mit einem Baby enorm.
Es stärkt größere Kinder (das geht früh los, schon ab einenhalb, zwei Jahren des größeren Kindes), wenn man sie in die Versorgung des Kleinen mit einbezieht.  Wenn Größere mitversorgen dürfen (und sei es, dass sie nur den Schnuller finden und bringen, den das Baby gerade braucht), werden sie stolz, dass sie schon „richtig“ großer Bruder, große Schwester sind und diese Erfahrung des Groß-Seins und des „etwas schon können, was das Kleine noch nicht kann“ stärkt deutlich das Selbstwertgefühl des größeren Kindes; genau das besänftigt mögliche Eifersucht.
Wenn man dazu kleine Privilegien haben darf (aber wirklich kleine, sie reichen vollkommen aus!), weil man schon etwas größer ist als der kleine Winzling (z.B. beim Einkaufen mitkommen und  mithelfen darf, oder abends, wenn das Baby „nur“ gestillt wird, nah dabei sitzen darf und man eine kleine Geschichte erzählt oder vorgelesen bekommt etc. etc.), dann kann man als Kind spüren, dass es gut ist, groß zu sein und zu werden, und man als Kind gar nicht immer nur neidisch sein muss.

Teilen üben und warmherzig und pragmatisch gemeinsam gute Lösungen finden

Bei Spielsachen ist es am besten, man führt früh ein, dass alle Sachen einfach für alle Kinder zum Spielen da sind; dass Spielsachen von vornherein weniger Eigentum bedeuten, sondern sie eben einfach Sachen zum Spielen für jegliche Kinder sind – das beugt vielem Streit vor. Lediglich Puppen und Kuscheltiere sind die „Kinder“ einzelner Kinder und müssen weniger geteilt werden (wobei auch Puppen und Kuscheltiere durch Geschwister „Tanten“ und „Onkels“ haben, was auch schon wieder schön ist und Einfälle bietet für gemeinsames Spielen …)
Was Eltern heute ebenfall oft vergessen: Es ist für Kinder schön, gemeinsam abends im selben Zimmer einzuschlafen, oft noch schöner, gemeinsam mit Geschwistern im selben Bett zu liegen!
Generell kann man besten Gewissens sagen: Kinder sind in den meisten Fällen nicht gerne alleine in Räumen, genau besehen brauchen sie die meisten Jahre ihres Aufwachsens kein eigenes Zimmer. Der eigene Raum, in dem man gerne alleine wohnt, bekommt erst dann stärkere Bedeutung, wenn man ein Erwachsener wird, bedeutet, etwa ab der Pubertät. Erst als Erwachsener prägt sich die ganze Persönlichkeit mit ihren stärkeren Ecken und Kanten aus, dann sehnt man sich zeitweise nach dem eigenen Raum.

Davor, während der langen Jahre als Kind, lieben Kinder es sehr (trotz allem Streit, den sie zwischendurch natürlich auch haben – keine Sorge, das ist normal im realen Zusammenleben unter kleinen wie größeren Kindern), dass ein oder zwei Kinder (in größeren Familien durchaus auch mehrere Kinder ) das Zimmer und die gemeinsame Atmosphäre teilen.
Warum? Im gemeinsam belebten Zimmer spielt sich wenig Einsamkeit, aber sehr viel Leben ab; ganz besonders auch reichlich Viel an kindlichem, unentwegtem Spielen und den dazugehörigen wunderbaren Spinnereien,  die vielen Momente des witzigen Zusammenseins unter Kindern; Erfahrungen, die man schnell vermisst, wenn man alleine sein soll als Kind. Viele von Ihnen kennen das, wie man stundenlang gespielt hat unter Kindern im selben Zimmer, oder was man sich unter Geschwistern vor dem Einschlafen noch alles ausgedacht und erzählt hat. Oder wie sonderbar es war und wie sehr man seine Geschwister vermisste, wenn man plötzlich irgendwo alleine, ohne sie bleiben sollte.

Fragen Sie mal bei Kindern aus größeren Familien nach, wie sehr sie es als Kinder genossen haben, dass sie immer jemanden zum Spielen und Spinntisieren hatten, sie Einsamkeit nicht kannten; auch bei Streit es gut war, dass man Räume zusammen  erlebt hat und man jemanden vertraut und nah hatte; und zwar jemand, der auch Kind war.
Seien Sie pragmatisch als Eltern, machen Sie sich weniger Sorgen – Kinder streiten mal, aber vertragen sich schnell wieder. Das grundsätzliche Gefühl: „Unsere Eltern haben uns alle gleichermaßen gern und uns auch alle gerne weiterhin viel um sich herum, in ihrer Nähe“ , dieses Gefühl ist lange wichtig;  aber genau diese Erfahrung reicht im Alltag auch aus, um Geschwister zu stärken und zu nähren.
Sie erinnern sich ? Genau …

Bis bald wieder
Ingrid Löbner

Allgemein

Kinder brauchen nicht viel fürs Sommerferienglück!

Liebe Eltern,

soeben, an einem gemütlichen Sommerabend, habe ich mir eine Radiosendung Südwestrundfunk (SWR) angesehen, die zeigte, wie das Ferienmachen für Familien in den Anfängen des Tourismus im Südwesten aussah. Alte Autos waren zu sehen, vollgepackt, mit denen Familien aus nördlichen Bundesländern in ihre Ferien in die südlichen Bundesländer zockelten. Ferien im Zelt am Bodensee oder in einfachen Wohnwägen, oder in den ersten Fremdenzimmern mit minimaler Ausstattung in den Bauernhäusern im Schwarzwald.

Junge springt vom Steg in den See

Erwachsene in der Sendung, die schilderten, mit welchen (Sommer-)Gerüchen ihre Erinnerungen verbunden sind, mit wie wenig Komfort alles einher ging, aber welches Glück es bedeutete, als Familie auf diese Weise einige Zeit in die Ferien fahren zu können – meist immer wieder an dieselben Orte, auch oftmals zu denselben Menschen. Dass regelrechte Freundschaften entstanden sind (die oft bis heute bestehen) zwischen den gastgebenden Familien und den Gästen; Erwachsene, die erzählten, dass sie als Kinder der gastgebenden Familie gleich schon glücklich waren, wenn sich Gäste mit Kindern anmeldeten  – und wie dann tagelang, unbeaufsichtigt, herrliche, unendliche Stunden des gemeinsamen Spielens unter „Stadt-“ und „Land-Kindern“ stattfanden.

Alle, die erzählten, schmunzelten über die Einfachheit des Zusammenlebens damals, mit wie wenig sich Gäste (und Gastgeber) zufrieden gaben;  und alle strahlten noch immer, wenn es um die Erinnerung an die wunderbaren menschlichen Begegnungen ging, unter allen Kindern und unter allen Erwachsenen.

Gemeinsame Zeit, Spiel und andere Kinder machen die Ferien perfekt, auch ganz ohne Luxus

Es scheint, dass herrliche Ferien weitaus weniger von Komfort oder großen Distanzen abhängig sind als wir immer wieder meinen, aber sehr abhängig sind von schön verbrachter gemeinsamer Zeit, unter Kindern fürs ausgedehnte  Spielen, unter Erwachsenen für ihre Gespräche über alles, was Erwachsene schon immer in ihren unterschiedlichen Lebenswelten bewegte und heute gleichermaßen bewegt.
Die heute noch strahlenden Gesichter der Erzählenden, wie sie verblüffende Ferien-Details (z.B. wie die Damen unter den Gästen das warme Wasser aufs Zimmer gebracht bekamen und die Herren sich durchaus noch im Hof am Brunnen wuschen) in herrlicher Einfachheit zu den „alten“ Bildern im Film erzählten, dieses Strahlen sprach Bände …
Gut, dass wir es auf diese Weise nicht vergessen: Es braucht ganz offensichtlich wirklich nicht den Komfort im Äußeren, um bleibende, wunderschöne Erlebnisse mit Anderen zu teilen und sich gerne dran zu erinnern. Alles andere war nicht wichtig …

Wir kennen das alle auch, oder?
Bis bald wieder,

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Weniger Prinzessinnen und Prinzen, mehr Räubersöhne und -töchter!

Liebe Eltern, 

täglich werde ich von Eltern zu Rate gezogen, weil ihre kleinen Kinder nicht mehr schlafen, weil sie mit vier, fünf Jahren fleißig an ihren Nägeln kauen, manche entwickeln erste Tics, andere kleben abends an ihren Eltern und weichen keine Handbreit von ihren Hosenbeinen … Wenn die Eltern und ich, wir uns im Gespräch gemeinsam anschauen, wie die heutigen Tagesabläufe der Familien mit jüngeren Kindern (im Alter von 0 bis 6 Jahren, also noch VOR der Schulzeit) aussehen, dann wird in fast allen Fällen deutlich: Heutige Tage moderner Familien müssen rund laufen, morgens geht es zeitig los, die Kinder werden früh in die diversen KiTas verteilt, die Eltern eilen zur Arbeit, nachmittags kommt der eine früher, der andere später zurück, werden die Kinder aus den KiTas geholt, und dann in den einen oder anderen Kurs gebracht: Schwimmunterricht, Ballettstunden, Musikgarten für kleine Kinder usw. usf. . Alle und alles müssen funktionieren – nur eines funktioniert nicht mehr recht: Die Kinder finden nicht in ruhiges Spiel, in tiefen Schlaf, in Muße und verträumtes Verweilen, in echte Konzentration.

Wenn ich bei Eltern die vollen Tage  samt vollem Kurs-Programm in Frage stelle, kommt meist die Antwort: „Aber heute ist das üblich, andere machen noch viel mehr … Sie glauben gar nicht, wie wir angeschaut werden, wenn wir mehr und nur zu Hause sind und einfach spielen ….“
Tja, die Beratungsstunden zu mehr Konzentration und Schlaf kleiner Kinder wären nicht ständig so voll und ausgebucht, wenn das alles wirklich kein Problem wäre!

Mixed race kids are playing outsideSeien Seien Sie realistisch und lebensklug: Lassen Sie Ihre Kinder einfach Kind sein!

Glauben Sie all den Eltern eher weniger, die NOCH mehr leisten als Sie, glauben Sie lieber Ihren Kindern und Ihrem Alltags-Erleben:
Kinder, die nicht schlafen, nicht konzentriert und verträumt spielen, die an ihren Nägel kauen oder häufig quengeln, extrem „klebrig“ sind – sie sind definitiv am Rande ihrer nervlichen Belastung, und da hilft zuallererst eines: Weniger tägliches Funktionieren, mehr Muße und Spiel unter Kindern.
Soeben saß ich zum Ende meines Arbeitstages an einem kleinen Fluss, dessen Ufer wunderschön renaturiert wurde. Jetzt kann man wieder barfuß ins Wasser und über die großen Steine im Fluß balancieren, kleine Steine ins Wasser werfen, Dämme bauen, mit dem Sand am Flussufer dies und jenes bauen … Es ist hell und noch warm – und einige Kinder sind draußen und spielen. Ein gar nicht großer Abschnitt Flußlauf in einer kleinen Stadt  – bedeutet plötzlich wieder großen Reichtum für die Kinder, deren Lust am Verweilen und verträumten Spielen mit Wasser, Sand, Büschen, Bäumen (Ausprobieren, wie hoch man klettern kann, wunderbar!) ganz offensichtlich zunimmt.

Manchen sieht man an, dass sie häufig hier sind und mit großer körperlicher Sicherheit in diesem kleinen  Paradies täglich ihre kleinen oder großen Abenteuer erleben. SO bekommen Kinder ein gutes Körpergefühl, eine große Sicherheit in Körperbalance und Kraft, bei Spielen mit Dingen aus der Natur, alleine oder mit anderen Kindern,  und bei allem das Rauschen des Wassers im Ohr und sein Dahinfließen vor Augen  – das tut nebenbei noch ihrer inneren Ausgeglichenheit gut. Unserer erwachsenen Ausgeglichenheit ja auch – nicht umsonst sitzen auch wir Großen nach der Arbeit gerne an solchen Flussläufen.

Kinder wollen wild und versonnen Spielen, statt irgendwelche Kurse und Förderung!

Anstatt alle unsere Kinder durch reichlichen, täglichen Unterricht, Kurse und frühe Bildung zu unseren individuellen, modernen Prinzen und Prinzessinnen zu machen, wären einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wenn wir unseren Kindern mehr und wildere Orte zum Spielen einrichteten und sie bei ihrem Spiel in Ruhe ließen, sie also mehr Räuberdasein erleben dürften.
Ich wiederhole mich hier – aber heute begann mein Arbeitstag mit einer besorniserregenden Nachricht:
Die Gaben von Ritalin nehmen weiterhin stark zu – auch viele Erwachsene sind auf Dauer-Medikation mit Ritalin angewiesen. (Nachrichten auf SWR2 am 20.7.2017, morgens 9.00 Uhr). Da ich täglich auch mit den seelischen, nervlichen Nöten Erwachsener zu tun habe, kenne ich dieses Leid, wenn Erwachsene körperlich und seelisch aufgrund blank liegender Nerven nicht mehr können. Ich wünsche unseren Kindern eine solche Zukunft nicht, sie ist schwer.

Noch etwas kam heute in den Nachrichten: Kate und Prinz William sind mit ihren Kindern in Deutschland. Williams Mutter, Prinzessin Diana fiel Anfang der 1980-er Jahren damit auf und dabei heftig aus dem königlichen Protokoll, dass sie dafür eintrat, dass ihre Kinder zuallererst ihre Liebe brauchen (sie weigerte sich, ohne ihre kleinen Prinzen auf lange Reisen zu gehen, sie alleine bei Nannys zu lassen);  und dass die kleinen Prinzen so gut wie nur irgend möglich normale, verspielte Kindheiten haben sollten. Nicht zuletzt für diese warmherzigen Gesten ihren königlichen Kindern gegenüber, jenseits des damaligen höfischen Protokolls, wurde sie weltweit geachtet und stark geliebt.
Vielleicht mögen Sie heute noch eine schöne Geschichte lesen? Dann schauen Sie mal in Astrid Lindgrens „Märchen“ (Oetinger Verlag, Hamburg) und lesen Sie vor Ihrem Einschlafen die Geschichte von der Prinzessin, die nicht spielen wollte.

Seien Sie glücklich, wenn Sie noch Kinder haben, die aus Brombeeren Käse machen können und aus Blättern leckeren Spinat für die Puppen kochen … Zweifeln Sie nicht – wir brauchen mehr Räubertöchter und -söhne als Prinzessinnen und Prinzen – ganz sicher! Räubertöchter und -söhne haben unendlich viele Spielideen, waghalsige Einfälle und Unternehmungen, werden dabei klug und ganz nebenbei körperlich auch noch herrlich robust – was ihnen ein Leben lang Spaß bringt und ihre Gesundheit auf allen Ebenen erhält, nachweislich!
Bis bald wieder,
herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Sommer! Sonne auf der Haut, Sand zwischen den Zehen …

Liebe Eltern, 

uns Erwachsenen mag es manchmal zu heiß oder zu trocken draußen sein – für Kinder sind Sommertage ein einziges Glück.Erinnern Sie sich auch, WIE schön es war, stundenlang draußen spielen zu können? Die Sommer-Gerüche in der Nase, das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel im Ohr?

Die Zeit, in der man auch die anderen Kinder aus der Nachbarschaft um die Ecke, immer, draußen antraf und man stundenlang alle möglichen Straßenspiele spielte? „Kaiser, wieviel Schritte schenkst Du mir?“, Fangen, Verstecken, Gummitwist-Hüpfen (ja, ich weiß, das waren nur wir Mädchen…), Ballspiele aller Art, Federball; oder weit weg streunen, Feuer machen, Lägerchen anlegen, kleine Banden bilden, sich necken, streiten, aber immer wieder zusammenfinden, weil es natürlich doch schön war, einfach stundenlang zu spielen …  Und das Beste: An den langen Sommerabenden, länger draußen bleiben zu dürfen, und wenn es schließlich doch Zeit fürs Bett war, dann waren die Erwachsenen großzügig und es reichte die Katzenwäsche; im Bett roch  man die Sonne auf der Haut und spürte die Krümel Erde und Sand zwischen den Zehen … und freute sich auf den nächsten Tag, um weiter zu spielen, da, wo man tags zuvor mit den anderen Kindern zusammen aufgehört hatte.

sunset in Prst Sjlland Danmark

Seien Sie großzügig im Sommer mit den Zubettgehzeiten!

Wenn Sie Kindern einen großen Gefallen tun wollen, dann lassen Sie solche „Sommer-Ewigkeits-Zeiten“ reichlich zu. Wie schon gesagt: fragt man heutige Erwachsene, was sie als besonders schön aus ihrer Kindheit erinnern, dann kommen gerade solche Schilderungen. Von „Kursen“, zu denen man nachittags hin sollte, um in diesem oder jenem früh gefördert zu werden, hat mir bei der Frage „Was war schön für Sie als Kind?“ noch nie jemand je erzählt. Aber vom Draußensein und stundenlangen Spielen mit anderen Kindern, bei Sonne und Wind, da und dort im Viertel, oder besser noch weit weg, damit die Erwachsenen sich keinesfalls einmischen konnten, davon allerdings erzählen alle Erwachsenen … Also, liebe Eltern, melden Sie Ihre Kinder nicht früh in Kursen an; und wenn Sie es doch getan haben, melden Sie sie bald wieder  ab, damit viel, viel Zeit für versonnenes Spielen bleibt. Das, woran wir uns gerne erinnern aus unserer Kindheit, das war einst wichtig, ging uns nahe und hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns auf allen Ebenen gut entwickelt haben.
Zu allem Glück kommt hinzu: Es sind immer weiter diese „sonnigen“ Erlebnisse, die Kinder froh und gesund auf allen Ebenen sein lassen; sie gehen ihnen unter die Haut und machen sie parallel auch noch klug, in jeder Hinsicht. Der Sommer sorgt vor! Was für ein Glück!
Genießen Sie es …
Mit sonnigen Grüßen, bis bald
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Mehr Zeit und Ruhe für Familien – nicht weniger!

Liebe Eltern,

Ein weiteres Mal wird dieser Tage in den Medien gelobt, dass das Elterngeld Wirkung zeige: Beide Eltern arbeiten früh wieder VOLL – trotz Kindern – und verlieren so den Anschluss an die Arbeitswelt nicht. Ein Erfolg, vermeintlich. Aber wer denkt hier eigentlich an den Stress der Familien und vor allem an die Kinder selbst?

Als Beraterin, die tagaus tagein nahezu nichts anderes tut, als mit Eltern über die Unruhe (angefangen bei den Babys, die exzessiv schreien, bis zu den noch kleinen Kindern, die nicht in den Schlaf und auch nicht ins Spielen finden) ihrer Kinder zu sprechen, geht mir bei solchen Nachrichten immer als erstes durch den Kopf: „Ist das wirklich was Familien brauchen – egal wer von beiden wieviel arbeitet – wer denkt hier wirklich an die Kinder?“

Mein klare Empfehlung dazu liebe Eltern: Lasst Euch nicht so antreiben! Vertraut Eurem Gefühl mehr als allen Proklamationen der derzeitigen Politik!

Nahezu alle Eltern, mit denen ich die Schwierigkeiten ihrer kleinen Kinder bespreche, sagen mir, dass ihr Gefühl ihnen sagt, dass sie mehr Ruhe und noch viel mehr Zeit tagsüber für ihr kleines Kind brauchen. Väter und Mütter gleichermaßen sagen mir so oft, dass ihr Gefühl sagt, dass es unter einem Jahr für sie noch zu früh ist, ihr Kind schon früh morgens, oftmals für viele Stunden außer Haus in eine KiTa zu bringen. Dass ihr Gefühl so ist, dass ihre Kleinen eigentlich noch größer werden müssten.  Das Schöne daran: Dieses elterliche Gefühl passt genau zu dem, wass wir zu den Entwicklungsschritten kleiner Menschen wissen. Kleine Kinder müssen sich stark gebunden fühlen, müssen bei den nächsten Lieben (das sind in aller Regel, logisch, ihre Eltern) verwurzelt fühlen und sich stark geliebt fühlen; langsam nabeln sie sich dann von diesen „Haupt-Bindungs-Personen“ ab, bekommen erste, kleine „Flügel“ und gehen dann gerne, ohne Unruhe und nächtliche Schlaflosigkeit, ins Spiel zu anderen Kindern. Aber diese Prozesse brauchen ZEIT!

Es geht offensichtlich nicht um die Bedürfnisse kleiner Kinder, sondern  um die Bedürfnisse der Wirtschaft.

Derzeit werden Eltern, Väter wie Mütter gleichermaßen, möglichst früh wieder an die Arbeitsplätze zurück geholt, weil der Fachkräftemangel hoch ist. Es geht bei all dieser Politik nachweislich nicht um die Bedürfnisse kleiner Kinder, sondern nachweislich um die Bedürfnisse der Wirtschaft. (Mehr und sehr Genaues hierzu finden Sie im Buch von H.Renz-Polster: „Die Kindheit ist unantastbar“, Beltz-Verlag)
Kinder werden vor allem dann klug und im Leben wohl orientiert, wenn sie sehr geliebt  werden (das machen meist die Eltern sehr gut), wenn sie in Ruhe und mit gutem Gespür für sich selbst und ihr aktuelles Lebensgefühl beantwortet und ernst genommen werden. Dann sind sie in ihrer Kleinkind-Ruhe und gleichzeitig voller Neugierde. So entstehen im Menschen beides: Psychische Stabilität und die Freude am Entdecken,  das heißt bei Kindern: Freude am Spielen.

Reiner Effizienzgedanke statt echter Flexibilität, positivem Wandel und wirklich familienfreundlicher Arbeitspolitik

Anstatt dieses Wissen zur menschlichen Entwicklung ernst zu nehmen und für Menschen, die Kinder haben, Arbeitsverträge einzuführen, die ihnen Zeit geben und lassen (die Beamten bekommen solche Verträge, dort geht es!), werden die Eltern auf das Drängen der Wirtschaft eingestimmt und angetrieben, sich entgegen allem Gefühl früh von ihren Kindern zu trennen. Das gilt für Väter und Mütter gleichermaßen.
Liebe Eltern, seien Sie mutig, wehren Sie sich, widersprechen Sie dieser überall angepriesenen Entwicklung. Sie finden Details und viele Tipps zum Alltag im Leben mit kleinen Kindern in meinen beiden Büchern: „Gelassene Eltern-glückliche Kinder“ und „Erziehen mit Mut und Muße“. Vielfältigste Hintergrund-Informationen zur derzeitigen Politik finden Sie wie oben beschrieben bei Herbert Renz-Polster, außerdem bei Rainer Stadler „Vater, Mutter, Staat“,  zu finanziellen Nöten von Familien, zur extrem ungerechten Besteuerung von Familien  bei Jürgen Borchert: „Sozialstaatsdämmerung“.

Diese Autoren sind durchweg Menschen, die politisch eher links und keinesfalls in der rechten Ecke stehen, die aber die derzeitige Entwicklung mit bestem Fachwissen und mit Kenntnis ihres Fachgebiets deutlich hinterfragen, die konsequent die Frage stellen: Wo ist die Quelle all dessen, was derzeit überall proklamiert wird?  In jedem der Bücher wird die Frage gestellt: Warum sollen sich die Eltern und ihre kleinen Kinder plötzlich so sehr beeilen? Was ist eigentlich los?  Wem wird hier gedient? Warum wird so dermaßen aufs Tempo gedrückt? Wessen Interessen werden gestärkt? Die der Kinder sicher nicht.

Hören Sie nur auf sich, auf Ihre Familie, auf Ihr Gefühl – nur das zählt!

Machen Sie sich kundig und bleiben Sie Ihrem Gefühl treu: Machen Sie mit Ihren Kindern langsam und genießen Sie Ihr Zusammensein. Und seien Sie sicher: Das genau macht Ihr Kind bleibend ruhig und in seinem Innern sicher und stark, außerdem, das ist das Tolle: Genau so werden Kinder auch noch intelligent. Klasse, oder?
Herzlich
Ingrid Löbner