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Der Kampf ums anständig Essen – und warum er keinen Sinn macht

Viele Eltern fragen sich diese Frage, hören außerdem von allen Seiten: Sorgt dafür, dass Dein Kind beim Essen Regeln akzeptiert, bring ihm früh bei, dass beim Essen und mit Essen nicht gespielt wird und so weiter und so fort … Heute will ich Ihnen erklären, warum dieser so frühe Kampf um Regeln und anständiges Essen nur Stress aber überhaupt keinen Sinn macht. 

kids eat pizza and pasta at cafe. children eating unhealthy food indoors

Zunächst einmal ist es mit Rigorosität ja sowieso meist nicht getan, außer Stress und Streit, man erreicht letztendlich nichts. Und die Kälte darin ist im Umgang mit Kindern sowieso eine eher probelmatische Einstellung.

Aber einfach ist das alles auch nicht – denn kleine Kinder haben einen hohen Bewegungsdrang und können tatsächlich weniger gut  stillsitzen als Erwachsene. Zudem fassen sieauch noch alles an, um es im wahrsten Sinn des Wortes durch Greifen zu begreifen.

Was nun? Darf das Kind also alles? Muss man Herummatschen und Herumzappeln bei Tisch mit Kindern dulden?
Es hilft, erstmal zu wissen, dass sich das alles je nach Alter eines Kindes verändert und unterschiedlich angehen und einrichten lässt.

Kinder erleben (und genießen) mit den Händen

Kleinere Kinder (bis zu zwei, zweieinhalb Jahren) wollen wirklich das Meiste gerne noch mit der Hand fühlen, oftmals auch vieles lieber aus der Hand essen – das hilft ihrem Appetit deutlich auf die Beine. Mit reichlich „Spüren“ macht Essen Freude und eine zeitlang sind Eltern gut beraten, sich auf etwas weniger Gepflegtheit und dem „Mehr mit den Händen machen dürfen“, einzustellen. Das hört ganz von selbst bald wieder auf.
Dann kommt die Zeit, in der Kinder viel Freude haben (diese Freude beginnt früh und wird neben „Essen mit den Händen“ parallel gepflegt), wenn sie ebenfalls ihre Geschicklichkeit mit Löffeln, Gabeln, Messern üben, wie sie es bei den Großen sehen;  lassen Sie ein Kind zumindest mit Löffel und Gabel früh üben – der Eifer dabei freut Ihr Kind und lässt es zusehends geschickt werden, hält es in Konzentration, auch mehr Ruhe durchs ernste Üben, somit auch lieber und etwas länger bei Tisch.

Regeln mit Lust und Laune ganz spielerisch lernen

Mit etwa vier Jahren haben dann Kinder große Freude an Regeln und nun kommt die Zeit, in der sie Regeln lernen, vertreten und drauf achten, dass alle sich dran halten. Jetzt ist die Zeit, immer mal auch die schönen Sitten bei Tisch mit Kindern zu üben. Jetzt tun sie es liebend gerne, ermahnen auch die Großen: „Papa, man darf nicht mit vollem Mund reden…“ und haben Spaß dran, wenn wir mit ihnen „feine Sitten“  z.B.  durch ein echt „Feines Essen unter feinen Leuten“ spielen. Alle ziehen sich fein an, der Tisch ist besonders fein gedeckt und alle spielen zusammen „feine Gesellschaft“. Sie staunen, wie genau Kinder beobachtet haben, wie feine Leute wirklich vornehm essen; wenn man sich dann noch entsprechend fein anredet „Frau Rosenbaum, bitte reichen Sie mir doch mal das Gemüse…“ , „Aber gerne, Herr Lilienkron, ich wüsst nicht, was ich lieber tät …“ – dann werden schwuppdiwupp die guten Sitten bei Tisch spielerisch gelernt. Kichern und  Lachen muss man dabei auch und so macht alles einfach Spaß  – und Eltern sind eine Sorge los! Fangen Sie also mit dem Lernen der Regeln bei Tisch dann an, wenn Kinder das Alter für Regeln haben, nicht zu früh, denn dann strengt es Sie zu sehr an und allgemeines Generve greift um sich – dabei lernt man Gewünschtes eher schlecht. Mit Freude, Kichern und Spaß geht es viel leichter.

Seien Sie großzügig, ersparen Sie sich Stress – es lohnt sich nicht!

Zum Bewegungsdrang: Kleine Kinder bleiben eher ruhiger beim Essen, wenn sie auf den Schoß von Mama oder Papa dürfen; wenn sie müde sind, dann von den Eltern eher auch mehr denn weniger gefüttert werden. Und wenn es nicht mehr geht, darf ein Kind aufstehen, spielen, sich – während die anderen noch fertig essen – mit etwas beschäftigen, das es in verträumte Ruhe bringt; meiner Ansicht nach, dann ruhiges Spielen durchaus auch bei Tisch. Denn: Als Kind will man bei den anderen sein, Teil der „kleinen Herde“ sein; wenn es dabei hilft, dass mehr Träumerei und Ruhe einkehren kann, ist das immer ein gutes Anliegen. Dann fährt ein Auto etwass leiser brummend schon mal auf dem Tisch entlang, bis alle fertig sind. Nicht zu streng sein  – Spielen hilft oft in Trance und Entspanntheit und ist ein gutes Anliegen eines Kindes. Erst später, wenn Kinder deutlich größer sind, kann man erwarten, dass Kinder eine Zeit gemeinsam mit allen längere Zeit bei Tisch bleiben können und das genießen.
Rituale des gemeinsamen Anfangs und des Endes helfen immer, dass man gemeinsam in etwas mehr Ruhe findet – dies schon früh, denn Kinder lieben Rituale wie „Sich die Hände geben“ , dazu schöne, immer wieder gleiche Tisch-Verse zu sprechen.

 

Pädagogik der kleinen Kompromisse

Eine Regel bewährt sich sehr, sobald es mehrere Kinder sind: Alle Kinder dürfen zusammen aufstehen, wenn alle Kinder fertig sind mit Essen. Lediglich auch hier gilt: Kleine Krabbelkinder, die auf den Boden wollen, um ein wenig los zu krabbeln, weil sie solch große Freude dran haben, dass sie sich jetzt selbst bewegen können, die dürfen dann einfach schon früher auf den Boden, denn sie können manchmal nicht so lange warten, bis größere Kinder bei Tisch fertig sind. Aber solche Ausnahmen für Kleine verstehen größere Kinder nur zu gut. Sagen Sie einfach: Mia (oder Jonas …) ist noch zu klein, sie kann die Regel noch nicht einhalten, sie darf einfach los. Später kann sie es dann auch.“ So verstehen Kinder, dass Regeln an das jeweilige Können angepasst werden und wir nie zu stur sind. Das stärkt und bestärkt in Kindern Einfühlungsvermögen und Warmherzigkeit.  Gnade vor Recht – das ist immer gut im Zusammenleben untereinander!
Guten Appetit und bis bald,
Ihre Ingrid Löbner

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