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Ist der Grund, dass unser Kind schlecht schläft – weil wir in keinen guten Tagesrhythmus kommen?

Eltern kleiner Kinder bekommen heutzutage von vielen Fachleuten ans Herz gelegt, manchmal auch streng verordnet, mit ihren Babys/Kleinkindern unbedingt einen immer gleichen Tagesrhythmus zu leben. Das sei wichtig, damit das kleine Kind bald und leichter lerne, wann es Nahrung gibt, wann geschlafen wird und damit es zügig verstehe, sich leicht und klar in diesen Tagesablauf einzufügen. Außerdem sei Rhythmus ein wesentlicher und entscheidender Weg zu besserem Einschlafen und tieferem Schlaf eines kleinen Kindes.
Eltern, die in unserer Sprechstunde beratende Hilfe suchen bezüglich leichterer Nahrungsaufnahme und besserem Schlaf ihrer kleinen Kinder erzählen dann oft, mit deutlich schlechtem Gewissen im Unterton, tja, sie würden nicht so ganz richtig regelmäßig leben, und wahrscheinlich sei das ja die Ursache aller Probleme. Die Eltern schämen sich oft, dass sie den Tag mit kleinem/n Kind/ern einfach nicht klarer strukturiert bekommen, dass jeder Tag etwas anders sei als der vorherige, dass mal das Kind lang, dann wieder kurz schlafe, dass ihr Kind mal früher Hunger zeige, mal später – und sie das nicht ändern könnten; man hört an ihrem Unterton, dass sie über sich selbst denken, sie würden schon jetzt darin versagen, ihr Kind ordentlich zu erziehen.
All den Eltern sage ich (mit Trost) dass es sehr normal sei, dass mit kleinen Kindern nicht jeder Tag gleich „rund“ laufe, dass kleine Kinder keine Uhrwerke seien, deren Glocke zur immer gleichen Stunde anschlägt, mal mit dem „Ton“ Hunger, dann mit dem „Ton“ Schlaf. Und vor allem: Dass Rhythmus nur in gewissem Maß, eher weniger stark der Grund sei, der guten Schlaf ermögliche oder ihn verhindere.
Immer und immer wieder bleibt zu wiederholen: Besser schlafen zu können hängt mit einer allgemeinen guten Entspannung zusammen, außerdem – für kleine Menschen zentral entscheidend  – von starken Gefühlen ihrer innerer Sicherheit und Geborgenheit.
Weit mehr als an immer gleichen Tagesabläufen hängt das gute Schlafen daran, ob ein Kind nah genug bei seinen Lieben schlafen kann. Das heißt für unsere modernen Wohnformen:  Dass ein kleines Kind also gerade nicht  allein in einem Zimmer, womöglich noch weiter weg in der oberen Etage schläft, während die geliebten Eltern (und Geschwister) unten im Wohnzimmer sind; dass also das Leben unten spielt, während das kleine Kind aber oben, mutterseelenallein in einem Zimmer, schlafen soll. Wie erzählen viele Eltern: „Kaum ist unser Kind eingeschlafen und ich schleiche aus dem Zimmer, ist das Kind schon wieder wach …“  Ja genau, weil kleine Kinder auch im Halbschlaf schärfste Antennen dafür haben, ob sie in Geborgenheit und Sicherheit, in der Nähe von jemandem schlafen.
Machen Sie es anders: Gehen Sie getrost dazu über, Ihr noch sehr kleines Kind an Ihren Körper zu binden und es am Körper schlafen zu lassen, dort schläft es meist am tiefsten und am längsten, weil es sich -ganz genau!- sicher und geborgen fühlt. Wenn Sie es mit Tragetuch oder Tragesystem an sich binden, haben Sie die Hände frei und können manche Arbeit erledigen.
Oder Sie sind selbst müde, dann legen Sie sich getrost mit Ihrem Baby hin, dösen oder schlafen mit ihm ein und holen sich getrost diese fehlende Mütze Ihres Nachtschlafs nach.
Oder, Ihr Kind ist schon etwas größer und Sie können/mögen es nicht mehr so viel tragen, dann richten Sie eine gemütliche Schlafecke im Wohnzimmer ein.
Ich nenne das: „Das uralte Prinzip: Schlafen, wie einst am Feuer“. Was einst die Feuerstelle war, um die herum das Leben der Familie sich abspielte, ist heute das Wohnzimmer/ die Wohnküche, wo das Leben mit Kindern tobt, spielt, sich abspielt. Hier darf auch geschlafen werden, denn hier hört man noch im Schlaf die murmelnden Geräusche des Alltags, hört, dass alle da sind, dass man nicht alleine ist, dass man – durch die Nähe der geliebten Bindungs-Personen –  sicher und geborgen ist.
Dass ein Kind mal früher, mal etwas später Zeichen der Müdigkeit zeigt, ist ganz normal. Wichtig ist, dass man als Mama/Papa Zeichen der Müdigkeit wahrnimmt, man spürt, dass das Quengeln des Kindes nicht Langeweile oder Mangel an Unterhaltung bedeutet, sondern Quengeln und Unruhe bedeuten, dass die Energie des Kindes nachlässt und es Ausruhen, Dösen, Schlaf braucht.  Wenn Ruhe, Dösen, Schlafen für ein Kind nicht gleichbedeutend mit Allein-Sein-Müssen ist, dann ist etwas Zur-Ruhe-Kommen, Dösen und Einschlafen mit Nähe, mit Gemütlichkeit und wohligem Loslassen verbunden – und gerade nicht mit Stress, Alleinsein und dadurch mit Anspannung.
Bei den meisten Kindern stellt sich mehr oder weniger ein „In-Etwa-Tagesrhythmus“ schließlich nahezu wie von selbst ein.
Ja, stimmt schon, in etwa die Tage gleich zu strukturieren hilft uns Menschen allen, uns Großen wie den Kleinen, dass unser Körper deutlicher Hunger und Müdigkeit zeigt, dass durch etwas Rhythmus in den Tagen unser Körper uns darin unterstützt, auch innerlich leichter im Lot zu sein. Mal mehr, mal weniger.
Aber wenn wir daraus eine strenge Anforderung machen, dann entsteht doch schnell wieder Anspannung und Stress – beides sind Gegenspieler für Hunger und Appetit, Müdigkeit und Schlaf.
Also, glauben Sie es getrost: Am ehesten ist es die Sicherheit und Geborgenheit des Zusammen-Seins, die die Freude an Appetit und Essen beflügeln, und die das Loslassen ins Dösen und Einschlafen ermöglichen. Bei Stress und Anspannung geht der Magen eines Kindes zu und jegliches Loslassen in Richtung Müde-Werden und Einschlafen wird unmöglich. Das alles kennen wir doch auch von uns selbst.
Und wenn ihr Kind beim ersten Versuch nicht gleich einschlafen kann, dann darf es  noch einmal, nein, nicht Aufdrehen und Toben; aber durchaus noch ein Weilchen versonnen vor sich hin spielen, bis die Müdigkeit sich bei ihm wieder heranschleicht und ihr Kind sich – auch übers verträumte Spielen –  leichter fallen lassen und einschlafen kann. In Ihrer Nähe – dann wird Einschlafen wohlig, und das Schlafen klappt, durch die gespürte Geborgenheit, länger.
Dabei nicht vergessen: Bei allem, was uns Menschen im Allgemeinen betrifft, gibt es immer manche Menschen, die es ganz anders mögen: Manche kleine Kinder schlafen tief und fest an einem ruhigen Plätzchen, weiter weg von allen Alltags-Geräuschen. Auch das ist natürlich möglich und auch das respektieren wir – logisch schlafen diese Kinder dann getrost dort, wo sie sich am besten entspannen und am tiefsten träumen; wenn sie es lieber mögen, dann auch in einem Bettchen etwas weg von allem Trubel.

Wenn ich dieses Prinzip des „Schlafen in der Nähe der Lieben“ empfehle, melden die meisten Eltern erleichtert zurück: „Die ewigen Schlafprobleme entspannten sich zügig – unser Kind schläft mehr, ruhiger und länger.“
Übrigens, auch zum Thema Schlafen finden Sie in Astrid Lindgrens Erzählung „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ eine liebenswerte kleine Episode; denn auch bei den Kindern aus der Krachmacherstraße kann – ganz typisch- ein kleines Kind nicht einschlafen. Warum? Seine Cousine weiß die Lösung: Weil es allein, in der Dunkelheit, ganz woanders, zu Besuch bei der Verwandtschaft, in fremdem Zimmer, sich nicht wohlig und geborgen fühlt. Lesen Sie selbst  – Sie werden, schmunzelnd, Ihr(e) Kind(er) wiedererkennen.
Bis zum nächsten Mal, herzlich
Ingrid Löbner

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Hilfe, unser Kind nervt und bleibt nie lange bei einem Spiel – was tun?

Liebe Eltern,
eine Frage, die mir von Eltern kleinerer Kinder oftmals gestellt wird: „Unser Kind nervt, ist umtriebig, geht von einem Spielzeug gleich zum nächsten, bleibt bei nichts lange – ist es schon hyperaktiv? Was tun, damit sich das ändert?“

Es ist berechtigt, sich darum zu kümmern, weil es Sie als Eltern und ebenso Ihr Kind anstrengt, wenn durch Spielen nie mehr Ruhe entsteht.
Wenn ich Eltern kleinerer Kinder erlebe, fällt mir auf, dass heute sehr viel mit Kindern gesprochen wird, es wird auch kleinen Kind sehr vieles erklärt; oder wenn ein Kind nicht so spielt, wie es gut täte, dann wird das Kind reichlich mit Worten ermahnt – aber es hilft nicht.
So sehr ich dafür bin, mit Kindern zu sprechen und so sehr ich beobachte, dass sie früh wirklich alles verstehen, so sehr denke ich dennoch darüber nach, warum die vielen Worte von Eltern an ihre kleinen Kinder meist nichts nutzen. Mir scheint, oft verstärkt das viele Reden eher die Anstrengung auf beiden Seiten, denn Sie als Eltern haben das Gefühl, sich den Mund fusslig zu reden ohne Erfolg, und das Kind reagiert null, macht vielleicht genau das Gegenteil oder schaltet irgendwie „auf Durchzug“. Warum?
Verschiedene Ebenen fallen mir dazu ein:

Die erste Ebene:  Dass – meiner Beobachtung nach häufiger als man denkt – kleine Kinder, die unruhig sind, eigentlich erschöpft und müde sind; wenn es um müde Kinder geht, hilft statt vieler Worte zuallererst, mit Kindern Momente der Ruhe zu zelebrieren: ein Kind auf den Schoß zu nehmen, sich dazu selber gemütlich hinzusetzen und das Kind -wie in Beiträgen weiter oben beschrieben- durch liebevolles Halten zu beruhigen, ihm etwas zu Saugen (auch Schnulli oder Flasche helfen bei den Kleineren noch) zu geben,  oder einen Gegenstand, an dem es gerne mit den Fingern nestelt (ein Schuffeltuch oder den geliebten  Teddy, oder das Lieblings-Auto, oder die Puppe),  oder sich auch ohne viel Worte mit dem Kind in ein Bilderbuch versenken; sprich,  durch haltgebenden Körperkontakt und ruhiges Zusammensein erstmal wieder für Tagträumerei und Ruhe zu sorgen. Denn klar ist: Ein Kind, das eigentlich nicht mehr kann, kann sich auch bei nichts mehr lange konzentrieren. Denken Sie mit jüngeren Kindern wirklich oft genug daran, dass kleine Menschen, aber letztlich wir alle, mehr Momente des Tagträumens zelebrieren sollten, denn es hilft uns allen aus Erschöpfung und Nervosität, es hilft zu mehr Erholung, bei jüngeren Kindern hilft es im nächsten Schritt oft auch gleich noch in den Schlaf.

Die zweite Ebene: Wenn Kinder ab ca. eineinhalb bis drei oder vier Jahren in dem Alter sind, in dem sie ihr Ich entdecken, ihre Person deutlicher spüren und erleben wollen, dann sind sie drauf aus, zuallererst das zu tun, was sie selbst wollen – und gerade eben nicht das auszuführen, was die Eltern wollen. Dieses „Ich-Spüren“  ist ein Entwicklungsschritt, der im Kleinkindalter dran ist, der für Eltern aber durch den Eigensinn des Kindes immer wieder sehr anstrengend ist.
Kinder spüren besser, dass sie selbst Jemand sind, dass sie also eine eigene Persönlichkeit haben, wenn sie genau das tun, was ihnen selbst einfällt und gefällt, sie also ihre eigenen Ideen ausleben.

Die dritte Ebene: Ständig kann man beobachten, dass man Kinder generell, aber kleinere Kinder ganz sicher, eher zu etwas bewegen kann, indem wir sie weniger durch dauerndes Reden ermahnen und mit Appellen in ihre Ohren dringen, sondern wenn wir sie in ihre kindliche Begeisterung und Faszination bringen, denn dann kommt die Konzentration und Ruhe nahezu von allein. Statt zu viel und dauernd  „Nein“ und „Du sollst doch… “  zu sagen, kommen wir besser mit Kindern in ruhigeres Spiel oder Hantieren, wenn wir ihnen etwas erlauben, was sie ausgesprochen gerne tun, oder auch ihnen etwas zeigen, was deutlich anfängt, sie zu begeistern.
Beispiele und Anregungen? Man kann sie , bei gutem Wetter draußen, in erster Linie mit Wasser und mehreren kleineren Gefäßen auf jeder Terrasse, jedem Balkon, oder aber, wenn es wieder kühler wird, in der Küche an der Spüle läppern lassen. Man kann ihnen erlauben, mit allem Möglichem  Türme zu bauen, die man dann einstürzen lässt, den Spaß dabei zusammen genießt und man dem Kind erlaubt, immer wieder Neues zu bauen  und dadurch auszuprobieren, was alles übereinander gestapelt werden kann und ab wann die gestapelten Bauten dann doch kippen. Man kann kleine Höhlen bauen und dem Kind erlauben, dass es in seiner Höhle unterm Tisch mit jenen (nicht elektrischen) Küchenutensilien spielen darf, mit denen es gerade sowieso am liebsten hantiert. Man kann immer mal die unteren Küchenschränke leicht umräumen, so dass mal der eine untere Schrank und am nächsten Tag eine andere untere Schublade ausgeräumt werden darf, dabei ein Kind immer mal neue Kleinigkeiten findet, die es mit seinen Händen entdecken und faszinierend finden kann. Sprich: Man sucht gute Kompromisse, so dass man Erlebnisse ermöglicht, die ein Kind wirklich begeistern und in konzentriertes Hantieren verführen,  die aber doch nicht ständig unsere ganze Aufmerksamkeit brauchen, sondern uns Erwachsenen auch ermöglichen, bei  alledem etwas nebenbei zu tun.  Das Kind fängt mit Begeisterung und Hingabe an, bei etwas zu bleiben, zu spielen und wir tun unsere Dinge – ohne dauerndes Reden und Mahnen  entsteht mehr Ruhe, auf beiden Seiten.

Wenn es Sie häufig nervt und es Ihnen schwer fällt, sich in das Lebensgefühl und die Gedankenwelt jüngerer Kinder hinein zu versetzen – haben Sie Lust zu lesen? Bevor Sie weiter im Internet über Ihr Kind googeln, was mit ihm los sei, lesen Sie lieber Astrid Lindgrens „Die Kinder aus der Krachmacherstraße“ . Auf sehr lebensechte Weise wird hier ein Kleinkind mit der typischen Kleinkind-Logik, der typischen Art zu denken und der typischen kleinkindlichen Begeisterung und Faszination beschrieben: Lotta. Und herrlich realistisch, wie Lindgren immer erzählt, lassen sich die großen Geschwister manches einfallen, was Lotta beschäftigen könnte, damit sie  irgendwas zu tun hat und die Größeren in Ruhe spielen können, und es wird aus Sicht der Größeren beschrieben, was in Lotta alles vorgeht; genau wie im richtigen Leben ist Lottas Mama immer wieder deutlich genervt (zu der Zeit, als das Buch geschrieben wurde, war es meist Mama, die zu Hause war, aber stören Sie sich daran nicht, es ist bei diesen Geschichten ganz egal, ob Mama oder Papa zu Hause ist, es geht in den Erzählungen darum, wie Kinder erleben, denken, fühlen, spielen), und zwischendurch wird Mama richtig streng angesichts dessen, was Lotta täglich anstellt. Lesen Sie  – Sie werden viel Spaß haben und werden lebensnah und lebensecht, mit Schmunzeln spüren, wie Kinder, auch Ihre, in diesem Alter in der Welt sind.

Zu guter Letzt: JA, Sie brauchen genug  Zeit und Ruhe, um mit ausreichend guten Nerven durchzuhalten, was es täglich mit Ihren kleinen Kindern an Anstrengendem, aber ja auch Nettem, Anrührendem zu erleben gibt.
Daher:
Ihnen als Eltern steht  ausreichend Zeit mit Ihren Kindern zu, ebenfalls  ausreichend Einkommen, aureichend gute Bedingungen, jetzt und später, damit Sie als Familie nicht dauernd existentiell unter Anspannung und Stress stehen, denn das macht Erwachsene grundlegend nervös. Vertreten Sie sich politisch, damit Sie bessere Bedingungen bekommen, oder: lassen Sie sich vertreten. Ich füge Ihnen hier  noch die aktuelle Presse-Mitteilung des Deutschen  Familienverbandes zur jetzigen Rentendikussion an, denn JA – Sie als Eltern, die Sie im Moment die kleinen, aber später  erwachsenen Rentenzahler versorgen, Sie brauchen andere Rentenansprüche , als logische Folge für Ihre Versorgung der nächsten Generation –  denn es sind die Kinder heute, die später die Renten für alle finanzieren. Sie als Eltern sollten durch Ihre Fürsorge Rentenansprüche erhalten – damit Sie nicht zu früh zu stark in volle Erwerbsarbeit müssen, sondern die Arbeit mit und für Ihre Kinder mit besseren Nerven erleben, auch genießen können.
Bis zum nächsten Mal, herzlich
Ingrid Löbner

Druckfrisch: die Presse-Mitteilung des Deutschen Familienverbandes zur aktuellen Renten-Diskussion:

DFV-PM] Mütterrente: Ein halber und sehr kleiner Schritt
(Berlin). Beim Spitzentreffen im Kanzleramt wurde beschlossen, dass Mütter und Väter, deren Kinder vor 1992 geboren worden sind, zusätzlich einen halben Rentenpunkt pro Kind erhalten.

„Familien sind die eigentlichen Leistungsträger im Rentensystem und werden dafür im Alter arm gemacht. Die Einigung im Mütterrentenstreit ist bestenfalls ein halber und sehr kleiner Schritt auf dem Weg zu dringend notwendigen sechs Jahren Erziehungszeiten pro Kind für alle Eltern“, sagt Sebastian Heimann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes.
„Wer Kinder hat, erlebt nicht nur Lebensglück, sondern sichert mit deren Erziehung und Betreuung den Fortbestand des gesamten sozialen Sicherungssystems. Anders gesagt: Wer Kinder erzieht, sichert Zukunft. Das muss sich endlich auch in der Rente von allen Eltern widerspiegeln“, so Heimann.
Bis heute beklagt der Deutsche Familienverband (DFV) gravierende rentenrechtliche Gerechtigkeitslücken gegenüber Eltern. Eine nachhaltig familien- und leistungsorientierte Rentenreform setzt voraus, dass die Leistung Kindererziehung zu gleichwertigen Rentenansprüchen führt wie die Zahlung von Geldbeiträgen. Die Finanzierung der Rentenreform darf auch nicht in den steuerfinanzierten Familienleistungsausgleich ausgelagert werden, sondern muss innerhalb des Rentensystems erfolgen.
Dafür hat das Bundesverfassungsgericht bereits 1992 im vom DFV erstrittenen Trümmerfrauenurteil den Weg vorgezeichnet. Die maßvolle Umverteilung von Rentenansprüchen hin zu Familien mit Kindern ist mit dem Eigentumsschutz der Verfassung vereinbar – und notwendig.
Gegenwärtig stehen der Deutsche Familienverband und der Familienbund der Katholiken mit mehreren Verfassungsbeschwerden vor den Karlsruher Richtern und fordern eine Beitragsentlastung für Familien in der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung: www.elternklagen.de

Der Deutsche Familienverband ist die größte parteiunabhängige, überkonfessionelle und mitgliedergetragene Interessenvertretung der Familien in Deutschland.

Deutscher Familienverband e.V. • Bundesgeschäftsstelle • Herausgeber: Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann
Seelingstr. 58 • 14059 Berlin • Tel: 030 – 30 88 29 60
presse@deutscher-familienverband.de

 

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Ist „Bullerbü“ nur eine schön erdachte Geschichte für Kinder?

Liebe Eltern,
nachdem mich der Arbeits-Alltag wieder hat, geht es mir wie Ihnen allen: meine Gedanken wandern zu meinen Ferien-Erlebnissen.
Wie ich hier beschrieb, besuchte ich das Land und den Ort, wo Astrid Lindgren und ihre Geschwister aufwuchsen, erlebte die wilde Natur Schwedens und das bäuerliche Gehöft von Lindgrens Eltern. Es war schön dort und doch war Lindgrens Heimat einst ein Gehöft, das aussah, wie viele bäuerliche Anwesen zu jener Zeit aussahen. Etwas Besonderes wurde der Ort nur, weil wir heute wissen, dass dort Kinder auf intensive Weise spielen konnten, so intensiv, dass die Erzählungen darüber Kinder (und Erwachsene) weltweit erreichen, sie berühren und in Kindern eine  Sehnsucht nach „Mehr von uns Kindern aus Bullerbü“ auslösen. Sind solche Sehnsüchte einfach nur Träume, von denen man sich verabschieden sollte, weil sie unrealistisch waren oder eben heute einfach vorbei sind ?

Es gibt Fachleute, die energisch dafür eintreten, dass wir den heutigen Kindern schnell in die Nüchternheit der heutigen Welt hinein helfen und wir ihnen kein Futter für ihre Kinder-Sehnsüchte nach Bullerbü geben sollten. Bullerbü habe es nie gegeben und Kinder müssten, je schneller umso besser, sich mit den ganz realen Gegebenheiten der Welt im Hier und Jetzt zurecht finden.
Ich widerspreche. Warum?
Bullerbü hat es gegeben, und die Sehnsucht von Kindern, so spielen zu dürfen wie die Kinder von Bullerbü ist berechtigt, denn ausgiebiges Spiel, möglichst unter befreundeten Kindern, hilft wie eh und je, also auch den heutigen Kindern enorm, psychisch und körperlich gesund zu bleiben.
Wie ich schon beschrieb: Lindgren wiederholte oft, dass ihre Erzählungen über die Kinder von Bullerbü (und nicht nur diese, sondern viele ihrer Erzählungen) sich aus ihren realen Erinnerungen nährten, wie sie als Kinder unter Erwachsenen spielen durften. In der Familie Ericsson-Lindgren heißt das kleine, rote Haus, in dem Astrid und ihre Geschwister aufwuchsen bis heute „Bullerbü“. Hier hat sich viel von Lindgrens Erzählungen tatsächlich abgespielt, hier nahm es seinen Anfang. Bullerbü war keinesfalls nur ein schön ausgedachter Traum, sondern war von jeher ein Erzählen von etwas, was für Kinder Wirklichkeit war.
Dass „Bullerbü“ wichtige Sehnsüchte und Bedürfnisse von Kindern beschreibt, bestätigt die Tatsache, dass Kinder weltweit und bis heute sich danach sehnen, so oder ähnlich spielen zu dürfen: Als Kind unter Kindern, zu denen man sich zugehörig fühlt; Tag um Tag ein „Spielen mit Fortsetzung“, mit sich weiter spinnenden Spiel-Ideen, unter Kindern frei, frei von der dauernden Aufsicht durch Erwachsene; und doch braucht es auch sie,  denn natürlich sind Erwachsene  -auch in Bullerbü-  wichtig als jene, die für Kinder sorgen („Wir fragten Mama ..“), die sich einmischen, die Kinderspiele beobachten und kommentieren (Eltern, aber auch Großeltern, der Großvater aus Bullerbü), für die man Dinge erledigen muss (Mithelfen in Haus und Hof), und mit denen man Schönes erleben kann (z.B. das jährliche Krebse-Fangen – etwas, das bis heute in den Familien Schwedens im Sommer zelebriert wird). Da Kinder sich so danach sehnen, ist berechtigt, es ernst zu nehmen, denn in Sehnsüchten drücken sich wichtige Bedürfnisse aus, was Menschen als junge Menschen brauchen, um sich ausgeglichen entwickeln zu können. Immer wieder werde ich Sie bestärken,  Kinder – Sehnsüchte als bleibend wichtig anzusehen und werde behilflich sein, was und wie wir davon vieles in unserer jetzigen Zeit für Kinder umsetzen können, denn viel mehr ist „machbar“ – natürlich nicht mehr auf den bäuerlichen Gehöften jener Zeit, aber durchaus in unseren aktuellen Lebenswelten.

Warum ich  so überzeugt bin? Fast täglich höre ich von Eltern, wenn sie mit ihren Kindern zu beratenden Gesprächen kommen, den Satz: „Hier endlich, bei Ihnen spielt dieses Kind; zu Hause spielt es so nicht, nervt es nur.“ Jedes Mal beobachte ich – und teile mit den Eltern diese Beobachtung gerne – dass Kinder dann konzentriert ins Spiel finden, wenn wir zu Beginn von etwas, was wir Erwachsenen vorhaben (hier: ins Gespräch finden),  zuallererst dem Bedürfnis eines Kindes, sich ins Spielen vertiefen zu dürfen, Raum geben. Man kann überall beobachten, dass Kinder konzentriert und ruhig verträumt werden (also in gewisser Weise ein Stück „Bullerbü“ plötzlich in ihnen entsteht), wenn wir zuerst der Frage nachgehen: „Was und womit würdest Du gerne hier spielen?“ Wenn wir diese Frage immer zuerst stellen und einem anwesenden Kind behilflich sind (besonders auch dann, wenn es alleine ist, es Zeit unter Erwachsenen, ohne andere Kinder aushalten soll), in Spiel-Ideen hinein zu finden, dann wird meiner Erfahrung nach jedes Kind ausgeglichen, ist in seinem Verhalten für Erwachsene nicht mehr nörgelnd anstrengend.
Oft sind es Kleinigkeiten, die ein Kind dazu braucht, aber wenn man fragt, worauf es Lust hat („Sollen wir Autos hervor holen? Oder Tiere? Willst Du die Puppe haben?“), bekommt man immer eine Antwort;  man ist behilflich, die Dinge herbei zu holen, äußert vielleicht noch eine erste Idee („Magst Du die Tiere füttern?“ „Brauchst Du noch etwas, um eine Straße zu bauen für die Autos?“ „Sollen wir schauen, wo die Puppen schlafen könnten?“) – und schon verschwindet das Kind in seine Phantasie.
Ich bin sicher, dass die Anerkennung des Bedürfnisses, dass ein Kind ein Kind sein und damit spielen, spielen, spielen will,  es ist, was wir überall einfach umsetzen können.  Helfen Sie sich und Ihrem Kind also zuallererst mit genau dieser Frage: „Was könntest Du hier spielen?“ Sie werden erleben, dass Ruhe und Konzentration sich ausbreiten und Sie infolge alles tun können, was Sie vorhaben.
Nicht nur dies, aber zentral diese Tatsache hat Lindgren für die Kinder weltweit erkannt und in ihren Erzählungen liebevoll beschrieben, wie sehr intensives Spielen für Kinder nährend ist.
Vielleicht fallen Ihnen viele Ihrer Spiel-Erinnerungen wieder ein, was Sie als Kind am liebsten taten? Sie gelten bis heute.
Mehr wieder beim nächsten Mal,
bis dahin herzlichst
Ingrid Löbner

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Auf den Spuren von Pippi, Michel & Co.

Liebe Eltern,
dieses Jahr folgte ich einer Einladung von Freunden, sie einmal in ihrem Haus in Schweden, in Smaland zu besuchen.
Ich habe diese Einladung mit Freude angenommen und wir hatten zusammen eine wunderschöne Zeit.
Seit vielen Jahren war ich nicht mehr in Schweden und war ganz neu begeistert, wie überbordend reich an Wasser und Pflanzen die Landschaft Südschwedens ist, nicht zu vergessen die vielen großen Steine der letzten Eiszeit, die überall, wie von Riesen hingeworfen, in der Landschaft liegen. Angesichts dieser Verwunschenheit konnte ich sofort wieder nachempfinden, wie viele Sagen und Märchen die Menschen hier spüren und sich seit Jahrhunderten erzählen, die sich den Werken von  Schwedens weltberühmten Autorinnen etwa  Selma Lagerlöf und natürlich allen voran Astrid Lindgren wiederfinden. 

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Ich hatte die Gelegenheit, Astrids Lindgrens Elternhaus Näs, nahe der Stadt Vimmerby liegend, zu besuchen; und nicht nur Näs, sondern ebenfalls die keinesfalls spektakuläre Kleinstadt Vimmerby, die jedoch weltberühmt wurde, weil Astrid Lindgren ihren Meisterdetektiv Kalle Blomquist hier durch die Gassen streifen und seine wichtigen Beobachtungen anstellen ließ.
Es erfüllt einen mit Kribbeln und Spannung, wenn man sich genau auf jenen Wegen bewegt, über die Astrid Lingrens Füße als Kind ebenfalls gingen, und mir fielen beim Umhergehen  all ihre Geschichten ein, die sie als Schriftstellerin dazu niederschrieb und zu denen sie in Interviews  immer wieder sagte, dass alle ihre Erzählungen sich stark aus ihren realen Erfahrungen als Kind speisen.

Von Lindgren lernen, von Berlin bis Bullerbü

Sie hat, wie sie selbst sagte, oft und viel darüber nachgedacht, was ihre Kindheit auszeichnete und warum sie ihr Kindsein so genießen konnte. Und sie kam beim Nachdenken zu dem Schluss,  dass ihre Kindheit wesentlich von zwei Phänomenen geprägt war: Als Kind erlebten sie und  ihre Geschwister reichlich Geborgenheit durch ihre liebevollen Eltern (und durch die meist kinderlieben Knechte und Mägde, die mit auf dem Hof arbeiteten); dazu große Freiheit, nämlich viel, ausgedehnt und überall als Kinder spielen zu dürfen.

IMG_6135Überall – in den Scheunen und auf dem ganzen Gelände des Bauernhofes, in den umliegenden Wiesen und Wäldern, an den Bachläufen und Seen, und, und, und …. So vieles gibt es hier anzuschauen (und im beiliegenden Museum wird vieles dazu erklärt), was man aus den Büchern kennt: Die weißen Hühner, die Astrid Lindgrens Mutter besonders mochte und immer weiter züchtete, deren Hühner-Vorfahren in den Michel- Geschichten an selbigen Kirschen pickten, die Michel doch vergraben sollte, weil sie alkoholisch vergoren waren! Im Tischler-Schuppen kann man sitzen, der Astrid Lindgren die Inspiration gab, dass er Rückzugs-Ort von Michel wurde, wenn es allzu heiß um ihn und seine Einfälle herging; und man kann nachlesen oder durch Autoguide erzählt bekommen, dass viele Michel-Erlebnisse einen realen Hintergrund hatten in den Erzählungen von Astrids Vater, der – wie Michel – als kleiner Junge auf einem smaländischen Bauernhof groß wurde und ganz wie Michel dabei viel erlebt hatte.

Geborgenheit und Freiheit ist, was Kinder brauchen

Die Familie  Lindgren lädt die Besucher herzlichst und mit überaus freundlichen Worten ein, den Aufenthalt in Näs zu genießen, es den Kindern von damals gleich zu tun und reichlich zu spielen, zu balancieren und mit den Füßen im Bach zu plantschen. Lesen Sie selbst … Und, kaum zu glauben: Man kann Pippi Langstrumpfs Limonandenbaum bestaunen! Nein, hineinklettern kann man als Besucher nicht mehr, aber die Familie Ericsson-Lindgren trifft sich in Näs manchmal zu Familienfesten und dann finden die heutigen Kinder der Familie doch tatsächlich das eine oder andere Mal Süßes im Baum! Es gibt diesen Baum mit seinen Wundern also ganz und gar wirklich.
IMG_6105 KopieDas ist es, was einen beim Besuch von Näs so berührt: Das Liebevolle der Familie ist bis heute, in der Art, wie sie mit ihren vielen (Museums-) Gästen umgehen, immer weiter zu spüren. Ebenfalls die Freiheit, zu spielen und den Tag in Näs zwischen Scheunen, Bäumen, Gärten, auf allen Wegen zu genießen und das zu tun, was einem einfällt und gefällt. Denn eines wird klar: In der Alltäglichkeit, die die Gebäude und Wege haben,  spürt man beim Umhergehen nur zu gut, dass all das heute Bestaunte in der Zeit der Ericsson-Kinder ein ganz normaler, typischer Bauernhof in Smaland war. Noch dazu ist das Gelände heute umgeben von unserer Welt: Häuser und Wohnblöcke unserer Zeit. Und es wird einem beim Umhergehen klar, dass es tatsächlich und wirklich diese zwei „Dinge“ sind, die Kinder immer weiter brauchen, damit sie eine reiche und beseelte Kindheit erleben können, damit sie auch als Erwachsene in ihren Gefühlen reiche, beseelte und liebevolle Menschen bleiben können: Ausreichend viel Geborgenheit und dazu Freiheit, um echte Erfahrungen im wirklichen Leben zu machen und um spielen,  spielen, spielen zu können. Damit Sie nicht glauben, das sei nur auf einem großen Hofgelände möglich? Keinesfalls! Ich durfte das Wohnhaus von Astrids Eltern von innen besichtigen und hörte die Person, die uns die wenigen  und eher kleinen Räume zeigte, Folgendes erzählen:  Im, mit sehr schönen Möbeln eingerichteten Schlafzimmer der Familie (in dem übrigens ganz selbstverständlich die Kinder als jüngere Kinder mit in den Betten der Eltern schliefen!) durften Astrid und ihre Geschister, wann immer es ihnen einfiel (und wie Sie sich denken können, fiel es fiel den Kindern täglich ein), das Spiel  „Nicht den Boden berühren“ spielen. Sie finden es in den Lindgren-Büchern wieder! Das bedeutet, dass Astrid und ihre Geschwister auf sämtlichen, wirklich guten Möbeln täglich reichlich herumkletterten; ebenfalls in der (nicht großen) Küche reichlich umhersprangen und durch die, die Räume verbindenden Türen, viele Male das eher wilde Spiel „Kickse-Kickse-Huhh“ spielten – auch dieses Spiel kennen Sie aus den Lindgren-Büchern.

IMG_6137Lassen Sie Ihre Kinder ihre Welt entdecken und Räubertöchter und Lausejungen sein

Also: werden Sie großzügig und lassen Sie sich anstecken und geben Sie Ihren Kindern Liebe, dazu die Freiheit, draußen und drinnen Erfahrungen zu machen und zu spielen, dort, wo das Leben spielt und wo die Phantasie Ihrer Kinder sich ihre Nischen sucht.
Halten Sie sich getrost an Astrid Lindgren, die im Museum sinngemäß mit dem Worten zu hören ist: „Wenn man Kindern die Möglichkeit zu spielen nimmt, nimmt man ihnen die Lust zu leben.“
Wer weiß, was Ihr Kind eines Tages für sich und Andere an Wohltuendem aus seinen beseelten Erfahrungen als Kind jetzt  später als erwachsene Person  in unsere Welt trägt! Auf Menschen, die Liebe, Geborgenheit und Freiheit reichlich um sich her verströmen, wird unsere Welt immer weiter angewiesen sein .
Genießen Sie, wo immer möglich, neben all Ihrer notwendigen Arbeit auch Zeit fürs Verweilen, fürs Spiel und fürs Erzählen. Ich ließ mich in den vergangenen Tagen wohltuend von den Schweden im Allgemeinen anstecken – man erlebt sie im Alltag weniger hektisch und weniger getrieben.
Alle Bilder, die Sie hier sehen, sind Aufnahmen aus Vimmerby und Näs: die Einladung der Familie an die Besucher, den Limonadenbaum, die Schaukeln da und dort und nicht zuletzt: Balance-Akte, natürlich über ein Brennnessel-Beet – denn etwas Gefahr gehört bei Lindgren zum Glück bei allen Erlebnissen auch immer dazu… 😉
Bis zum nächsten Mal, herzlich
Ihre Ingrid Löbner

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SOMMER – warum Sie ihn mit Kindern durch und durch genießen sollten …

Liebe Eltern,
Sie haben gemerkt, dass auch ich vor lauter Sommer und sonnigen Gefühlen kaum Zeit finde, am PC zu sitzen, um hier neue Beiträge zu schreiben. Eigentlich ist es gut so, aber bevor ich in meine Sommerzeit verschwinde, will ich Ihnen noch ein kleine Nachricht hier hinterlassen. Genießen Sie den Sommer mit Ihren Kindern so intensiv wie  nur irgend möglich. Was Sie brauchen? Fast nichts! Für die kleineren Kinder reicht eine Schüssel mit Wasser, womit sie spielen dürfen; dazu geben Sie einige kleine Gefäße und Ihr Kleinkind plantscht mit den wenigen Litern Wasser draußen für wirklich sehr lange Zeit sehr versonnen (da ist das Wort Sonne gleich mit drin!) vor sich hin. 

Kinder brauchen nicht viel fürs perfekte Sommergefühl

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Für etwas größere Kinder haben Sie vielleicht eine kleine Wanne Wasser, die Sie in einem Winkel des Balkons, der Terasse oder des Gartens (wenn sie zu den Glücklichen gehören, die einen Garten haben) aufstellen können. Kinder lieben es, mit Ruhe und Muße  und einer kleinen Menge Wasser, dann meist mit ewigem Schütten von einem Gefäß ins andere versonnen vor sich  hin zu spielen. Wenn man sie nur lässt, nicht stört, und man ihnen die wenigen Utensilien dafür zur Verfügung stellt.
Wenn Sie können und die Kinder aus dem noch ganz zarten Kleinkindalter raus sind, Sie dazu in einer Gegend wohnen, in der es sich ohne riesigen zeitlichen Aufwand einrichten lässt: Gehen Sie mit Kindern raus auf Wiesen und an Bachläufe, denn dort stundenlang zu spielen ist noch viel aufregender als nur auf Terasse oder im Garten, kommt doch draußen Sand und Schlamm hinzu, außerdem das eine oder andere kleine Getier im Bach, und schon gibt es eine Menge zu erleben, zu beobachten und natürlich noch viel mehr zu matscheln. Erinnern Sie sich, wie wir das alle als Kinder sehr geliebt haben? Draußen zu sein, Lebewesen zu beobachten, mit Wasser, Sand und Schlamm zu spielen? Staudämme zu bauen, Rinnsale zu beobachten, dieses und jenes schwimmen zu lassen und bei alledem versonnen jegliche Zeit zu vergessen?
Gönnen Sie auch heutigen Kindern diesen Genuss, es sind Sinneseindrücke und sommerliche Wonnegefühle, die unter die Haut gehen und an die man sich ein Leben lang erinnert.

Ruhe, Zeit und Spiel machen Kinder rundum glücklich und gesund

Wie wir heute wissen, sind es die Erlebnisse, die UNTER die Haut gehen, die im kindlichen Gehirn unendlich viele Nervenbahnen bilden und damit das Gehirn des Kindes plastisch und fürs ganze Leben bleibend klug machen; einfach so, indem man versonnen spielen darf als Kind, in der Natur, unter offenem Himmel.
So einfach kann das Leben mit Kindern sein – und Sie finden Zeit (mit einem kleinen beobachtenden Auge auf die Kinder, die Sie im Schlepptau haben), um etwas zu lesen, mit Freunden zu babbeln oder auch nur in die sommerliche Gegend zu träumen. Bei interessanter Umgebung spielen Kinder stundenlang vor sich hin und brauchen uns Erwachsene kaum, lediglich als „versorgende Station“, als Hort der Sicherheit, sollten irgendwelche Gefahren drohen oder Hunger und Durst sich melden.
Was Sie brauchen ist etwas weniger Arbeit und etwas mehr Zeit – versuchen Sie, sich die zu nehmen.
So oft fällt mir auf, dass Kinder Zeit und Muße genießen, die man ihnen schenkt, weil es ihnen das wichtige Lebens-Gefühl gibt, dass sie ihren Eltern wichtig sind (natürlich gibt es zwischendurch auch andere Erwachsenen, die sich um die Kinder kümmern können). Das Gefühl, dass die eigenen Eltern oft genug da sind, stärkt die Beziehung zwischen Eltern und Kindern und ist eine wichtige Basis, damit die Nerven aller genug Kraft haben, der Umgangston miteinander infolge ruhiger und weniger gestresst, weniger angespannt ist. Versuchen Sie unbedingt, dass einer/eine von Ihnen beiden als Eltern oft genug ruhige Zeit mit den Kindern verbringt (was nicht meint, dass man dann dauernd mit den Kindern spielen sollte; nein, vielmehr ist gemeint, dass man selbst zu etwas Ruhigem, auch ruhiger Arbeit,  neben den spielenden Kindern her, kommt); ausreichend gemeinsame, ruhige Zeit stärkt die gute Laune aller und damit auch die gute Beziehung zueinander. Immer nur in Eile zu sein tut niemandem gut , aber strapaziert die Nervenkraft aller Familienmitglieder und mac ht den Umgangston gereizter.

Sommer – Zeit für Familie und VerSONNEnheit 🙂

Der Sommer macht es uns leicht, Versonnenheit zuzulassen – nehmen Sie die sommerliche Einladung an und gönnen Sie sich und den Kindern Mußestunden, am besten so oft wie möglich auch noch draußen. Die Zeit mit jüngeren Kindern ist schneller vorbei als Sie denken – Arbeiten können Sie noch viele Jahre; sich Zeit einrichten für versonnene Stunden mit den jüngeren Kindern können Sie nur jetzt; schneller als Sie meinen gehen die ersten Jahre vorüber und Ihre Kinder machen sich ohne Sie auf ihren Weg …

Sommerliche Freude wünsche ich Ihnen, tanken Sie Sonne und Lebensvergnügen auf und haben Sie es schön.
Ich verschwinde jetzt ebenfalls,  für einige Zeit nach draußen, in meine Ferien,
und grüße Sie herzlich, bis zum nächsten Mal hier
Ingrid Löbner

Allgemein

Ständige Unruhe – was nun? (2)

Liebe Eltern,
wie versprochen, schreibe ich hier in nächster Zeit immer wieder zum Thema der häufigen Unruhe jüngerer Kinder (bis zum Schulalter).
Wie in meinem letzten Beitrag angesprochen ist unser durchgetaktetes Leben, das sich für uns Erwachsene nach ständigen Zeitplänen richtet für jüngere Kinder meistens zu anstrengend. Kinder träumen sich mehr in die Welt als dass sie über die Art unserer erwachsenen Gedanken und gedanklichen Strukturierung schon mitleben können. Wie die Neurobiologie uns zeigen kann (Sie können Entsprechendes bei Gerald Hüther oder Manfred Spitzer nachlesen), brauchen Kinder diese Zustände des verspielten Träumens, der „tagträumenden Trance“, weil sich auf diese Weise starke, klare Nervenbahnen in ihrem Gehirn bilden können. (Wir alle brauchen solche Momente der Trance: wenn man nach konzentrierter Arbeit das Bedürfnis hat, gedanklich ganz abzuschalten, erstmal den „Kopf wieder frei bekommen will“, man nach Zuständen sucht, in denen man nichts aktiv denkt und die Seele baumeln lässt). Kinder sind auf Langsamkeit und Trödeln also angewiesen.

Man wusste das bis in die 1970-, 1980er Jahre hinein besser als heute und die Erwachsenenwelt nahm darauf mehr Rücksicht – Kinder durften auch noch als Schulanafänger überall später anfangen, weil man der Tatsache Rechnung trug, dass sie bei allem noch langsam sind und sich noch nicht gut nach unseren erwachsenen Uhren und oft sehr schnellen Zeitplänen richten können. Wenn Sie als Eltern beide arbeiten, versuchen Sie es so einzurichten, dass einer von Ihnen morgens langsamer machen kann, erst später losgehen  muss. Wenn Sie Ihren Kindern noch eine Freude machen wollen, arbeiten Sie beide nicht zu viel, damit ein Elternteil, oder Sie beide abwechselnd, viel trödelnd zu Hause sein können – Kinder lieben das. Wenn  Sie heutige Erwachsene fragen – ich tue das bei Fortbildungen und als Dozentin in jedem Kurs, also ständig und ganz regelmäßig – geben mir alle ständig dieselbe Antwort: Sie verbinden es mit wohltuenden Erinnerungen, wenn ein Elternteil viel Zeit fürs Dasein mit den Kindern zu Hause hatte, wenn einfach jemand „da“ war für das Kind/die Kinder.

Ja, ich höre und kenne Ihren Einwand: Sie müssen arbeiten. Ich weiß nur zu gut um die Probleme und den Druck unter dem junge Familien heute stehen und setze mich in meiner täglichen Arbeit und hier dafür ein, dass sich daran etwas ändert – Familien brauchen noch mehr Unterstützung und mehr Flexibilität für alle und mehr Ruhe für unsere Kinder. Zur wirtschaftlichen Problematik des Familieneinkommens lesen Sie hier meine früheren Beiträge, infolge dann ganz besonders das Buch von Jürgen Borchert  -Vorsitzender Richter a.D. des Sozialgerichts Hessen -: „Sozialstaatsdämmerung“. Borchert gibt in diesem Buch durch Fakten zur Familienpolitik Ihrem Gefühl recht: Als Familie würden Ihnen dringend steuerliche Entlastungen zustehen.

Mehr Unterstützung, mehr Flexibilität und mehr Geld für Familien

Familien brauchen mehr Geld und bezahlen zu viele Steuern und Abgaben. Das Buch liest sich sehr gut, machen Sie sich kundig, organisieren Sie sich in Familienverbänden und wehren Sie sich gemeinsam, gehen Sie öffentlich auf die Barrikaden! Gemeinsam sind Sie stärker als als eine Familie alleine.
Halten Sie zeitliche Anforderungen für jüngere Kinder immer etwas weicher, flexibler, denn das nimmt viel Stress und Streit heraus im Leben mit jüngeren Kindern. Sagen Sie nicht: „In fünf Minuten hast Du Dich angezogen, alle Spielsachen aufgeräumt  usw. ….“
Fangen Sie weicher an, sagen Sie eher: „Bald gibt es Frühstück (Mittag/Abendessen …), so langsam denk dran, dass Du Dich anziehen wolltest -morgens- oder -abends-, dass Du Deine Puppen ins Bett bringen wolltest / die Tiere, mit denen Du spielst noch gefüttert werden müsssen und in den Stall sollten/ Deine Autos langsam in die Garage unter Deinem Bett gefahren werden sollten“ – und gehen Sie davon aus, dass ein Kind nur langsam aufhört sich auszutrödeln, dass Sie natürlich noch ein-, zweimal an diese Dinge erinnern, bis es dann langsam klappt. Und beim Anziehen morgens oder beim trödelnden, verträumten Essenstempo abends – helfen Sie einfach immer wieder mit.

Kinder in Ihrer Langseimkeit annehmen und unterstützen

Es st nicht übertrieben, jüngeren Kindern in ihrer Langsamkeit zu helfen, ihnen mit „sanften“ Zeitvorschlägen immer wieder entgegen zu kommen. Das kommt ihrer Träumerei entgegen (die sie um ihrer kindlichen Hirn-Entwicklung wirklich brauchen) und es entzerrt unser ewiges, für alle nervaufreibendes Antreiben.
Wenn Sie eher schnell leben müssen, weil Ihr Beruf das erfordert – vielleicht können Sie sich mit ein, zwei anderen Familien, die auch jüngere Kinder haben, zusammen tun und können immer wieder sich gegenseitig so die Kinder abnehmen und sich dadurch gegenseitig zeitlich aushelfen. So, dass ein Elternteil mehr Zeit einräumt und dafür die Kinder aller Familien in zeitlichen Engpässen übernimmt. Dann müssen die (meisten) Erwachsenen schnell los, aber die Kinder dürfen bei einem der Erwachsenen noch langsam machen. Gemeinsam, als mehrere Familien die Kinder zu versorgen, das macht sowieso sehr viel mehr Freude und Spaß, als es als Kleinfamilie alles alleine zu stemmen.
Gemeinsam sind wir immer besser und stärker – und alle haben mehr Begegnungen,mehr Witz und Spaß im alltäglichen Leben. Und meistens entstehen aus solchen gemeinsamen Anforderungen tief verlässliche Freundschaften – für die Erwachsenen, für die Kinder, davon profitieren Sie ein Leben lang. Viel Freude gemeinsam, langsam, das
wünsche ich Ihnen.
Bis zum nächsten Mal, herzlich
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Ständige Unruhe – was nun?

Liebe Eltern,
ein dauerndes Thema, wozu ich häufig befragt werde ist, wenn Kinder einen nervös machen, weil sie chronisch unruhig sind.
Viele Kinder werden zappelig und unruhig, weil sie im Moment überfordert sind – oftmals, weil sie eigentlich eine Runde schlafen sollten, aber nicht leicht in den Schlaf fallen. Aber oftmals auch, weil sie in kurzen oder längeren Momenten in unseren Tagesabläufen überfordert sind. Bei Überforderung gehen Kinder sehr schnell in die Unruhe – es ist ihre kindliche Art, auf  ein „Zu Viel“ zu antworten. 

Kind weint und hält sich am Bein der Mutter fest schreitWeniger machen, mehr Trödeln

Was hilft? Zuallererst: Spielen, spielen, spielen. Außerdem: Viel Zeit am Tag für das Kind einräumen, um zu trödeln und tagzuträumen.
Kinder sind verträumt in der Welt. Unsere vollen Tage lassen hierfür für ein Kind aber sehr oft zu wenig Zeit. Durch die hohen und oftmals auch wenig familienfreundlichen Anforderungen der heutigen Arbeitswelt, sind Erwachsene viel im zeitlichen Stress; ständig müssen wir los oder noch da oder dort hin. Wenn Kinder angetrieben werden müssen, widerspricht das ihrer kindlichen Natur, ihrer kindlichen Langsamkeit. Kinder können nicht so sich durch die Tagesabläufe beeilen, wie wir das können. Das lässt sich nicht ändern.
Am besten wäre, man müsste mit kleineren Kindern wenig irgendwo hin, und am allerbesten, sie müssten wenig nach unseren erwachsenen Zeitplänen leben – denn genau das können jüngere Kinder einfach noch schlecht.
Was alles hilft, um  die Tage zu entschleunigen, auch dazu hier immer wieder noch mehr. Aber was man immer versuchen kann und sollte: Kindern so oft und so reichlich wie nur irgend möglich Gelegenheit zu ausgedehntem Spiel zu geben.

Großer Spass mit kleinen Ideen

Aber wie kann das gelingen, gerade bei vollen und durchgetakteten Tagen? Ein erstes Beispiel heute (weitere Beispiele folgen in den nächsten Wochen in weiteren Artikeln):
Wenn ein Klein-oder Kindergartenkind nervös und zappelig ist, dann kann man es meist schon  zum Spielen „verführen“, indem man es ein wenig in der Küche an der Spüle, oder im Bad am Waschbecken mit Wasser spielen lässt. Wasser hat auf Kinder magische Anziehungskraft. Vielleicht haben Sie im Sommer auch einen Balkon oder eine Terasse, der/die sich eignen, dass ein Kind dort, außerhalb der Wohnung etwas mit diversen Gefäßen und Wasser spielen kann. Das Hin-und Herschütten von Flüssigkeiten macht Kindern Freude und beruhigt sie. Da Kinder auf das Spiel mit Wasser sehr aus sind, sind sie auch mit zugehörigen Absprachen hoch kooperativ. Sobald Kinder etwas, was sie begeistert, wirklich tun dürfen, dann halten sie zugehörige Regeln auch meistens sehr gut ein. Man kann ausmachen, wo das Wasser hinkommen darf (in die Gefäße und in die zur Verfügung stehenden Becken – aber nicht auf den Boden ….) und wohin es nicht geschüttet und gegossen werden darf.  Sie werden beobachten, dass Ihr Kind sich an Ihre Vorgaben hält, dann, wenn sein Mithelfen beim Einhalten dieser Regelungen die Voraussetzung ist, dass es richtig lange mit Wasser spielen darf. Langes, verweilendes Spielen mit etwas, was ein Kind fasziniert, hat immer wohltuende, beruhigende Wirkung.

Gerne beschreibe ich Ihnen hier immer wieder, welche kleinen Momente im Alltag  auch noch behilflich sein können, dass Ihr Kind in jedem Alter in beruhigendes Spielen finden.
Für heute dies als erste kleine Anregung – und ein „Tschüß“ bis zum nächsten Mal

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Wie lange darf der Schnuller ein Kind trösten?

Liebe Eltern,
immer wieder stellen Eltern sich (und mir) diese Frage:
Soll man den Schnuller möglichst früh abgewöhnen, oder: Wie lange darf ein Kind denn nach seinem Schnulli verlangen?

Das viele Saugen hilft kleinen Kindern, sich zu beruhigen. Wenn sie noch klein sind und gestillt werden, spricht überhaupt nichts dagegen, das Wort „Stillen“ in seiner doppelten Bedeutung wirklich ernst zu nehmen: Also nicht nur bei Hunger, sondern generell bei Weinen oder Unruhe als Mama das Kind an die Brust zu nehmen und bei sich saugen zu lassen. So bekommt ein Kind alles, was es braucht: Geborgenheit, Nähe, Wärme, Mama`s Zuwendung. Beim Stillen darf es diesem zentralen Bedürfnis umfassend auf allen Ebenen nachgeben, nämlich seiner Mama nahe zu sein und an ihr zu saugen.
Manche Babys lassen sich das auch nicht nehmen und lassen sich mit nichts anderem beruhigen, sondern bestehen drauf, nur bei ihrer Mutter zu saugen – sie nehmen also keinen Ersatz, keinen Schnuller.Oft aber sind es die Mütter, die sagen: Ganz so viel Saugen wird mir etwas zu viel, immer wieder muss mein Kind sich zwischendurch mit Ersatz begnügen – und sie geben ihrem Baby einen Schnulli.

Baby fährt in den UrlaubSeien Sie pragmatisch!

Pragmatisch, wie das Leben immer wieder bewältigt werden muss, gerade in der Zeit mit kleinen Kindern, machen wir  hier keine Grundsatz-Diskussion draus, sondern nehmen wir es so, wie Eltern oder Kind es entschieden haben: Die einen Kinder wollen ausschließlich gestillt werden, andere nehmen auch und auch gerne zwischendurch einen Schnuller. Aber, was dabei deutlich wird: Neben dem Bedürfnis eines Babys viel saugen zu dürfen, geht es auch um das Bedürfnis nach Geborgenheit, Nähe, Wärme, Trost.
Und hierin liegt die Antwort auf diese Frage, ob und wie lange das Kind einen Schnuller haben darf.
Wenn ein Kind das Säuglingsalter hinter sich hat, aber immer noch ein Kleinkind ist, kann man sagen: Das Bedürfnis, viel zu saugen ist noch nicht wirklich vorbei. Das Bedürfnis nach Nähe und Trost in kritischen Momenten genauso wenig, das wissen wir intuitiv.
Was macht ein Kleinkind also in kritischen Situationen, wenn es müde wird, wenn es sich weh getan hat, wenn es aus anderen kritischen Momenten heraus Trost braucht? Es will „gestillt“ werden, sprich: Wenn es an den Schnuller gewöhnt ist, dann schreit es in diesen Situationen nach ihm, es will saugen und will sich durchs Saugen beruhigen; meistens (nicht immer) will es auch auf den Arm und will Nähe und Trost durch einen vertrauten, geliebten Erwachsenen. Wenn das gerade nicht möglich ist, dann will es zumindest den Schnulli. Am verträumten Blick des Kindes sehen wir, wie es sich durchs Saugen innerlich beruhigt, sich auch etwas in sich zurück zieht.
Der Schnuller ist das Hilfsmittel, um sich zu beruhigen, um in kritischen Situationen, und wenn es gerade nicht anders möglich ist, sich alleine, sich selbst zu trösten.
Wenn der Schnuller nicht NUR gegeben wird, gilt: So lange der Schnulli nicht ausschließlich schnöder Ersatz ist, sondern das Kind genug Nähe und Geborgenheit durch geliebte Menschen bekommt, darf der Schnulli natürlich auch mithelfen, dass ein Kind in Momenten von Müdigkeit, Schmerz, Streit, Ärger etc.  durch Saugen Trost findet;  und dies darf die ganze Kleinkindzeit über so sein, bis sich das Bedürfnis kleiner Menschen, sich auch durch das Saugen zu beruhigen, allmählich verliert.

Wohldosierter Beruhigungsanker, aber kein Ersatz für Zuwendung, Zeit und Nähe

Nach der Säuglingszeit macht man es am besten so, dass das Kind den Schnuller nur in kritischen Momenten bekommt, dann aber -so lange man wie gesagt auch dran denkt, dass es eigentlich noch oft um Nähe und Trost durch liebevolle Arme geht- durchaus noch reichlich.
Das heißt umgekehrt: So lange es gerade keine kritischen Momente gibt, kann ein Kind jetzt durchaus auf den Schnuller verzichten, dann sollte der Schnuller nicht dauernd in den Mund, sondern kann getrost an einem Platz warten, bis er gebraucht wird.
Wenn ein Kind häufig nach dem Schnuller verlangt, sollten wir Erwachsenen uns immer fragen, ob ein Kleinkind ausreichend gute, zugewandte Zeit und damit verbundene, stressfreie Ruhe mit seinen Haupt-Bindungspersonen hat. Ein sehr starkes Bedürfnis nach Saugen am Schnuller drückt oft aus, dass an dem umfassenden Bedürfnis nach Nähe und Geborgenheit bei den meist geliebten Personen noch wichtiger Bedarf besteht. So berichten manche Tageseltern oder Erzieher/innen, dass von ihnen gehütete Kleinkinder nach 3 bis 4 Stunden den weiteren Tag dann nur noch mit Schnuller bewältigen. Hier zeigt ein Kind, dass es dringend wieder bei seinen Haupt-Bindungspersonen auftanken möchte, also zügig wieder Zeit mit seinen Eltern braucht, um sich seinem Alter entsprechend wieder sicher und geborgen zu fühlen. Wenn also das Saugen am Tag überhand nimmt, steht die Frage im Raum, ob ein Kleinkind mit der Abwesenheit, also mit  Länge der Zeit, sich bei seinen Haupt-Bindungs-Personen, den Eltern, wieder versichern und körperlich-psychisch  verbinden zu können, derzeit überfordert ist. Dann geht es nicht nur um die Frage: Darf es den Schnuller haben oder nicht? Sondern ebenso sehr um die Frage: Muss es in seinem Kleinkindalter zügiger zurück zu einem Elternteil, um sich innerlich wieder sicher und geborgen zu fühlen?

Wenn der Schnuller nur in kritischen Situationen wie  geschildert ab und zu kurz gebraucht wird, heißt im Kleinkindalter (also bis ca. drei Jahre) die Antwort: Ja, ein Kind darf den Schnuller noch haben.Ab drei bis vier Jahren kann ein Kind dann in kritischen Momenten auch ohne Schnuller auskommen. Ab drei bis vier Jahren haben die meisten Kinder die innere Reife, sich ohne Saugen trösten zu lassen, bzw. sich immer mal wieder auch ganz selbst zu beruhigen.
Bis zum nächsten Mal, herzlich,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Eltern und Kinder brauchen Freunde

Liebe Eltern,
Wenn ich krank bin und im Bett liege, dann denke ich seit Jahren jedes Mal: Wie gut, dass ich gerade krank sein darf und keine kleinen Kinder versorgen muss! Und mir fällt ein, was ich von einem Projekt aus einer der Städte weiß, in denen ich arbeite und was ich noch aus unserer Zeit weiß, als unsere Kinder klein waren: Wenn man weiter weg von der eigenen Familie wohnt (aber natürlich auch sonst) ist es für Eltern enorm wichtig, Freunde zu haben, mit denen zusammen man die jeweils kleinen Kinder versorgt. 

In jener Stadt kamen Eltern auf die Idee, einen „Eltern-Krankheits-Vertretungs-Dienst“ einzurichten. Die Sehnsucht schlechthin, oder?
Eltern haben sich so untereinander organisiert, dass, wenn jemand von ihnen krank ist, sie/er bei den anderen anrufen und drum bitten kann, dass die eigenen Kind(er) zumindest stundenweise zu den Freunden kann (können) und dort versorgt werden, so dass kranke Mütter/Väter zumindest Teile des Tages bei Krankheit wirklich ausruhen und sich erholen können. Super, oder?
Entstanden ist diese Idee in einem der vielen Elterntreffs, die wir in jener Stadt initiiert haben: Einen Raum bereit gestellt für Eltern als „Elterntreff – Treffpunkte im Wohnviertel“. Ein fester Ort, an dem Eltern andere Eltern kennen lernen, gemeinsam Zeit verbringen, die Kinder spielen lassen, selbst bei Kaffee oder Tee mit den anderen Eltern ins Gespräch kommen können, so dass Freundschaften entstehen und Eltern aus der Einsamkeit des Wohnens und Lebens mit dem eigenen Kind herauskommen.
Wenn Sie in Ihrer Wohngegend solche Elterntreffpunkte nicht haben, vielleicht sprechen Sie mal jemanden am Spielplatz an, ob Sie nicht ab und zu etwas gemeinsam unternehmen mögen? Oder, vielleicht unkomplizierter für Sie: Sie organisieren sich mit anderen Eltern über Social Media oder machen einen Aushang am Schwarzen Brett Ihres Supermarktes, dass Sie andere Eltern suchen für gemeinsame kleine Treffen und Unternehmungen?

Portrait of happy family with daughters outdoors in sunny fall day

Vernetzen und organisieren Sie sich mit anderen Eltern, das macht das Leben mit Kindern so viel leichter

Fast nichts halte ich für Eltern so wichtig, als dass sie sich mit anderen Eltern befreunden und die Kinder gemeinsam hüten bzw. sie sich gegenseitig immer wieder abnehmen. JA , weil man –  z.B.  – als Eltern auch mal krank ist!  Aber auch sonst gibt es im Alltag genug Anlässe (Einkäufe, wichtige Erledigungen, aber auch einfach mal einen Moment Ruhe für sich brauchen, etc. etc.), bei denen man froh ist, wenn man schnell und unkompliziert andere Eltern fragen kann, ob sie einen bezüglich Kinder-Versorgen für ein, zwei oder mehr Stunden entlasten.  Kleine (natürlich liebend gerne auch große!) Freundschaften unter Eltern bewähren sich ungemein – denn Kinder versorgt und hütet man am besten als Familie nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen Familien. Es ist viel angenehmer, weil entlastender, wenn man Kinder als „Herde“, also zusammen versorgt!
Der wunderbare Nebeneffekt dabei ist, dass Kinder weitaus vergnügter, ausdauernder und damit besser spielen, wenn sie nicht allein sondern zu mehreren sind – man hat mit mehreren Kindern viel weniger Arbeit, als mit einem Kind alleine, denn Kinder beschäftigen sich wunderbar untereinander! Als Erwachsener ist man also raus aus dem „Beschäftigungs-Programm“ für ein Kind.

Mehr Flexibilität, weniger Stress und wie immer mehr Gelassenheit für alle

Plötzlich sind Sie als Elternteil mit mehreren Kindern nur noch zuständig dafür, dass den Kindern nichts passiert und dafür, dass die Kleinen ab und zu etwas in den Schnabel geschoben bekommen, Butterbrote und etwas zu Trinken wirken Wunder, sollte die kleine Herde Hunger bekommen.
Also, machen Sie ab heute die Kinder-Versorgung nicht mehr in der privaten Einsamkeit, weder als der Elternteil, der mehr am Tag zu Hause ist, noch als Elternpaar an den Wochenden; und erst recht nicht einsam, sollten Sie alleinerziehender Elterteil sein!
Machen Sie sich auf die Suche nach mehr Kontakten und finden Sie sich mit anderen Eltern zusammen.
Sie als Erwachsene haben plötzlich mehr Zeit: Entweder mal nur für sich. Oder aber  zusammen, weil sie gemeinsam mit Anderen die Zeit verbringen: So entstehen interessante Gespräche unter den Erwachsenen oder wunderbare gemeinsame Klön-und Trödel-Zeiten; und bei den Kindern entsteht diese wunderbar Zeit des langen Zusammen-Spielens. Je mehr Kinder viel Zeit zusammen verbringen, umso besser finden sie miteinander ins Spiel – bestens auf allen Ebenen für das gute kindliche Lebensgefühl und (Überraschung!) für die gesamte Entwicklung von Kindern. Super entlastend für die Eltern.
Was hält Sie noch? Wagen Sie den Aushang am Supermarkt  – denn anderen Eltern geht es wie Ihnen! Alle im Viertel sehnen sich nach mehr Kontakt, das kann ich Ihnen aus meiner Erfahrung  der Eltern-Beratung definitiv versichern. Niemand ist mit Kindern gerne viel alleine. Wagen Sie getrost den ersten Schritt – und verbringen Sie Ihre Kinder-Jahre mit anderen Eltern. Gemeinsam macht es viel, viel mehr Spaß!
Ach, noch ein Tipp: Manche Eltern halten bereits Ausschau nach netten anderen Erwachsenen im Kurs zur Geburts-Vorbereitung … Je früher gemeinsam und als „Herde“, desto leichter wird alles für Sie.
Viel Freude mit Ihren Kindern und denen der anderen Eltern,
das wünsche ich Ihnen herzlichst.

Bis zum nächsten Mal wieder,
herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Warum Ruhe und Muße für Kinder so wichtig sind – und wie das gelingt

Liebe Eltern,
nun noch ein weiterer Beitrag zum Thema Ruhe, Muße und Tagträumen kleiner Kinder – da das Thema Unruhe und Schlaflosigkeit das große Thema ist, das so viele Eltern beschäftigt wie meine Beratungsarbeit zeigt. Völlig zu Recht, denn: Dauernde Anspannung und Nervosität im Leben mit Kindern macht schlechte Stimmung und zehrt an den Nerven. Gute Nerven, und Ruhe sind aber aus meiner Sicht das Wichtigste was Eltern für ein Glückliches und gelassenes Zusammenleben mit Ihren Kindern brauchen. 

Ausreichend Zeit für Schlaf und ausreichend Zeit zum Spielen

Im Wesentlichen sind es diese zwei Faktoren, die das Leben mit Kindern gelassener und ruhig werden lassen. In diesem Beitrag nun noch einmal der Fokus auf Ruhe und Schlafen – das Thema Spielen kommt dann in einem meiner nächsten Posts hier wieder an die Reihe.

Im letzten Beitrag habe ich beschrieben, wie Sie als Eltern mit Ihren Kindern kleine „Ruhe-Inseln“ (neben der zuvor beschriebenen Ruhe-Insel des Rücken- Tragens) einrichten können, um  ins Tagträumen und mehr Ruhe zu finden.  Dieses Tagträumen ist ein wichtiger Zustand, weil er dem Kind quasi das „kleine Gebüsch“ ermöglicht, das vor dem, bildlich gesprochen,von ihnen gefürchteten „Dschungel des Schlafs“ liegt. Dösen, Tagträumen, Muße, wenn man das gemeinsam als wohltuend und schön erlebt, ermöglicht das dem Kind den Übergang, sich überhaupt in den Schlaf fallen lassen zu können.

Wenn ich, wie beschrieben, Eltern oft das Auf-den Schoß-nehmen und Halten der kindlichen Füße zeige, erlebe ich viele, die sich schwer tun, ihr nervöses, im Raum umhergeisterndes Kind etwas zu nötigen, bei ihnen auf dem Schoß zu bleiben. Die Frage, die sich feinfühlige, dialog-orientierte Eltern heute stellen, ist: „Darf ich denn mein Kind so festhalten, so nötigen, etwas zu tun, was es nicht freiwillig tun will?“

Soll ich mein Kind zur Ruhe „zwingen“ – ist das nicht genau das Gegenteil davon was wir alle wollen?

Eine gute Frage, denn  -zum Glück-  heißt heute eine Grund-Einstellung in der Erziehung, dass wir die Bedürfnisse von Kindern hören und auch auf sie eingehen. Wenn das Kind aber umhergeistern will – wieso darf und soll ich es jetzt daran hindern? Über diese Frage habe ich oft nachgedacht. Wann ist man berechtigt, ein Kind gegen seinen Willen zu nötige
Es ist die Beobachtung der Kinder, die mich zur Antwort geführt hat:

Kleine Kinder neigen aus ihrer unendlichen Neugierde heraus dazu, trotz Müdigkeit immer weiter die Welt zu erkunden. Wenn sie müde sind, keine Kraft mehr haben, führt das aber zu nur noch unruhigem, nervösem Explorieren, das in keinerlei  Spiel mehr führt. Wenn ich das täglich so sehe, kommt mir immer folgendes Bild in den Sinn:

Das Ganze wirkt auf mich, als würde das kleine Kind wie ein kleines Boot ohne Steuermann auf dem großen Meer, auf den starken Wellen der Neugierde umhergewirbelt. Was braucht ein kleines Boot, das nur noch wackelt und schaukelt? Die Antwort ist eindeutig: Man muss dieses kleine, von den Wellen gebeutelte Boot zwischendurch ins Schlepptau eines großen Bootes nehmen, denn sonst wird das zu anstrengend –  ein Kind quengelt und nörgelt entsprechend.

Close up of young father holding his newborn baby son in his arms

Seien Sie der Ruhe-Anker für Ihre Kinder

Kinder spüren bei Müdigkeit häufig nicht mehr, was ihnen jetzt helfen würde. Weil das so ist, brauchen sie im Zustand von Müdigkeit und Überforderung noch Eltern, die ihnen durch Orientierung helfen, um sich auf  „hoher See“, den Wellen ihrer Neugierde nicht nur im Kreis zu drehen. Im Bild gesprochen ist naheliegend, was wir tun müssen: Wir werfen ein Tau zu, das das Kind verankert, es in ruhiges Fahrwasser zieht. Dieses Tau sind unsere Hände, die das Kind auf den Schoß hieven, die seine Füße halten, damit sie nicht loslaufen, es ist insgesamt unser haltender Körperkontakt, der ein Kind aus dem Wirbel herausholt ins ruhige Gewässer des Dösens, des Tagträumens, der Muße.

Da man IMMER beobachten kann:
– wie Kinder sich durch beruhigenden, klaren Kontakt selbst besser wahrnehmen,
– wie ihre Hände statt nach außen zu allen möglichen Sachen, zu ihrem eigenen Körper gehen, sie ihre Hände in die Mitte, meist zum Mund führen, oder sie mit ihren Händen ihre Beine und Füße anfassen,
– ihr Körper auf dem Schoß der Eltern seine Anspannung loslässt, sie körperlich weich und anlehnend werden,
– sie dabei den typisch kindlichen, verträumten Blick bekommen,
kann man zusehen, wie ihnen dieses  Gehaltenwerden hilft, ins  Tagträumen zu finden.
Endlich entsteht eine Atmosphäre, in der sie Spannung loslassen, auf dem Körper eines Elternteils ihr „schaukelndes Boot“ aufgeben, sich dem Tau der Eltern überlassen, ihre Überforderung los-  und ruhigwerden.

Die Antwort auf obige Frage ist also aus meiner Sicht eindeutig:
JA –  ein Kind in diese Ruhe zu leiten ist erlaubt, denn auf den „starken Wellen der Unruhe“ wird nur allen Angst und Bang,es entsteht Genervtsein und Unruhe, die sich gegenseitig verstärken. Eltern verlieren ihre Kraft, häufig auch die Lust, mit ihrem Kind noch viel zu machen, alles geht ihnen nur noch auf die Nerven. Kinder verlieren ihre Konzentrationsfähigkeit.

Aus meiner Sicht ist nichts auf Dauer so wichtig wie die elterliche Energie und Lust, Kinder angemessen zu versorgen. Also MÜSSEN Eltern bei müden Kindern den Überblick über die Situation, die Steuerung übernehmen, müssen sich selbst anlehnen, sich gemütlich wohlig hinsetzen und ihr Kind mit ins Boot nehmen.  Keine Sorge – Kinder nehmen das nicht übel. Wenn sie ruhiger werden, spüren sie, wie schön es ist. Dann werden sie auch wieder kooperativer – die gute Stimmung trägt alle. Im Moment erstmal wohin?  JA – Richtung mehr Träumen und Schlaf! Beides schafft die Voraussetzung, dass in unserem Gehirn starke, ruhige Strukturen entstehen – das fördert unser gemütliches Zusammensein und nebenbei gleich auch noch die Klugheit – was wollen wir mehr?

Also, Stress lass nach …  auf sämtlichen Ebenen … probieren Sie es aus, ich freue mich auf Ihre Anregungen und Kommentare!
Bis zum nächsten Mal, herzlich

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Einfache Wege zu noch mehr Ruhe und Gelassenheit

Liebe Eltern,
da Unruhe und Schlaflosigkeit kleiner Kinder die häufigsten Gründe sind, derentwegen Eltern bei mir Hilfe und Rat suchen, möchte ich heute (nach dem Rücken-Tragen) einen weiteren Weg beschreiben, der Ihnen und Ihrem Kind hilft, in mehr Ruhe und Tagträumerei zu finden.

Unruhige Kinder, unruhige Eltern, unruhige Kinder …

Eines ist wichtig zu wissen: Viele kleine Kinder gehen bei Müdigkeit eher ins Zappeln, in unruhiges „Umhergeistern“: So wird dies und jenes Spielzeug wird vom Kind angefasst, aber mit nichts wird mehr wirklich konzentriert gespielt. Da kleine Kinder so unglaublich neugierig sind (was ihr gutes Recht ist und was im ausgeruhten Zustand ein wunderbares Phänomen ist, denn genau durch diese Neugierde lernen sie ja unendlich viel), fällt es ihnen schwer,  bei Müdigkeit Ruhe zuzulassen; nein, nur ja keine Ruhe! Viel eher gehen sie in Richtung  dauernden Hantierens und Explorierens. Das Problem ist nur leider, bei Müdigkeit führt das zu dauernder Unruhe und einer gewissen Nervosität. Genau das strengt die Erwachsenen enorm an: Ihrem kleinen Kind sind sie dann dauernd auf den Fersen, hindern es daran, allen Unfug anzustellen, der ihm einfällt, schimpfen, wehren, sagen dauernd „Nein, nein, Du sollst das doch lassen… „, das Kind quengelt, schreit, zappelt, sperrt sich … und so reiben Eltern und Kind sich aneinander auf. Ein sich gegenseitig verstärkender Kreislauf!

Was können Sie als Eltern konkret tun?

Zuerst: Denken Sie bei kleinen Kindern schnell genug daran, dass sie bei Quengeln entweder hungrig, sehr oft aber auch einfach müde sind, sehr oft auch einfach beides.
Nach 2 Stunden Wachsein, ist ein Kind, das etwas jünger oder etwas älter als ein Jahr ist, bereits wieder müde, das ist ganz normal. Vielleicht mag es noch nicht gleich schlafen, aber Folgendes hilft ungemein, in Richtung Schlafen zu kommen: Wenn man dem Kind behilflich ist, dass es ins Trödeln und Tagträumen findet. Tagträumen, Dösen, Trödeln kann man als das „kleine Gebüsch“ vor dem großen „Dschungel des Schlafs“ bezeichnen ( in den wagen sich kleine Kinder ja oft nicht so ohne weiteres hinein.)

From above photo of girl slipping on mother's lap.

„Die Ruhe-Insel“

Wenn Sie merken, dass Ihr Kind nichts mehr mit Muße und eigener Konzentration tut, sich wahrscheinlich auch bereits einmal am Kopf gerieben hat, dann gönnen Sie sich gemeinsam mit Ihrem Kind eine „Ruhe-Insel“, und die geht so:
Setzen Sie sich sehr gemütlich und angelehnt auf Ihr Sofa oder einen bequemen Sessel, am besten so, dass Sie zum Fenster hinaus träumen können; und nehmen Sie Ihr Kind klassisch auf den Schoß, also seinen Rücken an Ihren Bauch. Nehmen Sie seine Füße habhaft (meint: Mit gut haltendem Zupacken) in Ihre beiden Hände und achten Sie darauf, dass Ihr Kind allmählich seine Beine nicht streckt, sondern sie anwinkelt (etwas sanfter Nachdruck hilft, wenn Sie die Füße liebvoll, klar, beherzt warmherzig in Ihren Händen halten). Sie werden erleben, dass Ihr Kind seine Hände unwillkürlich zum Mund führt und daran saugt, oder aber auch nur irgendwie mit seinen Händen an seinem Mund herum macht – ein deutliches Zeichen seiner eigenen Wege in seine Selbstberuhigungs- Fähigkeiten.

Die eigenen Hände in die Körpermitte zu führen (später: Hände falten oder übereinander legen), bei kleinen Kindern auch noch zum Mund führen, dies beruhigt uns  Menschen jeden Alters. Wenn Ihr Kind diese Geste eher nicht zulässt, geben Sie ihm einen kleinen Gegenstand, mit dem es gerne herumnestelt (irgendetwas Banales, woran es gerne herummacht, und sei es die Packung TempoTaschentücher, die so schön knistert).
Dieses In-der Körper-Mitte mit beiden Händen herumnesteln (oder eben am Mund saugen, auch das Saugen an einem Schnuller kann helfen), unterstützt Kinder enorm, dasss  sie Ruhe und Müdigkeit zulassen. Man kann deutlich beobachten (wenn man gegenüber sitzt), wie der Blick des Kindes mehr und mehr in die Ferne geht (der Ausblick aus einem Fenster ist daher hifreich), wie kleine Kinder beginnen, tagzuträumen, zu dösen. Auch wenn es nicht gleich schlafen mag, helfen solche gemeinsamen „Ruhe-Inseln“ einem kleinen Kind enorm, aus seiner überdrehten Nervosität wieder herauszufinden, sich selbst wieder zu spüren und bei sich zu sein.

Ruhe finden und aushalten muss man lernen

Mit sich selbst Ruhe genießen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt als kleiner Mensch allmählich das Einschlafen aus sich heraus zuzulassen, schließlich auch das Selber-Einschlafen lernen zu können. Wie gesagt: Das genüssliche Tagträumen ist das kleine Gebüsch, das das Kind kennen lernen sollte – bevor es sich überhaupt in den Dschungel Schlaf selbst, ohne allzu viel Hilfe,hinein wagt …
Machen Sie solche kleinen Einheiten des gemeinsamen Tagträumens in entsprechend klarer, gemütlich sitzender Haltung immer wieder den Tag über – Sie werden beobachten, dass Ihr Kind statt ins Aufgedreht-Sein und nervöse  „Umhergeistern“ viel mehr zu sich kommt und es sein Ruhig-Werden zulässt und zu genießen beginnt.
Sie selbst tanken auch auf, indem Sie nach Draußen, in den Himmel, vielleicht auch in Bäume und Büsche schauen.

Handy weg und gemeinsam mal wirklich NICHTS tun!

Lassen Sie Ihr Handy beiseite – denn das stört die Erfahrung des Tagträumens – und hilft weder Ihnen noch Ihrem Kind, ins Dösen und zur eigenen Ruhe zu finden, beides genussvoll zu erleben. Handys zu bedienen, bedeutet gleich wieder Anspannung, die spürt das Kind und quengelt los …
Wenn Sie ein größeres Kind haben, das beschäftigt sein will, kann es sich mit seinen Spielsachen in unmittelbarer Nähe aufhalten (z.B. die Autos -in seiner Phantasie- auf der Autobahn auf dem Sofa fahren lassen oder mit einer Puppe/einem Teddy genau so dasitzen und selbige auf dem Schoß halten und mit ihnen  babbeln, sie füttern und versorgen; oder man kann ebenso ganz ruhig gemeinsam nebenher ein Buch mit dem größeren Kind anschauen.
Wagen Sie diese Erfahrung mehrmals am Tag – Sie werden feststellen, dass Ihr Kleinkind weniger zappelig ist, mehr seine Müdigkeit wahrnimmt, auch allmählich deutlicher zeigt, dass es jetzt Ruhe, am besten allmählich auch Schlaf braucht. Für alle in der Familie wird es dadurch angenehmer, weil Ruhe genüsslich erlebbar wird.

Und natürlich: Sollte Ihr Kind Hunger haben, kann es zuallererst was zu essen bekommen und dabei oder danach wie beschrieben bei Ihnen auf dem Schoß sitzen und ins Tagträumen finden.Viele Eltern erzählen mir, dass ihr Leben mit kleinem Kind durch diese „Ruhe-Inseln“ viel, viel weniger anstrengend wurde.

Angenehme Tagträume wünsche ich Ihnen …. Vielleicht sehen Sie wieder – wie einst als Kind – Gestalten in den Wolken, oder gehen mit den Wolken auf kleine Reisen …?
Herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Was tun, wenn das Baby einfach nicht aufhört zu schreien?

Liebe Eltern,

die frühe Eltern-Kind-Beziehung und das Thema Schreibabys ist seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit in der Schreibaby-Ambulanz.  In der vergangenen Woche erschien ein großer Artikel zu meiner Arbeit aber vor allem auch was man als Familie tun kann, um gemeinsam wieder in Ruhe und Gelassenheit für alle zurückzufinden in der Stuttgarter Zeitung. Lesen Sie den Artikel auch hier, ich freue mich auf Ihre Kommentare und Anregungen!

Sei doch endlich ruhig

Ganz herzliche Grüße,
Ihre Ingrid Löbner

 

Allgemein

Weihnachten – möglichst viel Genuss, Muße und Vorlesen …

Liebe Eltern,
was ist es, woran wir uns am meisten erinnern, was für uns als Kinder in der Weihnachtszeit schön war? Wenn es aus der Küche gut roch, weil gebacken wurde, wenn wir mit den Eltern Zeit fanden, um schöne Kleinigkeiten, auch Geschenke zu basteln und wenn – das war wahrscheinlich für uns alle etwas vom Gemütlichsten – wenn die Erwachsenen Zeit fanden, eine Kerze anzündeten und uns vorlasen.

Wenn Sie Ihren Kindern eine Freude machen wollen, schalten Sie immer wieder die heutigen Medien aus, machen Sie es sich zusammen gemütlich und lesen Sie vor. Für die Jüngeren gibt es bei „Madita“ von Astrid Lindgren schöne Geschichten zur Winterzeit, für die etwas Größeren „Weihnachten in Büllerbü“, und natürlich für Groß und Klein die vielen Sagen und Märchen, die wir alle kennen und die besonders in den Wintermonaten, wenn es draußen länger dunkel ist, ihre ganz besondere Atmosphäre verbreiten.

happy family funny kids are preparing the dough, bake cookies in the kitchen

Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Wenn man die Bücher wieder aufschlägt, die man selbst gerne hatte und daraus den Kindern etwas vorliest, dann werden ganz von selbst viele Erinnerung  lebendig, welche Atmosphäre, Gepflogenheiten und Ereignisse man als Kind rund um das Weihnachtsfest besonders liebte – und man hat ganz von selbst Ideen, was man alles machen kann, um es zusammen schön zu haben zu Spielen, zusammen zu Essen und zu Backen und einfach zusammen viel gemütliche Zeit zu verbringen. Denn alles, was einem einst unter die Haut ging, das ist dann ganz schnell wieder lebendig.

Fröhliche Weihnachten wünsche ich Ihnen allen – und alles Gute fürs neue Jahr. Dann kommen hier auch wieder kleine Fortsetzungen zum Alltag, zu Ruhe und Muße mit jüngeren Kindern, aber jetzt erstmal wird gefeiert, haben Sie es schön …!
Das wünsche ich Ihnen von Herzen,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Wie lässt Unruhe und Zappeln bei kleinen Kindern nach?

Liebe Eltern,
heute eine erste Fortsetzung zur Frage, wie Sie sich und Ihrem Kind dabei helfen können, dass Zappeln und dauernde Unruhe nachlassen.
Von traditionellen Gesellschaften kennt man eines nicht: Dass kleine Kinder dauernd bespielt und bespaßt, quasi aktiv von Erwachsenen unterhalten werden müssen. Was wird dort anders gemacht als bei uns?

Traditionelle Gesellschaften machen etwas sehr Kluges: Kleine Kinder werden dort über Monate, ja, meist bis zum Alter von etwa zwei Jahren, auf dem Rücken getragen. Was ist daran so klug?

Das Rückentragen ist eine zentrale Möglichkeit, dass kleine Kinder eindeutiger zur Ruhe kommen.Ein kleines Kind sehnt sich nach Nähe und Kontakt zu seinen nächsten Bindungspersonen, in aller Regel den Eltern. Indem es auf dem Rücken von Mama oder Papa „wohnen“ darf, hat es wichtige Dinge, die ihm in seine Ruhe helfen:

„Für sich sein“ und gleichzeitig „dabei sein“!

Es ist bei allem und immer dabei, erlebt mit, sieht, was Mama (Papa) gerade macht. Auf dem Rücken getragen ist es aber auch „für sich“ – denn so auf dem Rücken sitzend, kann es Mama/Papa zwar spüren und erleben, aber nicht dauernd mit ihnen ins Zwiegespräch gehen. Genau dieses „Für sich Sein“ fördert in einem Kind das Erleben, dass man zwar zusammen und dabei doch jeder gleichzeitig in seiner eigenen Welt sein kann: Mama/Papa erledigen, was zu erledigen ist, als kleines Kind schaut man etwas zu, nimmt aber immer mal seine Hände zum Mund und nuckelt dran herum, oder nestelt etwas an einem Bändel, den das Jäckchen hat, das man trägt, oder nestelt an einer Haarsträhne von Mama herum, oder, oder, oder, oder macht gar nichts und träumt nur vor sich hin.Indem es in körperlichem Kontakt ist und doch in dieser Weise für sich ist entdeckt ein Kind, dass man in Ruhe ein wenig vor sich hin spielen oder eben nur tagträumen kann.

Geborgenheit

Es ist diese parallele Erfahrung des „Sich Spürens“ und gleichzeitig  des „Für sich Seins“, die kleinen Kindern enorm hilft, das ruhige Bei-sich-Sein, das ruhige Spiel mit den eigenen Händen oder einem kleinen Gegenstand zuzulassen und als wohltuend zu erleben. Auf diese Weise nah bei den Eltern doch für sich zu sein, damit macht ein Kind die stärkende Erfahrung, dass man eben nicht dauernd etwas miteinander machen muss, nicht dauernd bespaßt und bespielt werden muss, um es gut zu haben. Dadurch erlebt ein Kind: „Ich kann schon ein klein wenig die Ruhe mit mir selbst genießen und bin doch nicht ganz allein.“  Genau diese doppelte Erfahrung beruhigt ein Kind und ermöglicht seine Zufriedenheit. Es entdeckt erste Wege ins eigene Spiel. Probieren Sie es aus – Sie werden merken, es hilft wunderbar in Ihre gemeinsame Ruhe und Zufriedenheit, Zappeln, Quengeln, dauerndes Verlangen nach aktivem Kontakt zueinander lassen nach. Weitere Möglichkeiten und Wege zur gemeinsamen Ruhe beim nächsten Mal;  jetzt gehe auch ich erstmal wieder eine kleine Runde in meine Tagträumereien.
Herzlich Ihre  Ingrid Löbner

Allgemein

Zeit, Muße, mehr Schlaf – wonach wir uns alle sehnen ….

Liebe Eltern,
gestern gelang es mir, alle Arbeit zu Hause in Ruhe zu tun, und trotz vieler Hausarbeit blieb in der Ruhe Zeit, ein wenig adventliche Vorbereitungen zu treffen. Obwohl ich nichts Außergewöhnliches erlebte, sondern nur „Alltägliches“ erledigte  (Dinge aufräumen, Essen kochen, die Küche machen, die Post durchschauen, kurze Gespräche mit Freunden am Telefon und mit Nachbarn an der Tür etc. etc.), hatte ich ein herrliches Lebensgefühl und einen äußerst zufriedenstellenden Tag und als ich mich fragte warum, war meine Antwort klar: Es lag an der Muße, der Ruhe, die mir gelang, in Ruhe alles zu erledigen, allen Stress zu lassen, zu vermeiden.

Die nachbarschaftlichen Begegnungen schließen jetzt immer wieder auch Gespräche mit geflüchteten Menschen ein, die in unserem Dorf angekommen sind und jetzt den mitteleuropäischen Alltag miterleben. Wie oft fragen sie uns, ob wir nicht zum Tee kommen, ob wir Zeit haben für einen kleinen Plausch, für ein Essen, für einen Abend Gespräch. Wie oft lehne ich bedauernd ab, weil ich da oder dort hin muss, dies oder jenes zu erledigen habe, weil die vielen beruflichen oder sonstigen Verpflichtungen mich rufen. Einer der syrischen Familienmenschen (er spricht nach zwei Jahren Lernen schon ausgezeichnetes Deutsch) fragt mich immer wieder: „Wie lebt ihr? Ihr habt so wenig Zeit füreinander, das ist schade! Mir fehlen bei euch die Gespräche mit Nachbarn sehr.“ Und immer wieder antworte ich „Ja, Du hast recht. Das ist der große Nachteil unserer boomenden Wirtschaft – wir haben keine Zeit mehr füreinander.“

Parents and son with proud and happy faces play together. Young family spends time in playroom. Love and family games concept. Mom, dad and boy on light background, defocused

Je mehr Muße tagsüber, desto mehr Ruhe nachts

Parallel fällt mir immer der Satz ein, den unser Vater zitierte, wenn er aus seinem genussvollen Frankreich-Urlaub zurück kam: „Die Deutschen leben, um zu arbeiten; die Franzosen arbeiten, um zu leben.“ Die Europäische Union (Deutschland vorne dran) arbeitet darauf hin, dass in allen Ländern die Siesta abgeschafft wird; man könnte sagen, sie tut es nach dem Motto: „Wo kommen wir denn hin, wenn so viel Ruhe über Mittag zelebriert wird? Da muss man sich wohl nicht wundern, dass man in den betroffenen Ländern zu nichts kommt …?“. Die Schlaf-Forschung sagt etwas ganz anderes, nämlich: Der tiefe, erholsame Nachtschlaf (und infolge die Konzentration am Tag bei aller Arbeit) wird durch Ruhepausen und Schläfchen am Tag gestärkt.  Unser Körper muss oft genug am Tag zur Ruhe kommen, um nachts erholsam und tief ruhen zu können. Sie alle können das in Ferienzeiten spüren: Oft ist man schon nach dem Frühstück wieder müde, und je mehr man es zulässt, am Tag tatsächlich solchem Schlafbedürfnis nachzugeben, umso tiefer schläft man in der Nacht. Schlafstörungen kann man unter anderem dadurch heilen, indem man tagsüber mehr Ruhe, mehr Pausen, mehr Schläfchen zelebriert. In Deutschland sind Schlafstörungen ein häufig verbreitetes Problem und wir könnten es ändern, indem wir mehr Muße zuließen.

In der Beratung von Eltern mit kleinen Kindern sind die Probleme rund um das Thema Schlafen die häufigsten Anliegen. Fast alle Kinder, die mitkommen, spielen kaum ruhig, sondern sind leicht nervös, eher zappelnd, sind, die Eltern ständig fordernd, in meinem kleinen Arbeitszimmer unruhig auf Achse. Das erste, was ich Eltern dazu sage und was ich ihnen zeige ist, wie sie ihrem Kind helfen, dass es mehr Tagträumen, mehr Trance, mehr verspielte Ruhe zulassen kann. Und sehr zahlreich melden Eltern mir zurück, dass ihr Kind dadurch endlich ins ruhige Spielen hinein fand, dass endlich das Nervös-Sein nachließ, die unruhige, kindliche  Zappelei deutlich weniger wurde. Und: Dass das Kind selbst mehr Müdigkeitszeichen zeigte und Eltern samt Kind dadurch plötzlich die Müdigkeit und damit das Bedürfnis nach Ruhe wahrnahmen und dem zeitnah, häufig genug am Tag nachgaben. Für uns Menschen gilt: Das Tagträumen, die ruhige Trance zuzulassen ist die Voraussetzung, um sich schließlich überhaupt in den Schlaf fallen lassen zu können.

Schlafendes Kind

Kindern Gelassenheit vorleben

Was Sie alles in kleinen Schritten dafür tun können – das beschreibe ich Ihnen beim nächsten Mal, nach und nach. Jetzt mache ich erstmal Pause bei einer Tasse Tee und wünsche Ihnen, dass Sie die kommenden Wochen häufiger so einrichten können, dass Ihnen oft genug mehr  adventliche Ruhe gelingt und Sie diese Zeit genießen, vielleicht mit reichlich Kerzenschimmer und schönen kleinen Geschichten zum Erzählen oder Vorlesen? Wenn wir genauer hinsehen, dann hängt Genuss letztlich weniger an großen Geschenken füreinander, aber sehr an der Ruhe und Zeit, die wir zusammen finden. Wir alle wissen, dies ist in unserer unruhigen Zeit leichter gesagt als getan; aber vielleicht lassen Sie doch das eine oder andere Losgehen und „Erledigen draußen“ ausfallen und gönnen sich einfach weniger Sachen aber mehr Ruhe und Genuss zu Hause, miteinander ?

Ich wünsche uns das allen sehr  und grüße Sie herzlich
bis zum nächsten Mal
Ingrid Löbner

Allgemein

Zu anhänglich – zu langsam?

Liebe Eltern,
ich werde oft von Eltern gefragt, ob es normal sei, wenn ein Kind mit ein, zwei oder drei Jahren noch viel bei den Eltern sein will, sich eher scheu nur auf andere einlässt, geschweige denn alleine dort bleiben will.
Ja, das ist ganz normal, machen Sie sich keine Sorgen. Vielmehr bleiben Sie gelassen und freuen Sie sich einfach über dieses Bedürfnis nach Nähe. Denn. schneller als Sie denken werden Ihre Kinder groß und geht diese Zeit vorbei.

Jedes Kind ist und fühlt anders

Menschen sind sehr verschieden, die einen gehen gerne und viel unter andere Menschen, die anderen sind damit eher zurückhaltend und eher vorsichtig. Menschen sind einfach unterschiedlich in ihren Wesenszügen  und dies schon von klein an.
Noch etwas ist heute, da sich viele Eltern aufgefordert fühlen, ihre Kinder früh loszuschicken, wichtig nicht zu vergessen: Die meisten kleinen Kinder nabeln langsam ab und sind in den ersten Jahren um ihrer Entwicklung willen stark auf intensive Verbindung zu ihren am meisten geliebten Menschen angewiesen. Kleine Kinder gehen starke Bindungen ein, sollen sie eingehen, und sie tun dies meistens am stärksten zu ihren Eltern (denn die kennen sie am besten).
Machen Sie sich also keinerlei Sorgen, wenn Ihr Kind viel um Sie herum sein möchte, nicht alleine irgendwo bleiben will oder hingebracht werden will; auch noch viel in Ihrer Nähe spielen will – alles ganz normal. Durch diese gelebte Verbundenheit sorgen kleine Kinder dafür, dass ihre starken Gefühle zu ihren geliebten nächsten Menschen reichlich Nahrung bekommen. Sie fordern uns durch ihre Anhänglichkeit auf, dass sie wirklich starke Wurzeln ausbilden können – und diese Wurzeln durch starke Gefühle sind die beste Voraussetzung, um langfristig neugierig zu sein, dann Entdeckungen zu machen, somit durch Neugierde und Entdeckungsdrang ihre Intelligenz zu entwickeln.

Papa ist der Beste

Bleiben Sie gelassen, verlangen Sie nicht zu früh zu viel

Aber eben – es geht erstmal mit starker Zuneigung los und diese braucht gemeinsame Zeit. Genau dafür treten Kinder ein mit ihrer Anhänglichkeit.
So lange Eltern ganz normal, immer wieder und regelmäßig soziale Kontakte pflegen zu weiteren Familien-Angehörigen, zu Freunden, Eltern also ein bereicherndes Sozialleben leben und ihre Kinder das miterleben, müssen sie sich keinerlei Sorgen machen, wenn Ihr Kind als Kleinkind nicht alleine in Gruppen bleiben will. Heißt: So lange Sie sich als Familie nicht einigeln, wächst die Fähigkeit Ihres Kindes, soziale Kontakte zu Anderen allmählich ebenfalls einzugehen, dies wächst ganz normal mit.

Dieser Tage sprach ich mit einer Mutter, deren Kind die ersten drei Jahre extrem anhänglich war und ohne Mama nirgends bleiben wollte. Sie lachte, als wir darüber sprachen wie das damals war und lachend sagte sie dann: „Heute ist er ein gestandener junger Mann und ist extrem selbstständig!“ Und wir waren uns einig: Mit starken Wurzeln wachsen Kindern ganz allmählich tolle Flügel. Seien Sie sicher – zweifeln Sie nicht an Ihrem Kleinkind, wenn es gerne und die meiste Zeit in Ihrer Nähe sein will – auch Ihr Kind will die Welt entdecken und keinesfalls auf Dauer auf Ihrem Schoß bleiben – aber das dauert und  es geht anders, als wir oft annehmen, bzw. als es heute da und dort vermittelt wird.

Viel Vergnügen bei allem, was Ihnen im Zusammen-Sein einfällt und
bis zum nächsten Mal, herzlich
Ingrid Löbner

Allgemein

Armutsrisko Kinder – der deutsche Skandal

Liebe Eltern,
im Rundbrief des Deutschen Familienverbandes ein weiteres Mal die wichtige Nachricht an die Bürger dieses Landes: 21 % der Kinder leben ständig in Armut, weitere 9% der Kinder in Deutschland müssen immer wieder existentiell prekäre Situationen erleben. Das heißt: etwa ein Drittel der Kinder, genauer gesagt Erwachsene mit ihren Kindern, also FAMILIEN erleben existentiell keine anhaltend sichere Situation.

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Hier das klare, deutlich informierende Zitat aus der Rundmail des Deutschen Familienverbandes:

„Kinderarmut ist gleichzeitig immer Familienarmut. Abermals zeigt eine Studie, wie dringend es ist, die politischen Weichen endlich auf den richtigen familienpolitischen Kurs zu stellen“, sagt Siegfried Stresing, Vizepräsident des Deutschen Familienverbandes. „Dass ein Land wie Deutschland seit vielen Jahren ein erhebliches Problem mit Kinderarmut hat, ist in erster Linie einer familienblinden Sozialversicherung geschuldet, die Familien millionenfach in die Armut treibt. Bis heute findet die Politik nicht den Mut, diesbezügliche Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts konsequent umzusetzen, um Familienarmut zu verhindern.“

Bereits 2001 entschied das Bundesverfassungsgericht, dass es mit dem Gleichheitssatz des Grundgesetzes nicht zu vereinbaren ist, dass diejenigen, die Kinder erziehen und betreuen mit demselben Geldbeitrag in der Sozialversicherung belastet werden, wie diejenigen, die keine aktive Verantwortung für Kinder tragen.

„Der fehlende Kinderfreibetrag in den Sozialversicherungszweigen der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung ist einer der wesentlichen Gründe dafür, warum wir bei der Lösung der Kinder- und Familienarmut nicht vorankommen“, sagt Stresing.

Nach Berechnungen des Deutschen Familienverbandes („Horizontaler Vergleich“) ist bereits für ein Ehepaar mit zwei Kindern die Steuer- und Abgabenlast so hoch, dass die Familie trotz Kindergeld unter das von der Verfassung vorgesehene Existenzminimum fällt. Je mehr Kinder Eltern zu versorgen haben, desto dramatischer wirken sich familienblinde Sozialversicherungsabgaben auf das Familieneinkommen aus. Eine fünfköpfige Familie mit einem Jahreseinkommen von 35.000 Euro liegt beispielsweise 7.000 Euro unter dem gesetzlichen Existenzminimum.

„Trotz harter Arbeit sehen sich die meisten Eltern nicht in der Lage, ihre Kinder mindestens oberhalb der Grenze des existenzminimalen Lebensstandards zu erziehen, weil der Gesetzgeber Verfassungsvorgaben kontinuierlich ignoriert. Dieses Problem zu lösen, muss eine der wichtigsten Aufgaben der künftigen Bundesregierung sein“, so Vizepräsident Stresing.“

Zunehmende Armut und gesellschaftliche Schlechterstellung von Familien beenden!

Wir dürfen diese Situation nicht weiter als gegeben hinnehmen. Es ist schlicht krasse Ungerechtigkeit, dass diejenigen, die Zeit brauchen und täglich ihre Energie und jegliches Geld in die Sorge für ihre Kinder, also für die nächste Generation einer Gesellschaft aufbringen, in den Abgaben so hoch belastet werden, dass viele von Ihnen von vornherein gegenüber kinderlosen Menschen existentiell gefährdet sind.
Das Kindergeld ist keine Familienförderung, sondern gibt Eltern nur zum kleineren Teil etwas von dem Geld zurück, was sie zuvor durch Steuern und Abgaben gegenüber Kinderlosen deutlich zu viel bezahlt haben.
Sprechen Sie jetzt mit den Abgeordneten Ihres Wahlkreises, machen Sie Druck, dass die chronische Benachteiligung von Ihnen als Eltern, diese Schlechterstellung von Familien ein Ende findet.
Einzelne Abgeordnete rieten vor der Bundestagswahl, dass das beste Mittel gegen Kinderarmut sei, dass beide Eltern voll arbeiten.
Wenn der Familienarmut nur dadurch entgegen getreten wird, dass Eltern noch mehr arbeiten und damit beide Elternteile kaum mehr Zeit finden für ihre Kinder ( anstatt dass beide Elternteile ein Recht auf Teilzeit bei späterem Recht auf Rückkehr in Vollzeit hätten), dann wird Eltern bleibend noch mehr an Last zugemutet, jedoch ändert sich NULL an der zu hohen Besteuerung der elterlichen Einkommen.
Was mit der Ganztagsarbeit beider Elternteile einher geht ist, dass Familien dauerhaft unter hoher Belastung und damit ständig im täglichen Stress im Familienleben stehen. Daran sollten wir etwas ändern, denn dauerhaft mehr Arbeit für beide Elternteile lädt Ihnen am meisten auf, die Sie bereist vielfältig belastet sind.
Es ist keine zu hohe Forderung, für mehr Familienzeit bei gleichzeitig weniger hoher, steuerlicher Belastung einzutreten, vielmehr bedeutet das: Eintreten für eine längst fällige Gerechtigkeit für Familien mit Kindern.
Seien Sie ganz nüchtern und stehen Sie für sich ein, Sie haben mit Ihren Kindern berechtigte  Ansprüche gegenüber jenen, die keine Kinder versorgen und unterhalten.

Herzliche Grüße für diese Woche

Ingrid Löbner

Allgemein

Fair teilen …?

Liebe Eltern,
seit einigen Wochen kommt diesen Sommer über eine interessante Sendereihe auf SWR2 : „Die teilende Gesellschaft“ (www.swr2.de/wissen);  es geht um alle möglichen Formen des Teilens in menschlichen Gesellschaften. Unter anderem ging es in einer Sendung um die Frage der fairen Verteilung staatlicher  Gelder an Familien.
Sie finden diese besondere Sendung der Sendereihe unter:

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/die-geteilte-gesellschaft-unfair-geteilt/-/id=660374/did=19974264/nid=660374/9dtrgi/index.html

Auch in dieser Sendung wird deutlich, dass Eltern finanziell mehr zusteht, sowie, dass es weiterhin so ist, dass Reichtum in erster Linie vererbt wird, er kaum erarbeitet werden kann.
Vor einer starken Woche wurde gewählt – eine neue Regierung wird sich bilden und unter den daran beteiligten Partnern  die Eckpunkte der Politik für die nächsten vier Jahre aushandeln.
Es wäre gut, wenn sich Ihre Abgeordneten für Sie einsetzen, sich bei den bevorstehenden  Koalitionsverhandlungen  für Ihre Interessen stark machen, damit Familien um der gesellschaftlichen Gerechtigkeit willen weniger stark besteuert werden.
Wir sollten nicht weiterhin von „Kinderarmut“ , sondern ehrlicher Weise von „Familienarmut“ sprechen.
Machen Sie sich getrost stark für Ihre Kinder und Ihre familiären Interessen – es steht Ihnen zu.
Es darf nicht sein, dass Menschen mit mittleren und unteren Einkommen ihre Kinder nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft (notwendiger Weise auch mit Rücklagen für Not-Situationen) unterhalten und ausbilden können.
Wir wissen heute, dass existentielle Sorgen Menschen eher in die Arme extremer politischer Akteure treibt. Wenn wir möchten, das der Zusammenhalt in unserer Gesellchaft bleibt, besser noch: gestärkt wird, ist wichtig, Armut zu bekämpfen und einen starken Mittelstand in einer Gesellschaft breit zu fördern.
Treten Sie mit Mut für sich ein – es ist Ihre Lebenssituation in den nächsten Jahren, die Ihrer Familie. Viel Erfolg …!
Herzliche Grüße
Ingrid Löbner

Allgemein

Lady Di – und was wir alle als Eltern von ihr lernen können :)

Liebe Eltern, 

im August waren es 20 Jahre, dass Lady Diana an den Folgen des schweren Autounfalls in Paris starb. Weit über zwei Milliarden Menschen verfolgten einige Tage später ihre Beerdigung, weltweit wurde heftig um sie getrauert.
Mir war sie früh als sehr mutige Frau aufgefallen, bereits zu einer Zeit, als sie von vielen noch als schlicht naive, junge Erzieherin (manche nannten sie auch ein junges, unerfahrenes „Dummchen“) betrachtet wurde. Warum schaute man sie als „junges Ding“, irgendwie als eben unerfahrenes „Herzchen“ an? Dabei kann man aus meiner Sicht als Eltern viel von ihr lernen. Und ich neige wirklich überhaupt nicht zu gefühlsduseliger Klatschpresse-Leserei. 

Mutterliebe

Empathie und Elternliebe statt starres Protokoll

Zu jener Zeit gab das Protokoll im Hochadel – übrigens in sämtlichen Königs-Häusern Europas –  noch vor, dass die Erwachsenen ihr königliches Leben leben, auf (Dienst-)Reisen gehen, ihre Kinder aber dann lange Zeit bei Nannys zu Hause zu bleiben haben.
Diana widersetzte sich diesem strikten Protokoll und weigerte sich, ihre Kinder über lange Zeit Dritten zu überlassen. Ich erinnere mich gut, wie sprach- , ziemlich spöttisch und eher verständnislos die Kommentare waren, dass diese junge Frau entgegen allem Protokoll mit ihren kleinen Kindern reisen wollte. Wie kam sie denn auf so eine Idee? Als Adlige hatte man das doch nicht nötig, schließlich konnte sie doch sämtliche Privilegien an der Seite des zukünftigen Königs genießen und die Kinder-Plage zu Hause lassen? Warum wollte sie es partout ? So verwundert äußerte man sich Anfang der 1980er-Jahre noch.
Ich sehe die Bilder im Fernsehen aus dieser Zeit noch vor mir, wie sie als Erste eines Königshauses mit ihrem kleinen Sohn aus dem Flugzeug trat, bei der  langen Reise ans andere Ende der Welt, nach Australien. William war auf ihrem Arm und als erstes königliches Kind ab sofort einfach dabei – Diana ließ nicht zu, dass ihr Sohn sie über lange Zeit vermissen würde. Als noch kaum öffentlich über Gefühle und Sehnsüchte kleiner Kinder und über die Wichtigkeit ihrer Bindungen zu ihren ersten  Bezugspersonen gesprochen wurde, forderte Diana die Rücksichtnahme genau darauf kurzerhand ein und wagte es, der Tradition eines weltweit bedeutsamen Königshauses öffentlich die Stirn zu bieten. Sie war gerade mal 21, 22 Jahre alt!
Ich fand ihr Einfordern und Handeln nur mutig und hatte ab da vor ihr echte Hochachtung – auch wenn andere sie nur ein „unerfahrenes Mädchen“ nannten.

Geliebt werden und Kind sein dürfen, wichtiger als alles andere

Gestern sendete der NDR eine Dokumentation, in der ihre Söhne reichlich (die meiste Zeit mit Strahlen in ihren Gesichtern) erzählten, wie schön es war, ihr Kind zu sein, sie zur Mutter zu haben. Dass Diana darauf aus war, viel Zeit mit ihnen zu haben, dass sie gute Laune versprühte, zu Schabernack, Spiel und Späßen aufgelegt war und sie sie als ihre Jungs Kinder sein ließ, mit allem Spiel, auch mit reichlich Dummheiten, die  für sie nun mal dazu gehörten. Sie verstand und vermittelte ihnen, dass Kinder nicht nur wohlerzogen und angepasst sein können, sondern einfach kindlich sein wollen mit allem, was für Kinder (ob adlig oder nicht …) sein muss. Sie bestärkte ihre Söhne darin, Kind zu sein. Parallel hierzu nahm sie sie wohl auch sehr früh mit zu den Unterprivilegierten der Gesellschaft, besuchte mit ihnen die Aids-Kranken (zu einer Zeit, als Aids noch als reine Schwulenkrankheit angesehen wurde), oder Obdachlose, war mit ihnen bei Notleidenden, und ließ sie (um William zu zitieren), das „ganz normale“ Leben, mit allen Tiefen, außerhalb der Palastmauern miterleben.
Beide, William und Harry erzählen davon, wie stark sie bis heute ihre Liebe spüren, dass sie dieses Gefühl, in ihren wohl-erzogenen, aber gerade mit ihren kindlichen, auch frechen Seiten stark geliebt worden zu sein, durch ihre Mutter bis heute in sich spüren. Und natürlich kam auch Trauer zu Wort, dass es ein Schock war, diese Mutter plötzlich verloren zu haben.

Liebe, Zuneigung und Mitgefühl machen Eltern zu echten Vorbildern

Mich beschäftigte beim Zuhören und Zusehen einmal mehr die Frage, was es alles war, dass Diana schließlich weltweit bewundert wurde. Von wegen  „naives Dummchen“.
Es war einerseits ihr Strahlen, ihre offensichtliche Schönheit. Ganz sicher bin ich aber, dass es besonders ihr Mut war, dass sie sich weigerte, sich wegen Äußerlichkeiten –  in ihrem Fall wegen der höfischen, adligen Tradition, um des Protokolls willen („So ist das bei Hofe, im Adel, schon immer!“) – zu beugen, sondern sie  sich leeren, herzlosen Einstellungen widersetzte. (Nicht nur bezüglich ihrer Kinder, auch bezüglich der adligen Gepflogenheit, dass alle Prinzen von Wales eine Mätresse haben und die Ehefrau das eben zu dulden habe).
Diana stand zu ihrem Erleben und Empfinden – obwohl auch sie, bis zum Krankwerden  Selbstzweifel hatte –  und stand königlich dafür ein. Ihr Gefühl sagte ihr, dass ihre Kinder sie brauchen, davon wich sie nicht ab, egal was Traditionen, Protokolle, Vorgaben und das Leben der Anderen um sie herum sagten.
Sie stand für Gefühl und Mitgefühl, lebte beides mit ihren Kindern, nährte sie dadurch und zeigte ihnen, worauf es zuallererst ankommt im Leben.
Schließlich wurde sie weltweit darin geachtet, und  – obwohl ihr der Titel „königlich“ aberkannt worden war durch die Scheidung –   wurde sie mit ihrem Eintreten für Mitmenschlichkeit und Mitgefühl, mit ihrer Warmherzigkeit zur Königin für viele. So wie sie war, wurde sie weltweit stark geliebt.

Was Eltern von Diana lernen können – und wie das Kinder glücklich macht

Meine Gedanken gestern während ich den Söhnen zuhörte: Alle Eltern sollten es Diana gleich tun.
Alle Mütter, alle Väter sollten für sich eintreten, sollten sich für ihre Gefühle entscheiden (egal was unser „Protokoll“ des modernen Lebens sagt, was als Norm vorgegeben wird, was alle machen, was wir um des guten Rufes willen, um unseres Ansehens in der Gesellschaft, oder wegen unserer Existenz oder Akzeptanz  zu tun oder zu lassen haben ..!).
Mütter und Väter sollten es wagen, sich zu bekennen: Dass ihre Kinder in ihrer Sorge an erster Stelle stehen; Eltern sollten ihre königliche Energie ernst nehmen und für die Gefühle ihrer Kinder, deren Sehnsucht nach Bindung eintreten, sollten  dem aktuell gültigen, bürgerlichen Protokoll widersprechen!
Dieser Tage pfeifen es die Spatzen von den Dächern, und ein Dr.Eric Schweitzer aus dem Präsidium der Industrie-und Handelskammer unserer Republik sagte es im Morgenradio (SWR) vor wenigen Tagen rundheraus, so ungeschönt und klar wie selten: Deutschland habe Fachkräfte-Mangel. Die Frauen müssten in die volle Erwerbsarbeit, die Kinder-Betreuung müsse dringend auch ab frühem Alter der Kleinen ausgebaut werden.
Bei Hofe heißt das Protokoll: Empfänge und internationales Reisen, für die Kinder zuallererst Erziehung nach adliger Etikette.

Stellen Sie Ihre Kinder an die erste Stelle – nicht die Erwartungen um Sie herum!

In den bürgerlichen Kreisen heißt das Protokoll inzwischen: Schnell und früh, äußerst zügig in die Erwerbs-Arbeit zu gehen; das ist aktuelle Norm, an die sich alle im Land halten sollen.  „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ heißt die bürgerliche „Etikette“ und für die Kinder wird es „Frühe Bildung“ genannt.
Ob bei Hofe oder im bürgerlichen Leben: Es geht bei beiden Protokollen nicht um  zentrale Bedürfnisse von Kindern. Ob adlig oder bürgerlich, alle Kinder haben nachweislich zuallererst eine Erfahrung am nötigsten: Dass sie tagaus tagein das Gefühl bekommen, stark geliebt zu werden; und dass sie ihrer Sehnsucht nachgeben dürfen, nämlich möglichst reichlich Zeit mit ihren Eltern zusammen zu sein, ihre nächsten Lieben viel täglich erleben zu können. Das ist es, was Kinder klug, stark, emotional und auch intellektuell intelligent macht (genau nachzulesen, warum das so ist, bei Prof. Dr. G. Hüther : „Jedes Kind ist hochbegabt“).

Seien Sie als Eltern Könige der Herzen 🙂

Dass man zeitweise und zwischendurch etwas Hilfe durch eine Nanny braucht, das wäre es, worauf alle Eltern, ob adlig oder bürgerlich gewisse Stunden in der Woche immer Anspruch haben sollten, denn ALLE brauchen auch Hilfe beim Versorgen ihrer Kinder.
Wir sollten also nicht ausschließlich die herzlich strahlende Diana für ihre Warmherzigkeit und ihren Mut bewundern, sondern wir alle sollten unsere königlichen Züge entdecken. Für Kinder  in den ersten Jahren ihres Aufwachsens sind alle Eltern  „Königin“ und „König“.
Kinder haben Sehnsucht, und wie Diana wären wir mutig, uns öffentlich und rundheraus für die Sehnsucht unserer Kinder stark zu machen, also zu widersprechen, was uns derzeit das moderne Protokoll vorgibt: also nicht mehr die Kinder die meiste Zeit den Nannys zu überlassen (weil das die Wirtschaft und die derzeitige Familienpolitik so will), sondern Gefühle ernst zu nehmen, für Warmherzigkeit einzutreten und unsere königliche Rolle im Leben kleiner Kinder wahrzunehmen.

Übrigens: Es gehört (nicht nur bei Diana) für alle dazu, dass sie in der elterlichen Arbeit existentiell gesichert werden müssen. Für jegliche Eltern gilt: Dass sie, die für Kinder sorgen, das Sorgerecht und das Recht auf existentielle Absicherung haben. Dass wir für eine gerechtere Familien-, Steuer-und Renten-Politik eintreten (nachzulesen bei J. Borchert oder R.Stadler) , die es nicht zulässt, dass Eltern arm werden, wenn sie Zeit mit ihren Kindern brauchen und daher nicht beide ganztags außer Haus arbeiten können.

Lassen wir uns vom Mut und der Warmherzigkeit einer Frau anstecken, trotz aller Zweifel (unter denen sie als Prinzessin genauso wie wir reichlich litt) und wagen wir es, dem derzeit vorgegebenen Protokoll zu widersprechen.
Ich wünsche Ihnen und mir, dass durch Ihre Zuneigung und Ihr gemeinsames Vergnügt-Sein Ihre Kinder ein Strahlen und eine emotionale Sicherheit in sich tragen, dass sie sich in einem positiven Lebensgefühl von klein an geadelt fühlen und sie ihren Mitmenschen warmherzig begegnen –  genau wie William und Harry …

Stehen Sie zu Ihrer Warmherzigkeit,  haben Sie Mut, beides adelt …
Bis bald wieder (mit etwas Pause, da ich ab heute ein wenig in die Ferienzeit abtauche),
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Der Kampf ums anständig Essen – und warum er keinen Sinn macht

Viele Eltern fragen sich diese Frage, hören außerdem von allen Seiten: Sorgt dafür, dass Dein Kind beim Essen Regeln akzeptiert, bring ihm früh bei, dass beim Essen und mit Essen nicht gespielt wird und so weiter und so fort … Heute will ich Ihnen erklären, warum dieser so frühe Kampf um Regeln und anständiges Essen nur Stress aber überhaupt keinen Sinn macht. 

kids eat pizza and pasta at cafe. children eating unhealthy food indoors

Zunächst einmal ist es mit Rigorosität ja sowieso meist nicht getan, außer Stress und Streit, man erreicht letztendlich nichts. Und die Kälte darin ist im Umgang mit Kindern sowieso eine eher probelmatische Einstellung.

Aber einfach ist das alles auch nicht – denn kleine Kinder haben einen hohen Bewegungsdrang und können tatsächlich weniger gut  stillsitzen als Erwachsene. Zudem fassen sieauch noch alles an, um es im wahrsten Sinn des Wortes durch Greifen zu begreifen.

Was nun? Darf das Kind also alles? Muss man Herummatschen und Herumzappeln bei Tisch mit Kindern dulden?
Es hilft, erstmal zu wissen, dass sich das alles je nach Alter eines Kindes verändert und unterschiedlich angehen und einrichten lässt.

Kinder erleben (und genießen) mit den Händen

Kleinere Kinder (bis zu zwei, zweieinhalb Jahren) wollen wirklich das Meiste gerne noch mit der Hand fühlen, oftmals auch vieles lieber aus der Hand essen – das hilft ihrem Appetit deutlich auf die Beine. Mit reichlich „Spüren“ macht Essen Freude und eine zeitlang sind Eltern gut beraten, sich auf etwas weniger Gepflegtheit und dem „Mehr mit den Händen machen dürfen“, einzustellen. Das hört ganz von selbst bald wieder auf.
Dann kommt die Zeit, in der Kinder viel Freude haben (diese Freude beginnt früh und wird neben „Essen mit den Händen“ parallel gepflegt), wenn sie ebenfalls ihre Geschicklichkeit mit Löffeln, Gabeln, Messern üben, wie sie es bei den Großen sehen;  lassen Sie ein Kind zumindest mit Löffel und Gabel früh üben – der Eifer dabei freut Ihr Kind und lässt es zusehends geschickt werden, hält es in Konzentration, auch mehr Ruhe durchs ernste Üben, somit auch lieber und etwas länger bei Tisch.

Regeln mit Lust und Laune ganz spielerisch lernen

Mit etwa vier Jahren haben dann Kinder große Freude an Regeln und nun kommt die Zeit, in der sie Regeln lernen, vertreten und drauf achten, dass alle sich dran halten. Jetzt ist die Zeit, immer mal auch die schönen Sitten bei Tisch mit Kindern zu üben. Jetzt tun sie es liebend gerne, ermahnen auch die Großen: „Papa, man darf nicht mit vollem Mund reden…“ und haben Spaß dran, wenn wir mit ihnen „feine Sitten“  z.B.  durch ein echt „Feines Essen unter feinen Leuten“ spielen. Alle ziehen sich fein an, der Tisch ist besonders fein gedeckt und alle spielen zusammen „feine Gesellschaft“. Sie staunen, wie genau Kinder beobachtet haben, wie feine Leute wirklich vornehm essen; wenn man sich dann noch entsprechend fein anredet „Frau Rosenbaum, bitte reichen Sie mir doch mal das Gemüse…“ , „Aber gerne, Herr Lilienkron, ich wüsst nicht, was ich lieber tät …“ – dann werden schwuppdiwupp die guten Sitten bei Tisch spielerisch gelernt. Kichern und  Lachen muss man dabei auch und so macht alles einfach Spaß  – und Eltern sind eine Sorge los! Fangen Sie also mit dem Lernen der Regeln bei Tisch dann an, wenn Kinder das Alter für Regeln haben, nicht zu früh, denn dann strengt es Sie zu sehr an und allgemeines Generve greift um sich – dabei lernt man Gewünschtes eher schlecht. Mit Freude, Kichern und Spaß geht es viel leichter.

Seien Sie großzügig, ersparen Sie sich Stress – es lohnt sich nicht!

Zum Bewegungsdrang: Kleine Kinder bleiben eher ruhiger beim Essen, wenn sie auf den Schoß von Mama oder Papa dürfen; wenn sie müde sind, dann von den Eltern eher auch mehr denn weniger gefüttert werden. Und wenn es nicht mehr geht, darf ein Kind aufstehen, spielen, sich – während die anderen noch fertig essen – mit etwas beschäftigen, das es in verträumte Ruhe bringt; meiner Ansicht nach, dann ruhiges Spielen durchaus auch bei Tisch. Denn: Als Kind will man bei den anderen sein, Teil der „kleinen Herde“ sein; wenn es dabei hilft, dass mehr Träumerei und Ruhe einkehren kann, ist das immer ein gutes Anliegen. Dann fährt ein Auto etwass leiser brummend schon mal auf dem Tisch entlang, bis alle fertig sind. Nicht zu streng sein  – Spielen hilft oft in Trance und Entspanntheit und ist ein gutes Anliegen eines Kindes. Erst später, wenn Kinder deutlich größer sind, kann man erwarten, dass Kinder eine Zeit gemeinsam mit allen längere Zeit bei Tisch bleiben können und das genießen.
Rituale des gemeinsamen Anfangs und des Endes helfen immer, dass man gemeinsam in etwas mehr Ruhe findet – dies schon früh, denn Kinder lieben Rituale wie „Sich die Hände geben“ , dazu schöne, immer wieder gleiche Tisch-Verse zu sprechen.

 

Pädagogik der kleinen Kompromisse

Eine Regel bewährt sich sehr, sobald es mehrere Kinder sind: Alle Kinder dürfen zusammen aufstehen, wenn alle Kinder fertig sind mit Essen. Lediglich auch hier gilt: Kleine Krabbelkinder, die auf den Boden wollen, um ein wenig los zu krabbeln, weil sie solch große Freude dran haben, dass sie sich jetzt selbst bewegen können, die dürfen dann einfach schon früher auf den Boden, denn sie können manchmal nicht so lange warten, bis größere Kinder bei Tisch fertig sind. Aber solche Ausnahmen für Kleine verstehen größere Kinder nur zu gut. Sagen Sie einfach: Mia (oder Jonas …) ist noch zu klein, sie kann die Regel noch nicht einhalten, sie darf einfach los. Später kann sie es dann auch.“ So verstehen Kinder, dass Regeln an das jeweilige Können angepasst werden und wir nie zu stur sind. Das stärkt und bestärkt in Kindern Einfühlungsvermögen und Warmherzigkeit.  Gnade vor Recht – das ist immer gut im Zusammenleben untereinander!
Guten Appetit und bis bald,
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Unser Kind ist so eifersüchtig – was tun?

Viele Eltern sind heutzutage schnell stark in Sorge, wenn ein Kind Eifersucht zeigt. Oftmals schildern mir Eltern, was sie alles unternehmen, wie sehr sie einzelnen Kindern viel an einzelner Zeit einräumen, sie sich zwischen ihren Kindern aufteilen, sich oftmals geradezu zerreißen, weil ein Kind sich eifersüchtig zeigt, sie als Eltern dann folgern, dass sie sich jetzt deutlich stark, mit enorm viel Zeit um dieses eine Kind kümmern müssen.

Eifersucht zwischen Geschwistern ist völlig normal

Die allererste, wichtigste Botschaft für Sie als Eltern:
So sehr man als Kind auch zwischendurch eifersüchtig auf Geschwister sein kann, Geschwister zu haben ist dennoch das, was nahezu alle Kinder sich sehnlichst wünschen. Trotz Ärger, trotz Streit zwischendurch mit ihnen, trotz Einschränkungen, die man durch sie miterlebt – es ist auf der Wunschliste von Kindern ganz oben, dass sie Geschwister haben wollen;  sehr häufig auch bei jüngeren Kindern (vor der Pubertät),  dass Mama und Papa doch bitte nochmal ein Baby bekommen sollen!
Ja, so spürt man schon als Kind – das Leben ist wunderschön, vielfach noch schöner, wenn sich Sehnsüchte erfüllen – und doch hat man dann natürlich immer Licht und Schatten, beides, das man erleben muss. Das Gute: Allein dadurch erleben Kinder wunderbar realistisch, wie das Leben nun einmal ist: Schön und zeitweise weniger schön – einfach immer beides.
Also dürfen Sie als Eltern jeden Tag drauf vertrauen, dass etwas Eifersucht ganz normal zu den Prozessen des Aufwachsens unter mehreren Kindern dazugehört und im alltäglich eintretenden, üblichen Rahmen von einem Kind auch zu verkraften ist, diese Erfahrung zu einer realistischen Einstellung zum Leben eben dazu gehört.

Little girl sad because of jealous younger sister to parents. focus on girlKindern lernen fürs Leben: Gönnen, Teilen, Rücksichtnahme

Ja, man muss in der Familie teilen mit den anderen Kindern. Ja, man muss es manchmal für kleine Momente aushalten, dass das andere Kind zuerst mit etwas dran ist, bei mehreren Kindern das Warten immer wieder auch länger dauern kann und man das wirklich aushält! Ja, man kann nicht immer alles bekommen, weil Alles für alle reichen muss – also lernt man ganz normal, dass etwas Einschränkung zu verkraften ist und man es trotzdem mit Geschwistern weiterhin schön hat – auch bei etwas Verzicht durch die Anwesenheit Anderer neben sich.
Erfahrungen, die eine gute, realistische Vorbereitung bedeuten auf das, was das Leben einem sowieso noch alles zumuten wird … (Das Leben auf diesem Planeten bietet für jeden nicht ständig unbegrenzt alles. Diese Tatsache ist etwas, was vielen Erwachsenen der reichen Länder immer noch schwer fällt, diese Tatsache heutzutage realistisch zu erleben und einfach auszuhalten. Wir Bürger der reichen Länder benehmen uns  – gemäß den Berichten von Verbänden, die sich um die Ressourcen unseres Planeten sorgen – weiterhin so, als hätten wir mehr als eine Erde zur Verfügung; wir muten einfach unseren Enkeln, den zukünftigen Generationen, später, die Einschränkungen zu).

Ein paar einfach Tipps für weniger Eifersucht und mehr gemeinsame Freude

Ein paar Dinge kann man beherzigen, damit Kinder mit eifersüchtigen Gefühlen nicht überfordert sind, sie dem Alter des Kindes entsprechend auch gut verkraftet und ausgehalten werden können:
Wenn ein neues Kind geboren ist, ist es für das nächst größere Kind schön (und bei mehreren Kindern, die alle eher noch kleinere Kinder sind, gilt das für alle Kinder, die Sie haben), dass es auch viel zu Hause sein darf und die Nähe und Geborgenheit, die das kleine Baby jetzt bekommt, miterleben kann. Dies mitzuerleben nährt im Kind ganz real das wichtige Gefühl:  „Unsere Eltern haben wirklich ausreichend Wärme für alle ihre Kinder“; zusätzlich lässt das Miterleben ein größeres Kind herrlich eintauchen in den Zauber, der von kleinen, neugeborenen (aber auch etwas größeren) Babys ausgeht. Diesen Zauber miterleben zu dürfen, das alleine gleicht vieles an möglicher Eifersucht aus.

Je kleiner das zuvor geborene Kind noch ist, umso dringender sollte man es auch mit gleich viel Zeit wie das kleinere Baby um sich herum haben, weil ein noch kleines Geschwister, real körperlich, mit viel Zeit erleben muss, dass es tatsächlich weiterhin gleichermaßen erwünscht und umsorgt ist.
Aber auch etwas größere Geschwister genießen das Dasein mit einem Baby enorm.
Es stärkt größere Kinder (das geht früh los, schon ab einenhalb, zwei Jahren des größeren Kindes), wenn man sie in die Versorgung des Kleinen mit einbezieht.  Wenn Größere mitversorgen dürfen (und sei es, dass sie nur den Schnuller finden und bringen, den das Baby gerade braucht), werden sie stolz, dass sie schon „richtig“ großer Bruder, große Schwester sind und diese Erfahrung des Groß-Seins und des „etwas schon können, was das Kleine noch nicht kann“ stärkt deutlich das Selbstwertgefühl des größeren Kindes; genau das besänftigt mögliche Eifersucht.
Wenn man dazu kleine Privilegien haben darf (aber wirklich kleine, sie reichen vollkommen aus!), weil man schon etwas größer ist als der kleine Winzling (z.B. beim Einkaufen mitkommen und  mithelfen darf, oder abends, wenn das Baby „nur“ gestillt wird, nah dabei sitzen darf und man eine kleine Geschichte erzählt oder vorgelesen bekommt etc. etc.), dann kann man als Kind spüren, dass es gut ist, groß zu sein und zu werden, und man als Kind gar nicht immer nur neidisch sein muss.

Teilen üben und warmherzig und pragmatisch gemeinsam gute Lösungen finden

Bei Spielsachen ist es am besten, man führt früh ein, dass alle Sachen einfach für alle Kinder zum Spielen da sind; dass Spielsachen von vornherein weniger Eigentum bedeuten, sondern sie eben einfach Sachen zum Spielen für jegliche Kinder sind – das beugt vielem Streit vor. Lediglich Puppen und Kuscheltiere sind die „Kinder“ einzelner Kinder und müssen weniger geteilt werden (wobei auch Puppen und Kuscheltiere durch Geschwister „Tanten“ und „Onkels“ haben, was auch schon wieder schön ist und Einfälle bietet für gemeinsames Spielen …)
Was Eltern heute ebenfall oft vergessen: Es ist für Kinder schön, gemeinsam abends im selben Zimmer einzuschlafen, oft noch schöner, gemeinsam mit Geschwistern im selben Bett zu liegen!
Generell kann man besten Gewissens sagen: Kinder sind in den meisten Fällen nicht gerne alleine in Räumen, genau besehen brauchen sie die meisten Jahre ihres Aufwachsens kein eigenes Zimmer. Der eigene Raum, in dem man gerne alleine wohnt, bekommt erst dann stärkere Bedeutung, wenn man ein Erwachsener wird, bedeutet, etwa ab der Pubertät. Erst als Erwachsener prägt sich die ganze Persönlichkeit mit ihren stärkeren Ecken und Kanten aus, dann sehnt man sich zeitweise nach dem eigenen Raum.

Davor, während der langen Jahre als Kind, lieben Kinder es sehr (trotz allem Streit, den sie zwischendurch natürlich auch haben – keine Sorge, das ist normal im realen Zusammenleben unter kleinen wie größeren Kindern), dass ein oder zwei Kinder (in größeren Familien durchaus auch mehrere Kinder ) das Zimmer und die gemeinsame Atmosphäre teilen.
Warum? Im gemeinsam belebten Zimmer spielt sich wenig Einsamkeit, aber sehr viel Leben ab; ganz besonders auch reichlich Viel an kindlichem, unentwegtem Spielen und den dazugehörigen wunderbaren Spinnereien,  die vielen Momente des witzigen Zusammenseins unter Kindern; Erfahrungen, die man schnell vermisst, wenn man alleine sein soll als Kind. Viele von Ihnen kennen das, wie man stundenlang gespielt hat unter Kindern im selben Zimmer, oder was man sich unter Geschwistern vor dem Einschlafen noch alles ausgedacht und erzählt hat. Oder wie sonderbar es war und wie sehr man seine Geschwister vermisste, wenn man plötzlich irgendwo alleine, ohne sie bleiben sollte.

Fragen Sie mal bei Kindern aus größeren Familien nach, wie sehr sie es als Kinder genossen haben, dass sie immer jemanden zum Spielen und Spinntisieren hatten, sie Einsamkeit nicht kannten; auch bei Streit es gut war, dass man Räume zusammen  erlebt hat und man jemanden vertraut und nah hatte; und zwar jemand, der auch Kind war.
Seien Sie pragmatisch als Eltern, machen Sie sich weniger Sorgen – Kinder streiten mal, aber vertragen sich schnell wieder. Das grundsätzliche Gefühl: „Unsere Eltern haben uns alle gleichermaßen gern und uns auch alle gerne weiterhin viel um sich herum, in ihrer Nähe“ , dieses Gefühl ist lange wichtig;  aber genau diese Erfahrung reicht im Alltag auch aus, um Geschwister zu stärken und zu nähren.
Sie erinnern sich ? Genau …

Bis bald wieder
Ingrid Löbner

Allgemein

Kinder brauchen nicht viel fürs Sommerferienglück!

Liebe Eltern,

soeben, an einem gemütlichen Sommerabend, habe ich mir eine Radiosendung Südwestrundfunk (SWR) angesehen, die zeigte, wie das Ferienmachen für Familien in den Anfängen des Tourismus im Südwesten aussah. Alte Autos waren zu sehen, vollgepackt, mit denen Familien aus nördlichen Bundesländern in ihre Ferien in die südlichen Bundesländer zockelten. Ferien im Zelt am Bodensee oder in einfachen Wohnwägen, oder in den ersten Fremdenzimmern mit minimaler Ausstattung in den Bauernhäusern im Schwarzwald.

Junge springt vom Steg in den See

Erwachsene in der Sendung, die schilderten, mit welchen (Sommer-)Gerüchen ihre Erinnerungen verbunden sind, mit wie wenig Komfort alles einher ging, aber welches Glück es bedeutete, als Familie auf diese Weise einige Zeit in die Ferien fahren zu können – meist immer wieder an dieselben Orte, auch oftmals zu denselben Menschen. Dass regelrechte Freundschaften entstanden sind (die oft bis heute bestehen) zwischen den gastgebenden Familien und den Gästen; Erwachsene, die erzählten, dass sie als Kinder der gastgebenden Familie gleich schon glücklich waren, wenn sich Gäste mit Kindern anmeldeten  – und wie dann tagelang, unbeaufsichtigt, herrliche, unendliche Stunden des gemeinsamen Spielens unter „Stadt-“ und „Land-Kindern“ stattfanden.

Alle, die erzählten, schmunzelten über die Einfachheit des Zusammenlebens damals, mit wie wenig sich Gäste (und Gastgeber) zufrieden gaben;  und alle strahlten noch immer, wenn es um die Erinnerung an die wunderbaren menschlichen Begegnungen ging, unter allen Kindern und unter allen Erwachsenen.

Gemeinsame Zeit, Spiel und andere Kinder machen die Ferien perfekt, auch ganz ohne Luxus

Es scheint, dass herrliche Ferien weitaus weniger von Komfort oder großen Distanzen abhängig sind als wir immer wieder meinen, aber sehr abhängig sind von schön verbrachter gemeinsamer Zeit, unter Kindern fürs ausgedehnte  Spielen, unter Erwachsenen für ihre Gespräche über alles, was Erwachsene schon immer in ihren unterschiedlichen Lebenswelten bewegte und heute gleichermaßen bewegt.
Die heute noch strahlenden Gesichter der Erzählenden, wie sie verblüffende Ferien-Details (z.B. wie die Damen unter den Gästen das warme Wasser aufs Zimmer gebracht bekamen und die Herren sich durchaus noch im Hof am Brunnen wuschen) in herrlicher Einfachheit zu den „alten“ Bildern im Film erzählten, dieses Strahlen sprach Bände …
Gut, dass wir es auf diese Weise nicht vergessen: Es braucht ganz offensichtlich wirklich nicht den Komfort im Äußeren, um bleibende, wunderschöne Erlebnisse mit Anderen zu teilen und sich gerne dran zu erinnern. Alles andere war nicht wichtig …

Wir kennen das alle auch, oder?
Bis bald wieder,

Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Weniger Prinzessinnen und Prinzen, mehr Räubersöhne und -töchter!

Liebe Eltern, 

täglich werde ich von Eltern zu Rate gezogen, weil ihre kleinen Kinder nicht mehr schlafen, weil sie mit vier, fünf Jahren fleißig an ihren Nägeln kauen, manche entwickeln erste Tics, andere kleben abends an ihren Eltern und weichen keine Handbreit von ihren Hosenbeinen … Wenn die Eltern und ich, wir uns im Gespräch gemeinsam anschauen, wie die heutigen Tagesabläufe der Familien mit jüngeren Kindern (im Alter von 0 bis 6 Jahren, also noch VOR der Schulzeit) aussehen, dann wird in fast allen Fällen deutlich: Heutige Tage moderner Familien müssen rund laufen, morgens geht es zeitig los, die Kinder werden früh in die diversen KiTas verteilt, die Eltern eilen zur Arbeit, nachmittags kommt der eine früher, der andere später zurück, werden die Kinder aus den KiTas geholt, und dann in den einen oder anderen Kurs gebracht: Schwimmunterricht, Ballettstunden, Musikgarten für kleine Kinder usw. usf. . Alle und alles müssen funktionieren – nur eines funktioniert nicht mehr recht: Die Kinder finden nicht in ruhiges Spiel, in tiefen Schlaf, in Muße und verträumtes Verweilen, in echte Konzentration.

Wenn ich bei Eltern die vollen Tage  samt vollem Kurs-Programm in Frage stelle, kommt meist die Antwort: „Aber heute ist das üblich, andere machen noch viel mehr … Sie glauben gar nicht, wie wir angeschaut werden, wenn wir mehr und nur zu Hause sind und einfach spielen ….“
Tja, die Beratungsstunden zu mehr Konzentration und Schlaf kleiner Kinder wären nicht ständig so voll und ausgebucht, wenn das alles wirklich kein Problem wäre!

Mixed race kids are playing outsideSeien Seien Sie realistisch und lebensklug: Lassen Sie Ihre Kinder einfach Kind sein!

Glauben Sie all den Eltern eher weniger, die NOCH mehr leisten als Sie, glauben Sie lieber Ihren Kindern und Ihrem Alltags-Erleben:
Kinder, die nicht schlafen, nicht konzentriert und verträumt spielen, die an ihren Nägel kauen oder häufig quengeln, extrem „klebrig“ sind – sie sind definitiv am Rande ihrer nervlichen Belastung, und da hilft zuallererst eines: Weniger tägliches Funktionieren, mehr Muße und Spiel unter Kindern.
Soeben saß ich zum Ende meines Arbeitstages an einem kleinen Fluss, dessen Ufer wunderschön renaturiert wurde. Jetzt kann man wieder barfuß ins Wasser und über die großen Steine im Fluß balancieren, kleine Steine ins Wasser werfen, Dämme bauen, mit dem Sand am Flussufer dies und jenes bauen … Es ist hell und noch warm – und einige Kinder sind draußen und spielen. Ein gar nicht großer Abschnitt Flußlauf in einer kleinen Stadt  – bedeutet plötzlich wieder großen Reichtum für die Kinder, deren Lust am Verweilen und verträumten Spielen mit Wasser, Sand, Büschen, Bäumen (Ausprobieren, wie hoch man klettern kann, wunderbar!) ganz offensichtlich zunimmt.

Manchen sieht man an, dass sie häufig hier sind und mit großer körperlicher Sicherheit in diesem kleinen  Paradies täglich ihre kleinen oder großen Abenteuer erleben. SO bekommen Kinder ein gutes Körpergefühl, eine große Sicherheit in Körperbalance und Kraft, bei Spielen mit Dingen aus der Natur, alleine oder mit anderen Kindern,  und bei allem das Rauschen des Wassers im Ohr und sein Dahinfließen vor Augen  – das tut nebenbei noch ihrer inneren Ausgeglichenheit gut. Unserer erwachsenen Ausgeglichenheit ja auch – nicht umsonst sitzen auch wir Großen nach der Arbeit gerne an solchen Flussläufen.

Kinder wollen wild und versonnen Spielen, statt irgendwelche Kurse und Förderung!

Anstatt alle unsere Kinder durch reichlichen, täglichen Unterricht, Kurse und frühe Bildung zu unseren individuellen, modernen Prinzen und Prinzessinnen zu machen, wären einige Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wenn wir unseren Kindern mehr und wildere Orte zum Spielen einrichteten und sie bei ihrem Spiel in Ruhe ließen, sie also mehr Räuberdasein erleben dürften.
Ich wiederhole mich hier – aber heute begann mein Arbeitstag mit einer besorniserregenden Nachricht:
Die Gaben von Ritalin nehmen weiterhin stark zu – auch viele Erwachsene sind auf Dauer-Medikation mit Ritalin angewiesen. (Nachrichten auf SWR2 am 20.7.2017, morgens 9.00 Uhr). Da ich täglich auch mit den seelischen, nervlichen Nöten Erwachsener zu tun habe, kenne ich dieses Leid, wenn Erwachsene körperlich und seelisch aufgrund blank liegender Nerven nicht mehr können. Ich wünsche unseren Kindern eine solche Zukunft nicht, sie ist schwer.

Noch etwas kam heute in den Nachrichten: Kate und Prinz William sind mit ihren Kindern in Deutschland. Williams Mutter, Prinzessin Diana fiel Anfang der 1980-er Jahren damit auf und dabei heftig aus dem königlichen Protokoll, dass sie dafür eintrat, dass ihre Kinder zuallererst ihre Liebe brauchen (sie weigerte sich, ohne ihre kleinen Prinzen auf lange Reisen zu gehen, sie alleine bei Nannys zu lassen);  und dass die kleinen Prinzen so gut wie nur irgend möglich normale, verspielte Kindheiten haben sollten. Nicht zuletzt für diese warmherzigen Gesten ihren königlichen Kindern gegenüber, jenseits des damaligen höfischen Protokolls, wurde sie weltweit geachtet und stark geliebt.
Vielleicht mögen Sie heute noch eine schöne Geschichte lesen? Dann schauen Sie mal in Astrid Lindgrens „Märchen“ (Oetinger Verlag, Hamburg) und lesen Sie vor Ihrem Einschlafen die Geschichte von der Prinzessin, die nicht spielen wollte.

Seien Sie glücklich, wenn Sie noch Kinder haben, die aus Brombeeren Käse machen können und aus Blättern leckeren Spinat für die Puppen kochen … Zweifeln Sie nicht – wir brauchen mehr Räubertöchter und -söhne als Prinzessinnen und Prinzen – ganz sicher! Räubertöchter und -söhne haben unendlich viele Spielideen, waghalsige Einfälle und Unternehmungen, werden dabei klug und ganz nebenbei körperlich auch noch herrlich robust – was ihnen ein Leben lang Spaß bringt und ihre Gesundheit auf allen Ebenen erhält, nachweislich!
Bis bald wieder,
herzlich Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Sommer! Sonne auf der Haut, Sand zwischen den Zehen …

Liebe Eltern, 

uns Erwachsenen mag es manchmal zu heiß oder zu trocken draußen sein – für Kinder sind Sommertage ein einziges Glück.Erinnern Sie sich auch, WIE schön es war, stundenlang draußen spielen zu können? Die Sommer-Gerüche in der Nase, das Summen der Insekten, das Zwitschern der Vögel im Ohr?

Die Zeit, in der man auch die anderen Kinder aus der Nachbarschaft um die Ecke, immer, draußen antraf und man stundenlang alle möglichen Straßenspiele spielte? „Kaiser, wieviel Schritte schenkst Du mir?“, Fangen, Verstecken, Gummitwist-Hüpfen (ja, ich weiß, das waren nur wir Mädchen…), Ballspiele aller Art, Federball; oder weit weg streunen, Feuer machen, Lägerchen anlegen, kleine Banden bilden, sich necken, streiten, aber immer wieder zusammenfinden, weil es natürlich doch schön war, einfach stundenlang zu spielen …  Und das Beste: An den langen Sommerabenden, länger draußen bleiben zu dürfen, und wenn es schließlich doch Zeit fürs Bett war, dann waren die Erwachsenen großzügig und es reichte die Katzenwäsche; im Bett roch  man die Sonne auf der Haut und spürte die Krümel Erde und Sand zwischen den Zehen … und freute sich auf den nächsten Tag, um weiter zu spielen, da, wo man tags zuvor mit den anderen Kindern zusammen aufgehört hatte.

sunset in Prst Sjlland Danmark

Seien Sie großzügig im Sommer mit den Zubettgehzeiten!

Wenn Sie Kindern einen großen Gefallen tun wollen, dann lassen Sie solche „Sommer-Ewigkeits-Zeiten“ reichlich zu. Wie schon gesagt: fragt man heutige Erwachsene, was sie als besonders schön aus ihrer Kindheit erinnern, dann kommen gerade solche Schilderungen. Von „Kursen“, zu denen man nachittags hin sollte, um in diesem oder jenem früh gefördert zu werden, hat mir bei der Frage „Was war schön für Sie als Kind?“ noch nie jemand je erzählt. Aber vom Draußensein und stundenlangen Spielen mit anderen Kindern, bei Sonne und Wind, da und dort im Viertel, oder besser noch weit weg, damit die Erwachsenen sich keinesfalls einmischen konnten, davon allerdings erzählen alle Erwachsenen … Also, liebe Eltern, melden Sie Ihre Kinder nicht früh in Kursen an; und wenn Sie es doch getan haben, melden Sie sie bald wieder  ab, damit viel, viel Zeit für versonnenes Spielen bleibt. Das, woran wir uns gerne erinnern aus unserer Kindheit, das war einst wichtig, ging uns nahe und hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir uns auf allen Ebenen gut entwickelt haben.
Zu allem Glück kommt hinzu: Es sind immer weiter diese „sonnigen“ Erlebnisse, die Kinder froh und gesund auf allen Ebenen sein lassen; sie gehen ihnen unter die Haut und machen sie parallel auch noch klug, in jeder Hinsicht. Der Sommer sorgt vor! Was für ein Glück!
Genießen Sie es …
Mit sonnigen Grüßen, bis bald
Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Mehr Zeit und Ruhe für Familien – nicht weniger!

Liebe Eltern,

Ein weiteres Mal wird dieser Tage in den Medien gelobt, dass das Elterngeld Wirkung zeige: Beide Eltern arbeiten früh wieder VOLL – trotz Kindern – und verlieren so den Anschluss an die Arbeitswelt nicht. Ein Erfolg, vermeintlich. Aber wer denkt hier eigentlich an den Stress der Familien und vor allem an die Kinder selbst?

Als Beraterin, die tagaus tagein nahezu nichts anderes tut, als mit Eltern über die Unruhe (angefangen bei den Babys, die exzessiv schreien, bis zu den noch kleinen Kindern, die nicht in den Schlaf und auch nicht ins Spielen finden) ihrer Kinder zu sprechen, geht mir bei solchen Nachrichten immer als erstes durch den Kopf: „Ist das wirklich was Familien brauchen – egal wer von beiden wieviel arbeitet – wer denkt hier wirklich an die Kinder?“

Mein klare Empfehlung dazu liebe Eltern: Lasst Euch nicht so antreiben! Vertraut Eurem Gefühl mehr als allen Proklamationen der derzeitigen Politik!

Nahezu alle Eltern, mit denen ich die Schwierigkeiten ihrer kleinen Kinder bespreche, sagen mir, dass ihr Gefühl ihnen sagt, dass sie mehr Ruhe und noch viel mehr Zeit tagsüber für ihr kleines Kind brauchen. Väter und Mütter gleichermaßen sagen mir so oft, dass ihr Gefühl sagt, dass es unter einem Jahr für sie noch zu früh ist, ihr Kind schon früh morgens, oftmals für viele Stunden außer Haus in eine KiTa zu bringen. Dass ihr Gefühl so ist, dass ihre Kleinen eigentlich noch größer werden müssten.  Das Schöne daran: Dieses elterliche Gefühl passt genau zu dem, wass wir zu den Entwicklungsschritten kleiner Menschen wissen. Kleine Kinder müssen sich stark gebunden fühlen, müssen bei den nächsten Lieben (das sind in aller Regel, logisch, ihre Eltern) verwurzelt fühlen und sich stark geliebt fühlen; langsam nabeln sie sich dann von diesen „Haupt-Bindungs-Personen“ ab, bekommen erste, kleine „Flügel“ und gehen dann gerne, ohne Unruhe und nächtliche Schlaflosigkeit, ins Spiel zu anderen Kindern. Aber diese Prozesse brauchen ZEIT!

Es geht offensichtlich nicht um die Bedürfnisse kleiner Kinder, sondern  um die Bedürfnisse der Wirtschaft.

Derzeit werden Eltern, Väter wie Mütter gleichermaßen, möglichst früh wieder an die Arbeitsplätze zurück geholt, weil der Fachkräftemangel hoch ist. Es geht bei all dieser Politik nachweislich nicht um die Bedürfnisse kleiner Kinder, sondern nachweislich um die Bedürfnisse der Wirtschaft. (Mehr und sehr Genaues hierzu finden Sie im Buch von H.Renz-Polster: „Die Kindheit ist unantastbar“, Beltz-Verlag)
Kinder werden vor allem dann klug und im Leben wohl orientiert, wenn sie sehr geliebt  werden (das machen meist die Eltern sehr gut), wenn sie in Ruhe und mit gutem Gespür für sich selbst und ihr aktuelles Lebensgefühl beantwortet und ernst genommen werden. Dann sind sie in ihrer Kleinkind-Ruhe und gleichzeitig voller Neugierde. So entstehen im Menschen beides: Psychische Stabilität und die Freude am Entdecken,  das heißt bei Kindern: Freude am Spielen.

Reiner Effizienzgedanke statt echter Flexibilität, positivem Wandel und wirklich familienfreundlicher Arbeitspolitik

Anstatt dieses Wissen zur menschlichen Entwicklung ernst zu nehmen und für Menschen, die Kinder haben, Arbeitsverträge einzuführen, die ihnen Zeit geben und lassen (die Beamten bekommen solche Verträge, dort geht es!), werden die Eltern auf das Drängen der Wirtschaft eingestimmt und angetrieben, sich entgegen allem Gefühl früh von ihren Kindern zu trennen. Das gilt für Väter und Mütter gleichermaßen.
Liebe Eltern, seien Sie mutig, wehren Sie sich, widersprechen Sie dieser überall angepriesenen Entwicklung. Sie finden Details und viele Tipps zum Alltag im Leben mit kleinen Kindern in meinen beiden Büchern: „Gelassene Eltern-glückliche Kinder“ und „Erziehen mit Mut und Muße“. Vielfältigste Hintergrund-Informationen zur derzeitigen Politik finden Sie wie oben beschrieben bei Herbert Renz-Polster, außerdem bei Rainer Stadler „Vater, Mutter, Staat“,  zu finanziellen Nöten von Familien, zur extrem ungerechten Besteuerung von Familien  bei Jürgen Borchert: „Sozialstaatsdämmerung“.

Diese Autoren sind durchweg Menschen, die politisch eher links und keinesfalls in der rechten Ecke stehen, die aber die derzeitige Entwicklung mit bestem Fachwissen und mit Kenntnis ihres Fachgebiets deutlich hinterfragen, die konsequent die Frage stellen: Wo ist die Quelle all dessen, was derzeit überall proklamiert wird?  In jedem der Bücher wird die Frage gestellt: Warum sollen sich die Eltern und ihre kleinen Kinder plötzlich so sehr beeilen? Was ist eigentlich los?  Wem wird hier gedient? Warum wird so dermaßen aufs Tempo gedrückt? Wessen Interessen werden gestärkt? Die der Kinder sicher nicht.

Hören Sie nur auf sich, auf Ihre Familie, auf Ihr Gefühl – nur das zählt!

Machen Sie sich kundig und bleiben Sie Ihrem Gefühl treu: Machen Sie mit Ihren Kindern langsam und genießen Sie Ihr Zusammensein. Und seien Sie sicher: Das genau macht Ihr Kind bleibend ruhig und in seinem Innern sicher und stark, außerdem, das ist das Tolle: Genau so werden Kinder auch noch intelligent. Klasse, oder?
Herzlich
Ingrid Löbner

Allgemein

Ungerechte Familien- und Steuerpolitik: Eltern weiterhin klar im Nachteil

Liebe Eltern,

heute in den Nachrichten: Jedes sechste Kind in Deutschland lebt an der absoluten Armutsgrenze, jedes fünfte Kind ist von Armut betroffen, die Eltern jedes siebten Kindes können akute finanzielle Notsituationen nicht aus eigener Kraft bewältigen. Diese Zahlen sind alarmierend und bedeuten schlicht und ergreifend das, was Kenner der Familienpolitik schon lange anprangern: Familien mit Kindern sind in Deutschland finanziell zu stark belastet und müssten dringend steuerlich elementar entlastet werden.

Geldbrse

Steuerentlastung und Förderung von Familien sind weiterhin viel zu gering

Die Verbrauchssteuern sind hoch, das bedeutet, dass mit jedem Einkauf für mehrere Mitglieder einer Familie die Eltern elementar deutlich höher belastet sind, als  Menschen ohne Kinder; dazu sind Verbrauchssteuern Steuern, die keine Rücksicht auf die Höhe des Einkommens nehmen. Ich möchte Ihnen als Eltern empfehlen: Machen Sie sich kundig  darüber, wie hoch Sie, als diejenigen, die für die junge Generation einer Gesellschaft sorgen, tatsächlich vom Staat zur Kasse gebeten werden; und gehen Sie auf die Barrikaden, äußern Sie sich zu diesen Ungerechtigkeiten laut, öffentlich. Besorgen Sie sich –  verfasst vom ehemaligen Vorsitzenden Richter des Sozialgerichts Hessen, von Jürgen Borchert  –  das Buch „Sozialstaatsdämmerung“. Durch seine sehr genaue Darstellung finden Sie detailliert alle Informationen zur aktuell übermäßigen Besteuerung und Abgabenlast von Eltern. Mit diesen, im Buch deutlich aufgeführten Tatsachen seien Sie entschieden und treten Sie Ihren Abgeordneten deutlich auf die Füße.

Seien Sie nicht länger leichtgläubig – durch Kindergeld und Familienlastenausgleich wird Ihnen in unserem Land noch lange nicht angemessen Ihre reale Finanzlast ausgeglichen. Seien Sie widerspenstig und reell, nehmen Sie diese alarmierenden Verhältnisse nicht länger hin. Sie haben für Ihre tägliche Arbeit und Sorge für Ihre Kinder weitaus mehr von Ihrem Einkommen verdient.
Herzlich, bis zum nächsten Mal
Ingrid Löbner

Allgemein

Freiheit, Spiel und Bewegung machen Kinder kreativ und glücklich!

Liebe Eltern,

Dieser Tage in unserer hiesigen Tageszeitung wieder ein Bericht von einem Kongress der Kinder-und Jugendärzte/Fachbereich Orthopädie: Kinder haben zu wenig Bewegung und daraus folgend  – Schäden!  Wie kann es dazu kommen? Wenn wir Kinder beobachten und sie machen lassen, dann erleben wir ihren unglaublichen Bewegungsdrang.  Wo bleibt der so plötzlich?

Verschlechtert hat sich die Umgebung und unser Umgang damit: Kinder können oder dürfen kaum noch draußen spielen, sei es, dass der Verkehr vor ihrer Haustüre überhand nimmt, sei es, dass Erwachsene die Kinder nicht in Gruppen, ohne dauernde Aufsicht, untereinander spielen lassen.
Frage  ich Erwachsene, was sie als besonders schön aus ihrer Kindheit erinnern, höre ich überall, egal in welcher Region ich diese Frage stelle, diese Antwort:  „Am schönsten war, wenn man mit andern Kindern weiter weg, untereinander spielen durfte, die Erwachsenen gar nicht wussten, wo wir waren; am allerschönsten war es, wenn man am nächsten Tag weiterspielen durfte, stundenlang, da, wo man tags zuvor aufgehört hatte.“
Ganz sicher hatten Kinder, denen solches Spiel ermöglicht wurde, keinen Bewegungsmangel.

happy child girl with a kite running on meadow in summer in nature

Spielen und Bewegung macht Kinder kreativ und glücklich

Wie wäre es, wieder mehr dafür einzutreten und dabei zu helfen, dass Kinder zueinander finden und stundenlang spielen dürfen? Dass wir für Spielstraßen eintreten? Wir Kindern, die zu sehr in städtischen Vierteln wohnen, behilflich sind, dass sie zusammen rauskommen, wir nur die Station sind für Spiel-Utensilien, ein Pflaster und natürlich Kakao und Butterbrote, wir ansonsten die Kinder aber ausschwärmen und spielen lassen? Wir hätten freie Zeit für alle unserer erwachsenen Vorhaben – Kinder hätten sich untereinander für ihr Spiel.

Schon gewusst? Die erleichternde Nachricht beim derzeitigen Hype der frühen Bildung: Stundenlanges Spielen, möglichst draußen, DAS macht intelligent, höchst kreativ und hält dazu die Knochen und alles drumrum bestens gesund.  Es ist gar nicht schwer – aber es braucht unseren Mut als Erwachsene, nämlich: Kinder abzumelden aus den vielen Kursen am Nachmittag und aus den Ganztageseinrichtungen; und es braucht unsern Mut, an unsere  Erinnerungen zu glauben: Es war wirklich sehr schön als Kind, sich frei zu fühlen und frei mit anderen spielen zu dürfen. Klug wurden wir dabei auch noch! Denn Lernen und Entstehung von Intelligenz geht völlig anders als derzeit meistens behauptet wird …

Wir sollten genau dieses Spielen-Dürfen auch unseren Kindern heute weiterhin gönnen!

Also, liebe Eltern: Nur Mut! Und helfen Sie sich gegenseitig, indem Sie sich die Kinder abnehmen, eine/r hat „Bereitschaft“ und ist für die Gruppe da, damit sie frei sind für ihr Spiel; wechseln und sprechen Sie sich ab und unterstützen Sie einander als Eltern, und Ihre Kinder fürs Spiel. Wer mehr lesen mag:  „Erziehen mit Mut und Muße“  und „Gelassene Eltern – glückliche Kinder“  – in beiden Büchern finden Sie viele Anregungen für ein entspannteres Leben mit Kindern. Und in „Jedes Kind ist hochbegabt“ von Neurobiologe Prof. Gerald Hüther finden Sie alles, was Kinder brauchen, um kluge Gehirne zu bekommen.

Der Sommer kommt – mit 1000 Gelegenheiten für Kinder, unendlich viel draußen zu sein. Machen Sie es sich einfacher  – und Ihren Kindern wieder schöner! RAUS mit den Gören fürs gemeinsame SPIEL! Und allen zusammen mehr Vergnügen, den  Erwachsenen endlich wieder mehr Zeit zum Klönen, weil die Kinder gemeinsam eine Weile verschwunden sind  …. Als Gruppe: Keine Angst, die tauchen wieder auf,  wie wir auch, spätestens wenn der Hunger kommt! Draußensein macht hungrig! In jeder Hinsicht – erinnern Sie?

Viel Spaß dabei Ihnen allen und bis zum nächsten Mal
Ingrid Löbner

 

 

Allgemein

OECD-Studie zur Teilzeitarbeit – Eltern wehrt Euch!

Diese Woche, Ende Februar, in den Medien, die neuen Ergebnisse einer OECD-Studie, Haupt-Aussage: In Deutschland arbeiteten im Vergleich zum europäischen Ausland immer noch sehr viele Mütter in Teilzeit. Es müssten mehr Betreuungsplätze geschaffen werden, damit sich das ändere. Wenn ich das höre (ich hörte es im Radio), ist mein erster Gedanke: Vielleicht sind die Mütter einfach auch klug? Und auch noch warmherzig? Weil sie spüren, dass sie Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten? Sie außerdem merken, dass die Kraft in der Familie nicht ausreicht, wenn beide Eltern voll arbeiten und man die Kinder früh wegbringen muss?

Young businesswoman holding newborn crying babe while sitting with laptop and touching head with pained expression. Career mom suffering from migraine after working on pc and nursing crying child

Liebe Eltern – werdet laut und wehrt Euch!

Warum wird fast nur noch über mangelnde Plätze für Außer-Haus-Betreuung gesprochen und ganz selten über die Zeit, über das Maß an Ruhe, ausreichend gute Nerven, um als Eltern die Tage (und die immer wieder aufreibenden Nächte!!) mit (kleinen) Kindern nicht in Hektik und bei Bringen und Abholen zu verbringen, sondern in Muße Zeit mit Kindern zu haben? In den KiTas höre ich: „Wir haben nicht so viele Schöße für die Kleinen, wie wir sie eigentlich bräuchten …“. Es heißt, Frauen müssten arbeiten, um sich zu verwirklichen, um nicht von einem Mann abhängig zu sein, und um später nicht in Altersarmut zu landen. Ist es nicht auch Teil von Selbstverwirklichung, die eigenen Kinder zu erleben? Ich kenne Väter, die es sehr bedauern, dass sie wegen des Geldverdienens genau dafür wenig Zeit haben!

Mütter und Väter – widersprecht!

Es ist eine Binsenwahrheit, dass wir durch gemeinsame Kinder voneinander abhängig werden. Wer gemeinsame Kinder hat, hat ein Leben lang miteinander zu tun, das hört nicht auf – denn ein Leben lang wird man immer wieder aufeinander treffen und durch die Kinder verbunden sein (und sei es nur bei großen Anlässen wie Geburtstagen, Hochzeiten etc. …). Vielleicht wäre unterstützender, Paaren dabei behilflich zu sein, dass sie mit dieser starken Verbundenheit konstruktiver zurecht kommen? Und vielleicht sollte man anerkennen, dass die größere Zahl der Männer freundlich ist und sehr wohl bereit, ihr Geld mit ihren Partnerinnen zu teilen?

Dass es aber an der Zeit wäre, dass alle, die sich um Kinder kümmern (ob es die Mütter oder die Väter sind) einen starken, rechtlich verbrieften Anspruch auf finanzielle Unterstützung brauchen? Und: dass das Kümmern um Kinder eine wichtige Arbeit ist, die realistische Renten-Ansprüche zur Folge haben muss!?

Liebe Eltern – lasst Euch nicht weiter antreiben und lasst Euch die Zeit und Mühe für Eure Kinder  nicht entwerten!

Tretet dafür ein, dass Gesetze so gemacht werden, dass die, die sich um Kinder kümmern, wirtschaftlich gesichert sind, dass Zeit für Kinder möglich ist. Streitet mit Euren Abgeordneten darüber, dass Familien anders abgesichert werden, so dass man die eigenen Kinder auch um sich haben kann und man mehr Möglichkeiten bekommt, das Maß an Arbeit im Haus (auch das ist Arbeit!!!)  und an Arbeit außer Haus selbst, in eigener Entscheidung und nach eigenem Gusto einteilen zu können. Entwertet Eure Arbeit für Eure Kinder nicht, und Eure Art, solidarisch  zueinander als Partner zu sein. Man ist voneinander abhängig! Kinder zu versorgen geht nur solidarisch, gemeinsam.
Mehr zu allem, was und von allem wieviel kleine Kinder (übrigens: nicht nur kleine Kinder!) brauchen und warum wir für sie Zeit und ruhige Nerven brauchen, findet Ihr in meinem neuen Buch „Erziehen mit Mut und Muße“.

Bis es ab 20. März 2017 in den Buchläden ist, könnt Ihr  „Gelassene Eltern – glückliche Kinder“ genießen- denn: In Sachen früher Förderung solltet Ihr Euch auch nicht antreiben lassen! Warum Spielen Kinder bestens fördert – die Argumente hierfür findet Ihr ausführlich in meinem ersten, aber auch wieder im neuen Buch.
Bis bald wieder, Eure Ingrid Löbner

Allgemein

Mit Mut und Muße zum gelassenen Familienalltag!

Liebe Eltern,

viele Eltern, mit denen ich tagtäglich arbeite fragen sich: Wie früh muss man Kinder wie streng erziehen? Wie früh sollten Kinder lernen, ordentlich zu essen? Was tun, wenn Kinder nicht aufräumen möchten? Eltern sagen dann oft, dass sie morgen nicht mit den Sachen spielen dürfen … Die Kinder streiten sich untereinander viel – Eltern trennen sie dann und Besuchskinder müssen heimgehen – aber es hilft nicht … Was tun mit Kindern, die immer trödeln und sich kein bißchen beeilen, sie unser „Wir müssen los!“ nur überhören? Was macht man mit Kleinen, die nie mal alleine in ihrem Zimmer spielen, warum ist das so? Es strengt so an …

Solche und weitere Fragen, stellen viele Eltern, bei fast jedem Elternabend. Da bestimmte Fragen die meisten Eltern beschäftigen, habe ich genau solche häufigen Elternfragen ausführlich beantwortet. Sie bekommen sehr bald  – ab dem 20.3.2017  – in den Buchhandlungen die Antworten, die (so melden mir viele Eltern zurück) den Alltag mit Kindern ruhiger werden lassen: „Erziehen mit Mut und Muße – was Babys, Klein – und Vorschulkinder wirklich brauchen.“

JAEGGI SU

Und viele weitere Anregungen für Ihren geruhsamen Alltag mit Kindern finden Sie in „Gelassene Eltern – glückliche Kinder; mit mehr Leichtigkeit durch die ersten sechs Lebensjahre“ – erhältlich hier sowie online und in allen Buchhandlungen.

Bei allem können Sie erleben: Kinder sind viel kooperativer als wir denken. Wenn Kinder spüren, dass wir elementare Themen, die sie anders erleben als Erwachsene, besser verstehen, sind Kinder sehr gut zu Kompromissen bereit.
Warum Kinder bestimmte Dinge tun, aber zu manchem, was wir gerne von ihnen hätten,  nicht zu bewegen sind, das erkläre ich ausführlicher auf zahlreichen Seiten. Immer so, dass Sie möglichst das Zusammensein mit Kindern mehr genießen, Sie häufiger Vergnügen als Stress haben in Ihrem Leben mit jüngeren Kindern.

Bis bald wieder, Ihre Ingrid Löbner

Allgemein

Unser Kind ist oft so zappelig und unkonzentriert – was kann helfen?

Manchmal sehnt man sich so sehr nach mehr Ruhe mit seinem Kind. Neben viel Zeit für eigenes, freies Spielen gibt es weitere gute Unterstützung. Die Hirnforschung hat Entscheidendes dazu erforscht und gibt uns folgenden Hinweis:

Little boy covered in paint naughty and waving hands. Mischievous child.

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das Ihr Kind stillsitzen und aufmerksam zuhören lässt, das seine Phantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert. Und es zudem befähigt, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle zu teilen, sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es. Man bekommt es nicht in der Apotheke, keine Frühförderanstalt bietet es an. Es kostet nichts. Im Gegenteil. Wer seine Kinder damit beschenkt, bekommt sogar etwas zurück: Nähe, Vertrauen und ein Strahlen in den Augen des Kindes. ( … ) Diese unbezahlbaren Zaubermittel sind gemeinsames Singen, gemeinsam erlebte Märchenstunden, gemeinsames Spielen, gemeinsames Tanzen, Musizieren, Malen oder Basteln. ( … ) Diese Erfüllung entsteht, weil in diesem gemeinsamen Tun ihr wichtigstes Bedürfnis gestillt wird: verbunden zu sein und in dieser Verbundenheit gleichzeitig zu wachsen. Um frei zu sein und autonom zu werden.
Märchenstunden etwa, das Erzählen von Geschichten sind die höchste Form des Unterrichtens. Denn Lernen gelingt am besten, wenn die emotionalen Zentren im Gehirn aktiviert und all jene Botenstoffe freigesetzt werden, die das Knüpfen neuer Verbindungen zwischen den Nervenzellen fördern. Damit es richtig „im Bauch kitzelt“, ist die Atmosphäre wichtig. Man kann eine Kerze anzünden oder die Märchenstunde zu einem richtigen Ritual machen. Das hilft Kindern, zu entspannen und sich zu konzentrieren. In aller Ruhe werden so ziemlich komplizierte Erregungsmuster im Gehirn abgebaut.
Der Inhalt sollte sorgfältig gewählt, die Geschichte aufregend sein und doch dem Kind keine übermäßige Angst machen. Aber wenn Helden Gefahren bestehen, selbst ein wenig Furcht zeigen und am Ende doch das Böse bezwingen, ist das höchste Motivation und Ermutigung. Es ist nicht gleichgültig, wie eine Geschichte erzählt oder vorgelesen wird. Dass Kind muss merken, dass der Erzähler oder die Erzählerin selbst ebenfalls begeistert, betroffen, bestürzt oder erschüttert ist. Und das Kind beim Lesen immer wieder anschaut. Dieser enge Kontakt und die Erfahrung,  dass Vater oder Mutter mitfiebern, machen Märchen aus hirnbiologischer Sicht zum Besten, was wir unseren Kindern bieten können. ( ….) Märchenstunden aus dem Rekorder oder im Fernsehen haben einen sehr viel geringeren Effekt. Es kann kein Austausch stattfinden; Apparate sind nicht in der Lage, Stimmungen einzufangen. Sie lassen Kinder mit ihren Gefühlen allein. Das Zaubermittel sind nicht die Märchen an sich, es ist der intensive Austausch über Gefühle, das Erleben von Nähe und Sicherheit.“
Aus: G. Hüther / U.Hauser: „Jedes Kind ist hochbegabt“ (S.101 ff)

Übrigens: Alle Neurobiologen und Hirnforscher, ob G. Hüther oder J.Bauer, M.Spitzer oder G.Roth empfehlen Eltern das immer wieder Gleiche: Kinder eigene Erfahrungen (im Spiel) und ausreichend Beziehungserfahrungen machen zu lassen – es sind und bleiben die Voraussetzungen, dass sich im kindlichen Gehirn all die starken Synapsen und Strukturen bilden, die Kinder ein Leben lang klug, ausgeglichen und emotional intelligent werden lassen. Es ist irgendwie verblüffend einfach – lassen wir es zu!

Bis zum nächsten Mal,
herzlich
Ingrid Löbner

 

Allgemein

Hilfe – unser Kind teilt seine Spielsachen nicht, was nun?

Da hatte man sich auf einen ruhigen Spiel-Nachmittag der Kinder gefreut, ein anderes Kind kommt endlich zu Besuch und nun gibt es viel Streit – weil das eigene Kind im Kinderzimmer „herrscht“ und keine Kontrolle über seine Spielsachen aufgibt.
Jüngere Kindern fällt Teilen von Sachen oft noch schwer
Jüngere Kinder (häufig bis vier Jahre) erleben ihre Besitztümer oftmals noch wie „Teile“ ihrer Person und tun sich dann sehr schwer, andere Kinder sie anfassen und mit ihnen spielen zu lassen. Das hat mit der kindlichen, psychischen Entwicklung zu tun;  aber leider auch ein wenig damit, wie sehr wir alle im Modus des „Mein“ und „Dein“ leben.
Ausgeprägter, starker kindlicher Egoismus ist bis etwa zum Alter von vier Jahren noch etwas Normales, weil erst ab ca. vier Jahren bei Kindern die Fähigkeit stabil da ist, sich bevor sie anderen etwas antun, sich in die Gefühle des anderen hineinzuversetzen. Dieses „Ich kann nachfühlen, wie Du empfindest und wie die Lage sich für Dich anfühlt“ ist ein Reifeschitt, der erst im Kind erfolgt sein muss, eh man von einem Kind erwarten kann, dass es sich gedanklich vorstellt, wie sein Verhalten sich für das andere Kind anfühlt. Man kann das zwar immer wieder zu einem Kind auch vor dem Alter von vier Jahren sagen, es wird das aber oft genug nicht umsetzen, einfach, weil es das aus seiner psychischen Entwicklung heraus noch nicht stabil, verlässlich umsetzen kann.
Was tun, was hilft bei kindlichem Egoismus?
Zum einen hilft, wenn wir generell viel, viel weniger betonen, dass Spielsachen einem Kind gehören, als vielmehr sagen: Spielsachen sind Sachen, die für alle Kinder zum Spielen da sind.  Da Kinder uns Erwachsene von klein an stark beobachten, ist diese Haltung umso überzeugender, je mehr auch wir bereit sind, Dinge mit anderen Menschen gemeinsam zu benutzen, also zuallererst wir selbst unsere Dinge weniger wie „heilige Kühe“ nur für uns alleine hüten und haben.
Das einzige, was ein Kind „besitzen“ darf und auch langfristig nicht teilen lernen muss ist seine geliebte Puppe oder sein Kuscheltier  – denn beides sind „echte“ Kinder und können nicht ohne weiteres in die Arme anderer wandern. Das ist mit Kindern einfach so, wie wir ja alle wissen. Aber ansonsten ist gut, ruhig und täglich das Hin und Her von Sachen zu üben.
Wie können Eltern bei kindlichem Egoismus behilflich sein?
Im Kinderzimmer muss man den Kindern bis vier Jahren immer wieder noch etwas behilflich sein, wie sie die Spielsachen unter sich so aufteilen könnten, dass es jedem der Anwesenden Freude macht, da zu sein und zusammen ins Spiel zu finden. Man kann dabei helfen, dass das Abwechseln im Gebrauch einzelner Spielsachen klappt, indem man einen Küchenwecker stellt (je mehr der sich noch sichtbar beim Ablaufen bewegt, umso anschaulicher ist für Kinder, wie lange es bis zum nächsten Klingeln dauert); man kann helfen, wer womit als erstes und dann als zweites spielen darf – also bei allen Absprachen noch etwas mit die Regie übernehmen und durch leise, aber immer wieder feine Präsenz im Hintergrund deutlich werden lassen, dass die Regie bei der Frage, wer darf womit spielen, nicht beim Gastgeber-Kind, sondern beim gastgebenden Elternteil liegt. Das nimmt Stress heraus, weil dann nicht ein Kind allein bestimmt und dieses Bestimmen immer vehement verteidigt, sondern weil ein sanftes, aber klares Bestimmen beim – in Sachen Bestimmen- sowieso noch stärkeren Erwachsenen liegt.
Man kann aber Kinder auch (im Wissen, dass es noch schwer fällt, also mit Gnade und weniger eigenem, schnellem Zetern und Schimpfen) dazu auffordern, dass sie nach Kompromissen, nach eigenen Absprachen suchen. Manchmal kommen wundersame Kompromisse unter Kindern heraus, die unseren Ohren und Betrachtungen nicht ganz einleuchten, aber das kann uns egal sein, Hauptsache die Kinder finden ihren Frieden untereinander.
Wer einen wirklich witzigen Wortwechsel darüber, wie geteilt werden kann, nachlesen will, der lese bei Astrid Lindgren, wie Karlsson vom Dach seinen Freund Lillebror dazu bringt, seine Bonbons mit ihm zu teilen.  So kann es auch gehen – aber dennoch spielen und unternehmen die beiden immer weiter etwas zusammen, weil es gemeinsam einfach  mehr Freude macht als allein.
Mit Karlsson vom Dach hat Astrid Lindgren übrigens auf herrliche Weise erzählt, wie es sich anfühlt, wie die inneren Stimmen, das gesamte Lebensgefühl in einem jüngeren Kind noch häufig nach „Mehr“ und „Ich zuerst“ schreien.  Eine gewisse Zeit lang ist etwas Egoismus für Kinder noch ganz normal und in der Fantasiegestalt des Karlsson vom Dach erleben wir das Freche, Bodenlose, Witzige darin auch auf herrliche Weise ständig mit.
Schwierig würde es (wir sind gerade international Zeuge eines solchen Charakters), wenn Kinder diese Züge nicht mit der Zeit ablegten, kein soziales Verhalten im Laufe ihres Großwerdens lernen würden.  Aber das ist jetzt noch nicht die Sorge – indem wir ein wenig diplomatisch beim Üben helfen, lernen Kinder es schon …
Bis zum nächsten Mal,
Ingrid Löbner

Allgemein

Warum wachen Kinder so oft nachts auf?

Da das Thema Schlafen so viele Eltern plagt, behandle ich hier das Thema kindliches Schlafen aus verschiedenen Perspektiven. Heute zur Frage, warum viele Kinder häufig nie lange am Stück schlafen und stets nach kurzer Zeit wieder aufwachen.

Kleines Mdchen schlft mit ihrer Puppe auf dem Sofa

Menschen schlafen in Schlafzyklen, die bei Kindern noch  viel kürzer sind

Alle Menschen schlafen in Schlafzyklen, tauchen tief ab und nach einiger Zeit wieder auf; Erwachsene schlafen in langen Schlafzyklen, Kinder in kurzen Zyklen – aber in jedem Alter eines Menschen wechselt sich leichter mit tiefem Schlaf ab. Nach einem Zyklus nicht aufzuwachen, sondern wieder tief weiter zu schlafen, das müssen viele Kinder erst lernen, auch in gewisser Weise üben und als sicheres Gefühl in sich verankern.
Kinder wollen nicht allein sein. Wenn sie also  schon beim Einschlafen und erst recht beim kurzen Aufwachen nach dem ersten Schlafzyklus (das ist meist nach etwa einer halben Stunde) wahrnehmen, dass sie allein sind – dann sind sie in gewisser Weise alarmiert. „Wie kann ich als so kleiner Mensch hier allein sein?“ – so kann man ihr Gefühl beschreiben. Erst schlafen sie, wie beschrieben, gar nicht gerne ein (weil sie wissen und  spüren, dass die Großen dann gehen), oder sie sind sofort wieder wach, wenn sie nach dem ersten Schlafzyklus und dem dann leichten Aufwachen merken, dass sie allein im Bett oder im Zimmer sind.

Kinder brauchen Nähe, um tief zu schlafen

Das menschliche Leben startet mit dauerndem Zusammensein: im Bauch seiner Mutter spürt ein Kind ständig jemanden. „Immer ist da jemand Vertrautes“ , an dieses Gefühl ist ein Kind gewohnt und so muss es auch außerhalb des Bauches weitergehen, sonst kann sich ein Kind nicht entwickeln, das hat die Hirnforschung deutlich nachgewiesen. Wenn Nähe ganz sicher ist (und je zahlreicher die „Herde“ seiner Mitmenschen um ein Kind herum ist, umso sicherer fühlt es sich) – dann lassen sich Kinder besser fallen und üben automatisch das Tief-und Weiterschlafen.

Daher: Wenn Ihr Kind schnell wieder wach ist, glauben Sie niemandem, dass man irgendeine Art des Selbstständig-Werdens jetzt mit kleinen Kindern üben müsste, sondern nehmen Sie Ihr(e) Kind(er) zum Schlafen so in Ihre Nähe, dass es schnell, nach besagtem ersten Schlafzyklus jemanden hört und spürt, dass es getrost in der Nähe aller Lieben weiterschlafen kann. Am besten daher, sollten die Schlafzimmer im oberen Stock sein, dass Kinder besser mit nach unten genommen werden, dort einen gemütlichen Platz bekommen.

Seien Sie pragmatisch – die anstrengende Schlafzeit geht geht vorbei!

Wenn  Sie eine Decke unter das Kind legen, können Sie es später ganz leicht an den vier Zipfeln der Decke mit nach oben tragen und dort ablegen, wo Sie alle die Nacht durch schlafen. Bei solchem Transport wachen die meisten Kinder nicht auf. Glauben Sie der Tradition, dem Wissen alter menschlicher Kulturen – aus einer alten Kultur stammt der Satz: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.“ Kinder auch nicht, sie werden nur quengeliger, unsicherer, anstrengender.

Genießen Sie es auch, dass Sie so gebraucht werden, denn diese Zeit dauert nicht ewig.  Die Zeit, in der Sie sich abends fragen: „Wo ist eigentlich das Kind / w0 sind die Kinder so lange noch?“ diese Zeit kommt schneller als Sie denken! Dann denken Sie plötzlich zurück, als Sie nah beim Kind sein sollten und wünschen sich, dass alles wieder so überschaubar, immer weiter so bleibend vertraut wäre.
Machen Sie es sich gemütlich …. eine Herde zu haben, und sei sie noch so klein, ist schöner als man meint  …
Bis zum nächsten Mal,
Ingrid Löbner

Allgemein

Kinder brauchen keine Förderung, sondern Spiel!

Zur Zeit werden Eltern unsicher, weil sie überall vermehrt für ihr Kind Förderkurse angeboten bekommen. Auch kleine Kinder haben inzwischen eine Woche mit mehreren Terminen. Ist das gut so? Wieviel Förderung brauchen Kinder tatsächlich, oder eben auch nicht?

Soll man mit Kindern Förderkurse besuchen oder doch nicht?

Man kann sich nicht oft genug klar machen, was die Hirnforschung herausgefunden hat:
Damit sich das menschliche Gehirn gut, heißt mit ausreichend vielfältigen Nervenbahnen in starker Struktur ausbildet, brauchen kleine Menschen vor allem zwei Dinge:
Erstens: stark genug geliebt zu werden  – dann wird das Gehirn mit Botenstoffen „geduscht“, die es hochaktiv machen, voller Freude. Das Phänomen kennen wir alle: Man hat bei den Lehrern leicht gelernt, die man mochte.
Zweitens: eine normal anregende Umgebung, in der Kinder etwas tun dürfen, da und dort mithelfen und vor allem stundenlang spielen dürfen.
Wenn ein Kind spielt, ist es hochkonzentriert, hochkreativ und dabei völlig angstfrei. Das sind genau die Zustände, die auch für später das Konzentrationsvermögen fördern, die gut wappnen gegen Angst, und die alles im Kopf des Kindes genau so ausbilden, dass es auf Dauer seine Fähigkeit, zu denken und sich etwas zu merken, optimal nutzen kann.

Die Natur hat vorgesorgt – sie sorgt für die menschliche Intelligenz, ganz aus kindlicher Lebenslust heraus!

Statt Fördern also: Spiel! Möglichst viel und stundenlang, am besten viel  unter Kindern. Im Spiel machen Kinder alles kinderleicht, aus Freude, Vergnügen und Spaß heraus. Sie durchleben 1000 Lernprozesse, ganz von selbst. Sie bewegen sich, sind erfinderisch, üben Sozial-Verhalten, haben tolle Ideen – und setzen alles um.

belle jeune fille faisant des bulles

Die Natur wartet nicht darauf, bis Pädagogen erst Kinder fördern würden.
Eigentlich logisch, oder? Der Grund, warum seit Tausenden von Jahren kluge Leute groß werden.  Das Interessante bei aller Entwicklung ist doch: Kinder haben Lust aufs Spiel und genau das bringt ihre Gehirn-Entwicklung optimal voran.

Wenn Sie weit zurückschauen wollen, schauen Sie sich die alten Kulturen an … da kommt man ins Staunen, was alles von Menschen hervorgebracht wurde, obwohl allein schon mal  die alten Ägypter ihre Kinder vor allem spielen ließen!

Wenn Sie nicht so weit zurück wollen, lesen Sie  möglichst viel von Astrid Lindgren: Maditas kleine Schwester Lisabeth, Lotta, das jüngste Kind der Kinder aus der Krachmacherstraße, Michel, Lillebror und Karlsson vom Dach, Ferien auf Saltkrokan – alles Geschichten, die erzählen, wie und womit Kinder vor dem Schulalter, aber auch im Schulalter, liebend gerne spielen. Genau so sind Kinder, auch heute noch, wenn man sie lässt; und niemand kann uns das so hautnah vor Augen führen wie Astrid Lindgren. Wenn Erwachsene diese Geschichten lesen, spüren sie wieder, wie es war, Kind zu sein – ganz genau so sind Kinder, wie Astrid Lindgren sie schildert, wie sie reden, denken, wonach sie sich sehnen und genau so werden sie auch heute noch klug.

Gute Rahmenbedingungen für phantasievolles Spiel von Kindern ist Förderung genug!

Wir Erwachsenen sind nur dazu da, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Kinder stundenlang in ihr gemeinsames Spiel finden. Den Rest erledigen Kinder liebend gerne selbst – nachweislich!
Wer es genauer wissen will, kann das Buch des Hirnforschers Gerald Hüther lesen: Rettet das Spiel! Erst 2016 erschienen, bietet dieses tolle Buch eine brandneue Einweisung in menschliche Hirn-Entwicklung.

Oder auch seit 2016 mein neuestes Buch Gelassene Eltern-glückliche Kinder; da ist ein großese Kapitel drin, warum Kinder viel spielen wollen und müssen und was das in ihnen alles stabilisiert; 2017 kommt Band zwei: Erziehen mit Mut und Muße – was kleine Kinder wirklich brauchen (Verlag Fischer&Gann); damit der Stress ein Ende nimmt…. mit bestemWissen und  Gewissen der Eltern! Im diesem zweiten Buch antworte ich auf typische Fragen, die sehr viele Eltern beschäftigen. Situationen aus dem Alltag, der manchmal anstrengend ist.

Und wissen Sie was: Es ist wirklich so, meist hilft vor allem eines: Spielen, spielen, spielen!

Genau das  wollten wir doch auch, damals  als wir Kinder  waren –  oder hatten Sie als Kind Lust auf Kurse? Wahrscheinlich eher nicht, zum Glück nicht! Denn Spielen macht uns Menschen von Kindesbeinen an hochkarätig und intelligent.
Machen Sie sich zu Weihnachten eine Freude, kaufen Sie sich (am besten alle) die genannten Astrid Lindgren Bücher und lesen Sie sie in Ihren Weihnachtstagen, ganz für sich als Eltern – Sie werden Ihr Kind mehr verstehen und wissen, was es braucht, wonach es sich sehnt.  Weniger als Sie denken – aber Dinge, die ihm nahe, unter die Haut gehen – und das macht uns klug! Ganz ehrlich …
Viel Freude bei alledem und viel Spaß!
Bis bald wieder, Ihre
Ingrid Löbner

Allgemein

Gemütlichkeit statt Strenge – nur so können Kinder schlafen lernen!

Kürzlich im SPIEGEL (45/2016) ein Artikel zu einer neuen Methode: Durch Einsperren kleiner Kinder in ihrem Zimmer, ihnen das Schlafen beizubringen. Soll man, oder eher nicht? Wenn nicht – warum nicht? Die meisten Eltern haben ein gutes Gespür in sich und wenn sie so etwas lesen, merken sie: „Ich glaube, ich könnte das nicht …“ Aber soll man es doch probieren, wenn es ja scheinbar bei anderen klappt?

Nur Schreien-Lassen ist nicht gut und bei kleinen Kindern führt es dazu, dass sie meist völlig außer sich geraten. Das spürt man und genau das ist es, was man als Eltern nicht erträgt, denn man fühlt mit seinem Kind natürlich mit, und das ist gut so! Ein noch junger Mensch lernt außerdem so das Schlafen nicht auf eine gute, beruhigte und entspannte Art und Weise; vielmehr wird Schlafen zum Stresserlebnis für die ganze Familie. Manche Kinder schlafen zwar dann auch mit solch strengen Methoden irgendwann ein, aber eben aus Resignation und Erschöpfung, nicht aus Wohlgefühl und sich emotional und körperliche Fallenlassen, wie es eigentlich sein sollte. Schreien-Lassen kann dabei traumatisch erlebt werden; dann, wenn ein Kind während seines Schreiens niemanden mehr spürt, der es hält und mitfühlt, sich vollkommen allein gelassen fühlt. Aus meiner Fachperspektive kann ich daher nur absolut von solchen Methoden und Ansätzen abraten.

Guter Schlaf bei Kindern lebt von Gemütlichkeit und Sicherheit – nicht von Konsequenz und Strenge

sleeping newborn baby in a wrap

Um ehrlich zu sein sind rabiate Einschlafmethoden bis zur völligen Erschöpfung aus meiner Sicht psychische Kindesmisshandlung, nichts anderes. Mein Tipp an alle Eltern daher: Wenn Sie merken, dass Sie zu einer solchen Härte nicht in der Lage sind und für Sie solche Methoden nicht infrage kommen – stehen Sie dazu, trauen Sie Ihrem Gefühl, lassen Sie sich darin nicht irritieren und lehnen Sie diese komplett ab! Wenn Eltern so etwas ohne Probleme emotional aushalten können, zeigt es für mich leider ein wenig, dass sie nicht ganz so gut zu spüren scheinen, was in ihrem Kind eigentlich vorgeht; dass das Kind es nicht böse meint mit dem Nicht-Schlafen und es daher nichts gibt, dem man mit Strenge und Härte begegnen müsste. Im Umgang mit Kindern  sollte es eigentlich immer um Warmherzigkeit, Gemütlichkeit, gute Zeit und emotionale Sicherheit gehen. Das brauchen Kinder und das ist auch die Voraussetzung dafür, dass Kinder schlafen und zur Ruhe kommen können, davon bin ich fest überzeugt.

Natürlich weiß ich, dass es für Eltern nicht immer einfach ist, dass das gelingt und sie oft unter großem Stress und hoher Belastung stehen, die Ruhe und Gemütlichkeit eben gerade nicht oder nur schwer zulassen. Aber wenn Sie aus Erschöpfung oder auch jedem anderen guten Grund gerade nicht in der Lage sein sollten, Warmherzigkeit, Gemütlichkeit und emotionale Sicherheit zu geben, holen Sie sich Hilfe, entlasten Sie sich, schaffen Sie gemeinsame Inseln der Entspannung. Das ist der viel bessere Weg, als über Härte, Konsequenz und Rigorosität rund um das Thema Schlafen neuen Stress und neue emotionale Belastungen für alle zu schaffen.

Bis dahin wieder
Ingrid Löbner

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